„Muss mal härter sein“: HSV-Trainer Polzin lobt Philippes Frust-Reaktion
Vielleicht profitierte Rayan Philippe auch von Albert Grønbæks krankheitsbedingtem Ausfall, das ist spekulativ. Normalerweise wollte Merlin Polzin den Dänen erstmals für den HSV-Kader nominieren, doch dann musste sich Grønbæk mit Fieber für das Spiel gegen den 1. FC Köln (1:1) abmelden. Somit wurde ein Platz im Aufgebot frei. Es ist müßig, zu orakeln, wer statt der Leihgabe von Stade Rennes auf der Bank sitzen durfte. Vielleicht Fabio Baldé? Oder doch Philippe? Fest steht: Der Franzose kehrte zurück, nachdem er eine Reaktion gezeigt hatte.
Dass er in Wolfsburg (2:1) erstmals in dieser Saison aus rein sportlichen Gründen im Kader gefehlt hatte, nagte an Philippe. Doch laut Polzin verfiel der Ex-Braunschweiger weder in Selbstmitleid noch tauchte er im Training oder in der Kabine ab. Vielmehr habe er die Signale, die mit der harten Maßnahme einhergingen, „auf jeden Fall“ begriffen.
Merlin Polzin verrät: „Rayan war sehr kritisch damit“
Am Dienstag berichtete Polzin: „Rayan war sehr kritisch damit, was ich an ihm bemängelt habe – in der Form, dass er sich damit auseinandergesetzt hat, Rückfragen gestellt hat und mit dem Trainerteam im Austausch war.“ Philippe nahm die Worte seines Coaches also zum Anlass, sich zu hinterfragen und Dinge, die zuvor vielleicht nicht passten, umzubiegen. „Es geht nicht von heute auf morgen, er hat aber versucht, die Dinge zu verändern“, registrierte Polzin.

Im Spiel gegen die Kölner wechselte der Übungsleiter den 25-Jährigen trotzdem nicht ein – sondern stattdessen die Offensivkräfte Jean-Luc Dompé, Otto Stange, Baldé und Philip Otele. Philippe schmorte bei seiner Kaderrückkehr zum zweiten Mal in der Rückrunde – nach dem 3:2 gegen Union Berlin – über 90 Minuten an der Seitenlinie. Aber immerhin, er zählte wieder zu den 20 einsatzberechtigten HSV-Profis, nachdem er hart ausgebremst worden war.
Der HSV-Stürmer steht weiterhin in der Bringschuld
Daran, dass Philippe in der Bringschuld steht, hat sich nichts geändert. Denn der Leistungstrend der vergangenen Wochen spricht (noch) gegen ihn. „Es waren einfach Dinge, die mir seit längerem nicht gefallen haben“, erklärte Polzin zum Auftakt in die Trainingswoche vor dem Spiel in Dortmund (Samstag, 18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) noch einmal. „Meine Aufgabe ist es, nicht den Menschen, sondern den Spieler zu kritisieren.“ Das geschah im Fall Philippe. „Ich mag ihn total gerne, er ist ein ganz, ganz feiner Kerl – aber ich möchte, dass er in seinem Alter Dinge lernt, die uns perspektivisch die nächsten Jahre noch weiterhelfen. So alt ist er nämlich noch nicht“, weiß der Coach.
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Philippe, der im Sommer für 2,5 Millionen Euro von Eintracht Braunschweig zum HSV kam, steht im Volkspark bis Ende Juni 2029 unter Vertrag. Die Bosse verfolgen einen langfristigen Plan mit dem Linksfuß. „Und deswegen“, sagte Polzin, „muss so eine Entscheidung vielleicht auch mal ein bisschen härter sein.“ Die Reaktion stimmt ihn froh.
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