Mit 3779 Tagen Anlauf! Jatta und sein HSV-Moment für die Ewigkeit – „ein Privileg“
Es gibt Tore, die wirken eher unspektakulär und sind bei genauerer Betrachtung dann aber etwas ganz Besonderes. Die Fans im Volkspark wurden am Sonntag Zeugen eines solchen Treffers – denn einen viel längeren Anlauf für ein Tor dürfte es in der Bundesliga bislang erst selten gegeben haben. 3779 Tage lang musste Bakery Jatta auf diesen Moment warten.
Am 4. Januar 2016 präsentierte der HSV den verdutzten Reportern einen bis dato noch unbekannten Trainingsgast. Fast zehneinhalb Jahre später nun krönte genau dieser Jatta seine ohnehin schon bemerkenswerte Karriere mit seinem ersten Bundesligator und war nach dem 3:2 (1:1) gegen Freiburg fast sprachlos. „Ich bin einfach nur glücklich und dankbar für diesen Moment“, ließ der 27-Jährige wissen.
Jatta lieferte den HSV-Fans einen besonderen Moment
Vom Fußball-Himmel in die Hölle und wieder zurück. Eine Reise, die Jatta in fast jedem Spiel in voller Bandbreite ausschöpft und die die Fans mal jubeln und dann wieder verzweifeln lässt. Nachdem es für ihn in Frankfurt trotz des 2:1-Sieges persönlich nicht rund gelaufen war, setzte er nun gegen Freiburg ein Highlight der speziellen Art.
14 Minuten waren absolviert, als Albert Grønbæks Vorarbeit bei Jatta landete und sich dieser nicht zweimal bitten ließ und zum 1:0 einschoss. Nach zuvor 25 Toren in der zweiten Liga sein erstes im Oberhaus. 3779 Tage nach seinem Start im Volkspark.
HSV-Star Jatta kam einst als Flüchtling nach Deutschland
„Das ist mein Verein und ich genieße jeden Moment“, sagte Jatta später und stellte klar: „Für mich ist es ein riesiges Privileg, hier spielen zu können.“ Auch, weil die Fans ihm Auftritte wie in Frankfurt verzeihen und immer seinen besonderen Karriereweg zu schätzen wissen. Als Flüchtling kam Jatta einst aus Gambia und schaffte es beim HSV bis zum Bundesliga-Star. Nach seinem Tor brüllten die Fans seinen Namen in einer Lautstärke, die auch er bislang nicht kannte.
Für Jatta der Höhepunkt einer Saison, die für ihn denkbar schlecht begann. Chancenlos und fast schon aussortiert war er bis kurz vor dem Ende der Hinrunde, kämpfte sich dann zurück und ließ sich auch von einer einmonatigen Verletzungspause im Frühjahr nicht mehr stoppen.
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Über die schweren Zeiten davor möchte er dennoch nicht mehr allzu viele Worte verlieren. „Ich bin immer dankbar und gucke nicht gerne zurück“, sagte er. „Ich will immer nach vorn schauen, auch wenn das schwierig ist. Aber ich bleibe positiv. Immer wenn ich eine kleine Chance bekomme, gebe ich mein Bestes.“ Und weiter: „Ich weiß, dass es nicht einfach war, nach meiner Verletzung zurückzukommen, aber ich gebe immer 100 Prozent, wenn ich eine Chance bekomme, und ich bin sehr dankbar.“ Die Belohnung: ein Jatta-Moment für die Ewigkeit. Und ein Eintrag in die Annalen, auf den er verdammt lange warten musste.