Mikelbrencis patzt – Jatta drüber: Das sagt Polzin zur Problem-Zone des HSV
Auch Merlin Polzin konnte nicht fassen, was sich da in der 74. Minute vor seinen Augen abspielte. Bakery Jatta köpfte bei einer einstudierten Ecken-Variante freistehend über das Hoffenheimer Tor und verpasste die größte Ausgleichschance für den HSV. Somit blieb es beim 1:2 – eine Niederlage, die vor allem auf zwei Abwehrszenen zurückzuführen ist. William Mikelbrencis, diesmal linker Außenverteidiger und Jattas Pendant, sah dabei jeweils nicht gut aus.
Aufgrund von Miro Muheims Syndesmoseverletzung musste sich Polzin etwas einfallen lassen für die Problem-Zone des HSV. Er besetzte die beiden Schienen-Positionen mit Startelfrückkehrer Jatta, der rechts begann, und Mikelbrencis, der die Seite wechselte und Muheims Job übernahm. Das hatte der Franzose zum Beispiel bereits beim 2:2 gegen den FC Bayern Ende Januar gemacht, und zwar ziemlich erfolgreich, vor allem offensiv. An diesem Samstag aber zeigte Mikelbrencis keine gute Leistung, vor allem defensiv.
„Besser verteidigen“: Polzin hadert mit HSV-Gegentoren
Vor dem 0:1 entschied er sich für den falschen zu attackierenden Gegenspieler und konnte der Flanke von Vorlagengeber Vladimir Coufal nur noch hinterherschauen (19.). Vor dem 0:2 ließ er Tim Lemperle in seinem Rücken entkommen (45.). Es wirkte orientierungslos, Mikelbrencis hatte den TSG-Stürmer nicht mal im Blick und erkannte die von Lemperle ausgehende Gefahr über mehrere Sekunden nicht. „Bei beiden Gegentoren kann man es deutlich besser verteidigen“, haderte Polzin nach dem Spiel, ohne konkret Mikelbrencis’ Ungeschick zu benennen.

Er sei kein Fan davon, die Auftritte einzelner Profis direkt nach dem Schlusspfiff zu beurteilen, sagte der HSV-Trainer, als er auf Mikelbrencis und den defensiv stabileren, aber offensiv weitgehend wirkungslosen Jatta angesprochen wurde. „Wir werden das in Ruhe aufarbeiten“, versprach Polzin, der seine beiden Außenbahnspieler unmittelbar nach Jattas Großchance vom Platz genommen hatte. Beim Gambier erinnerte er an dessen lange Verletzungspause, Jatta war offenbar noch nicht wieder bereit für die vollen 90 Minuten.
Darum gingen Jatta und Mikelbrencis vorzeitig vom Platz
„Baka hat viel Energie reingebracht, die Tiefenlaufwege haben uns auf jeden Fall geholfen“, befand Polzin. „Das ist ein Stilmittel, das hilft, um das hohe Hoffenheimer Verteidigen zu knacken.“ Zu Toren oder Großchancen über die rechte Seite führte dies allerdings nicht. Mikelbrencis war bis zur 75. Minute auf der gegenüberliegenden Schiene unterwegs. „Er hat immer wieder seine Akzente“, sagte Polzin, ging mit Blick auf den 22-Jährigen aber nicht weiter ins Detail. Den Zeitpunkt der Doppel-Auswechslung erklärte der Coach so: „Das hat immer damit zu tun, dass man überlegt, wie man das Spiel noch mal verändern kann.“
Für Jatta übernahm rechts Giorgi Gocholeishvili – da wollte es der HSV „aggressiver“ in der Statik haben, erläuterte Polzin. Und links spielte in der Schlussphase Albert Grønbæk, der zuvor im Mittelfeld einen ordentlichen Eindruck hinterlassen hatte. Dann aber wollte Polzin die Qualitäten von Comebacker Albert Sambi Lokonga auf den Platz bringen, weshalb Mikelbrencis weichen musste – und Grønbæk fortan in einer anderen Rolle zum Zug kam. Ob der Däne für die nächsten Spiele sogar eine ernsthafte Startelfoption für die Muheim-Position ist, ist unklar.
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Polzin scheint Grønbæk die linke Schiene aber grundsätzlich zuzutrauen. Eine Lösung für die Problem-Zone? Muheims Verletzung, aller Voraussicht nach verbunden mit dem Saison-Aus, trifft den HSV hart. Als der Schweizer zuletzt in Stuttgart (0:4) rotgesperrt fehlte, begann Fabio Baldé für ihn. In Bremen und jetzt gegen Hoffenheim stand der 20-Jährige aber nicht mal im Kader. Noah Katterbach, ein gelernter Linksverteidiger, saß am Samstagabend auf der Bank, ist unter Polzin aber eigentlich chancenlos. Jatta und Mikelbrencis sind in der Hierarchie des Trainers vorne – und das dürfte auch so bleiben. Trotz des unglücklichen Auftritts gegen die TSG.
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