Meffert war Köln-Fan: Wegen einer HSV-Krise musste sein Karneval ausfallen

Jonas Meffert jubelt
HSV-Abräumer Jonas Meffert (29) ist voller Vorfreude auf den Auftritt in seiner Geburtsstadt Köln.

Hinter Jonas Meffert liegt eine harte Saison. Er ist seit Juli 2021 beim HSV, hat drei Nicht-Aufstiege miterlebt – das vergangene Jahr beschreibt er aber als das schwierigste. Es ging im Volkspark so kritisch zu, dass der gebürtige Kölner sogar den Karneval sausen lassen musste. Vor dem Auftritt in seiner Geburtsstadt verrät der 29-Jährige, warum er nie für den 1. FC gespielt hat, was er Ex-St. Pauli-Profi Leart Paqarada in dieser Woche schrieb – und weshalb Hamburg schöner ist als die Domstadt. Inklusive Liebeserklärung an den HSV.

MOPO: Herr Meffert, Sie sind sehr gut mit Kölns Leart Paqarada befreundet. Was überwiegt diese Woche: Die Vorfreude auf den Hammer-Auftakt in Liga zwei? Oder der Schmerz, nicht in der Bundesliga gegen Ihren Kumpel anzutreten?

Jonas Meffert: Ich freue mich einfach auf Leart als Gegner und auf diesen Auftakt. Für mich als gebürtiger Kölner ist es ein sehr großes Spiel – und ich bin froh, dabei sein zu dürfen.

HSV-Profi Meffert und Kölns Paqarada sind gute Freunde

Sie kamen als 10-Jähriger in den Nachwuchs von Bayer Leverkusen, wo Sie zwischen 2005 und 2014 gemeinsam mit Paqarada spielten. Und das als gebürtiger Kölner. Hat der FC Ihr Talent nicht erkannt?

Ich war damals als kleiner Junge zweimal in Leverkusen beim Probetraining – und erst dann wurde mir gesagt, dass ich das auch in Köln machen könnte. Aber da hatte ich mich schon für Leverkusen entschieden. Ich hatte daher nie richtig die Wahl.

Haben Sie den 1. FC Köln als Kind jemals im Herzen getragen?

Es ist wie mit Hamburg und dem HSV: Wenn man in Köln geboren wird, ist man FC-Fan. Aber durch meinen frühen Wechsel war ich als Kind für Leverkusen. Das Derby-Gefühl habe ich nie verspürt. Trotzdem gucke ich mir gerne Köln-Spiele an, seit ich nicht mehr in Leverkusen spiele. Und meistens bin ich dann für den FC (schmunzelt).

Ehemalige oder aktuelle Trainer und Teamkollegen wie Leart Paqarada sagen heute über Sie, dass Sie Ihre Mitspieler besser machen. Wo können Sie sich mit 29 Jahren noch selbst verbessern?

Bei der Torgefahr. Und ich arbeite schon während meiner ganzen Karriere ständig an meiner Dynamik. Das ist nicht das Wichtigste auf meiner Position, wenn man schlau Fußball spielt. Aber noch schneller und dynamischer zu sein, wäre ein Vorteil.

Meffert über Unterschiede zwischen Walter und Baumgart

Hat Steffen Baumgart diesen Verbesserungsbedarf auch ausgemacht und kommuniziert?

Der Trainer hat mir schon sehr viele wichtige Tipps gegeben. Zudem bin ich auch erfahren genug und weiß selbst, woran ich arbeiten kann und will. Und Steffen ist ein Trainer, der viel Wert darauf legt, dass man seine Stärken ausbaut.

Als Kölner wissen Sie, was Offenheit bedeutet. Ist Steffen Baumgart so offen, direkt und ehrlich wie Ihr Ex-Trainer Tim Walter?

Beide kommen übers Emotionale und sagen offen und ehrlich, was sie denken. Beide haben keine Angst, dass irgendjemand falsch über sie denkt. Sie wollen so sein wie sie sind – und das auch nach außen tragen. Da gibt es viele Ähnlichkeiten.

Jonas Meffert spricht mit Steffen Baumgart
Jonas Meffert sieht viele Parallelen zwischen Steffen Baumgart (l.) und Tim Walter.

Baumgart setzt auf eine Doppel-Sechs. Toni Kroos war bei der EM deutscher Taktgeber, Robert Andrich dessen Bodyguard. Vermutlich werden Sie beim HSV oft Seite an Seite mit Daniel Elfadli spielen. Wie sehen Sie sich als Duo?

Mit Kroos und Andrich kann man und wollen wir uns natürlich nicht vergleichen. Toni Kroos und Robert Andrich sind aus meiner Sicht auch sehr unterschiedliche Spielertypen. Fadli und ich dagegen sind uns ähnlicher in der Spielweise, haben von allem ein bisschen etwas. Es ist nicht der Eine nur für das Eine da und der Andere nur für das Andere. Wir lösen es zusammen. Und mir gefällt es, jetzt häufiger den Ball zu haben.

Meffert hatte zuletzt keine Angst vor vielen HSV-Abgängen

Sie haben nun eine komplette Vorbereitung mit dem Coach hinter sich. Auf welchem Stand ist der HSV vor dem Saisonstart, verglichen mit den Vorjahren?

Es fiel mir schon in den letzten drei Jahren schwer, das zu beurteilen – und jetzt auch wieder. Was ich versichern kann: Wir sind als Mannschaft bereit für Freitag, alle freuen sich und haben Bock. Aber wenn man beim FC nachfragt, würden sie dort genau dasselbe erzählen. Die letzten Monate spielen jetzt keine Rolle mehr.

Wie erging es Ihnen in diesem Sommer, nach dem erneuten Nichtaufstieg mit dem HSV?

Es war ganz anders als in den letzten Jahren. Die letzte Saison war meine bisher schwierigste beim HSV. Wir haben nie richtig in die Spur gefunden, haben es nicht geschafft, konstant zu punkten. Es ist sehr viel passiert, auch mit dem Trainerwechsel. Das war nicht immer einfach. Am Ende stand diesmal erstmalig am vorletzten Spieltag der Nichtaufstieg fest – und dadurch hatten wir acht Wochen Zeit, um uns zu erholen und den Kopf freizubekommen. Aber bitte nicht falsch verstehen: Ich wäre viel lieber aufgestiegen.

Hatten Sie Befürchtungen, dass der HSV-Kader in diesem Sommer in größerem Maße als noch in den vergangenen Jahren zusammenfällt?

Nein, da hatte ich gar keine Sorgen. Es mag sich komisch anhören, weil wir in der Zweiten Liga sind – aber wenn man beim HSV spielt, bei einem der größten Vereine in Deutschland, dann will man hier unbedingt den Aufstieg schaffen. Ich weiß, dass jeder Spieler bei uns genauso denkt. Deshalb war mir klar, dass uns nicht viele verlassen – und dass sich auch neue Spieler, die vielleicht höher spielen könnten, wieder ganz bewusst für den HSV entscheiden.

Jonas Meffert: „Hamburg ist eine schönere Stadt als Köln“

Sie sagten mal, dass Ihnen der Norden besser gefällt als der Süden. Gefallen Ihnen der Norden und Hamburg heute auch besser als der Westen und Köln?

Ich muss zugeben: Hamburg ist eine schönere Stadt als Köln. Das ist Fakt. Ich habe Hamburg lieben gelernt. Aber ich bin in Köln geboren und jeder Kölner liebt diese Stadt. Es gibt so viele Lieder über Köln und ich kenne einige auswendig (lacht).

Sie haben auch mal verraten, dass Ihr Handy fast explodiert sei, als Ex-FC-Trainer Steffen Baumgart beim HSV vorgestellt wurde. Wie viele Nachrichten gab es vor der Reise in Ihre Geburtsstadt diesmal?

Sehr viele. Ich weiß gar nicht, wie viele genau. Ich habe Leart direkt geschrieben, dass er mir Tickets besorgen muss. Es wird bestimmt ein emotionales und rasantes Spiel. Und genauso wie wir freuen sich auch die Kölner sehr auf diesen Start.

Jonas Meffert hilft Leart Paqarada auf die Beine
Jonas Meffert und Ex-Kiezkicker Paqarada (r./nun 1.FC Köln) sind sehr gut befreundet.

Sind viele Ihrer Freunde Köln-Fans und werden am Freitag im Stadion sein?

Mein Cousin und einige Freunde sind riesige FC-Fans. Viele haben Dauerkarten – und das ist gar nicht so einfach in Köln. Die Anzahl an Tickets, die ich dazu besorgt habe, darf ich gar nicht verraten. Sonst kriege ich Ärger mit meinen Mitspielern (lacht).

Meffert ist Karneval-Fan und musste viele Tickets besorgen

Sind Sie leidenschaftlicher Karneval-Gänger?

Definitiv. Dieses Jahr war ich nicht da, weil wir an dem Wochenende zu Hause gegen Hannover verloren hatten. Danach ist hier ja einiges passiert (wenige Tage nach dem 3:4 gegen Hannover am 9. Februar wurde Tim Walter entlassen, d. Red.). Deshalb war ich nicht in Köln, weil ich mich natürlich auf den HSV konzentrieren wollte. Aber in der neuen Saison ist am 11. November Länderspielpause – da werde ich beim Karneval vorneweg marschieren und nachholen, was ich verpasst habe (lacht). Und dann wird es auch mal das eine oder andere Kölsch geben.

Wie viele gegenseitige Sticheleien gab es diese Woche mit Leart Paqarada?

Gar keine. Die hat es aber auch nie gegeben, wenn wir mit dem HSV gegen St. Pauli und ihn gespielt haben. In solchen Wochen schreibt man tendenziell weniger miteinander. Ich habe ihm jetzt nur geschrieben, dass ich mich freue, ihn wiederzusehen – und, dass ich sein Trikot haben möchte.

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Sein Traum, in der Bundesliga Stammspieler zu sein, erfüllte sich schon in der Vorsaison. Wie sieht es mit Ihrem aus? Ihr erster und einziger Bundesliga-Einsatz ist bald acht Jahre her und dauerte beim SC Freiburg 58 Minuten.

Als ich jünger war, war die Bundesliga immer mein großer Traum – den habe ich mir ja auch erfüllt, auch wenn es nicht viele Spiele waren (schmunzelt). Und natürlich wäre ich gerne in den vergangenen drei Jahren mit dem HSV aufgestiegen, denn das hat dieser Verein mit seinen Fans einfach verdient.