Der Unersetzliche beim HSV und sein Motto: „Das mache ich einfach nicht“
Am 16. August hätte wohl niemand erwartet, dass Nicolai Remberg Hamburgs größter Dauerbrenner in der Bundesliga werden würde. Der 25-Jährige saß beim 2:1 (n.V.) in Pirmasens 120 Minuten auf der Bank und hätte beinahe mitansehen müssen, wie der HSV sich in der ersten Runde des DFB-Pokals blamiert. Es kam anders. Last-Minute-Torschütze Guilherme Ramos rettete seine Mannschaft, die beim Oberligisten doch noch gewann und danach auch in Heidenheim (1:0). Beim Zweitrundenspiel auf der Ostalb mischte Remberg zwar nur eine Hälfte lang mit, in der Bundesliga aber verpasste er noch keine (!) einzige Minute. Trotz namhafter Konkurrenz.
Beim ersten Pflichtspiel der Saison, dem Pokalkrimi in Pirmasens, hatten noch Nicolás Capaldo und Jonas Meffert ein Mittelfeld-Duo gebildet – und Remberg schien hinten dran zu sein. Dreieinhalb Monate später sieht die Situation anders aus. Ganz anders. Capaldo wird seit dem Hinrundenaus von Warmed Omari als rechter Verteidiger in der Dreierkette benötigt, und Meffert lief in der Bundesliga erst dreimal auf. In Augsburg (0:1) und gegen Stuttgart (2:1) stand der Routinier zuletzt nicht mal im Kader, während Remberg – wie immer seit dem 1. Spieltag – durchspielte.
Nicolai Remberg ist unter HSV-Trainer Polzin unersetzlich
Kompromisslos im Zweikampf, laufstärkster Profi des HSV, zudem sehr ballsicher und mit technischen Qualitäten im Spielaufbau ausgestattet: Der Sommerzugang aus Kiel hat sich unter Merlin Polzin den Status als „Unersetzlicher“ erarbeitet. „Unersetzlich? Das weiß ich nicht“, sagt Remberg und erklärt: „Egal, wo ich bin, ich mache einfach mein Ding. Ich weiß, was ich kann, aber ich gehe auch mit viel Demut an die Aufgabe heran. Das war auch beim HSV so.“

Auch bei seinem Ex-Klub Kiel, zu dem er 2023 gewechselt war, sei es nicht von Anfang an optimal gelaufen. Doch Remberg lernte: „Wenn ich mir immer treu bleibe, dann kriege ich meine Minuten. Und auch hier habe ich gezeigt, was ich kann.“ Im internen Positionskampf setzte er sich bisher gegen die Last-Minute-Verpflichtungen Fábio Vieira und Albert Sambi Lokonga durch. Zuletzt hieß es: Wer spielt neben Remberg? Und nie: Muss Remberg auf die Bank, damit ohne ihn der Portugiese und der Belgier gemeinsam auflaufen können? „Ich habe Respekt vor jedem Spieler, der hier spielt oder dazugekommen ist“, stellt Remberg aber klar. Er weiß: „Wir haben Jungs mit sehr hoher Qualität. Ich kann mich nicht ausruhen, sondern ich muss performen. Sonst sind Jungs da, die (statt ihm; d. Red.) spielen.“
Im DFB-Pokal trifft der HSV auf Rembergs Ex-Verein Kiel
Auch wenn er Sambi Lokonga, Viera und Co. schätzt: Remberg bleibt seinem eigenen Motto treu, das da lautet: „Einfach machen“. Sich über Dinge wie die schlechte Qualität des Spielfelds zu beklagen, liegt ihm fern. „Das mache ich einfach nicht. Ich mache mein Ding, arbeite im Kraftraum viel, mache auf dem Platz viel. Das zeichnet mich aus.“

Am Mittwochabend (20.45 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) empfängt der HSV Rembergs ehemaligen Verein. Und der Abräumer lässt keinen Zweifel daran, dass alte Freundschaften aus Zeiten bei Holstein Kiel nichts an seinem Ziel ändern, mit seinem neuen Team ins Viertelfinale einzuziehen. „Kiel ist ein besonderer Verein für mich, ich bin dort aufgestiegen“, erinnert Remberg an die Zweitliga-Saison 2023/24. „Das wird in meiner ganzen Karriere besonders bleiben. Und dass ich ein Jahr später hier zu Hause mit dem HSV gegen sie spielen darf, ist auch sehr besonders.“
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Rembergs Entwicklung schritt zuletzt sogar so weit voran, dass er von Polzin mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht wurde. „Das habe ich natürlich mitbekommen“, berichtet der HSV-Profi. „Aber ich habe es in einem Interview auch schon gesagt: Ich mache einfach mein Ding.“ Da war es wieder, sein Motto, das ihm dabei hilft, nicht abzuheben, sondern fokussiert zu bleiben. Die DFB-Idee seines Trainers sei zwar „ein Kompliment“ für ihn und seine starken Auftritte. „Aber ich setzte das nicht so hoch. Meine Kumpels sagen das zwar alle immer, aber ich muss einfach meine Leistungen bringen. Über die anderen Sachen denke ich gerade nicht nach.“ Einzig der HSV stünde im Vordergrund. „Und wenn ich gute Spiele mache, ist es gut für die Mannschaft.“ So soll es auch am Mittwoch sein.
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