Legende Jarolim fordert vorm HSV-Spiel: Seid härter als Hard-Kohr!

Dominik Kohr im Zweikampf mit Fabian Rieder
Mainz’ Dominik Kohr (r./gegen Fabian Rieder) sah in Augsburg Gelb-Rot. Nun ist er zurück.

„Ich war bestimmt kein Engel“, sagte David Jarolim kürzlich im „Kicker“. Und: „Ich wollte die Mannschaft pushen, darum habe ich oft ein bisschen provoziert.“ Und deshalb erwies er dem HSV mehrfach einen Bärendienst. Jarolim galt als Hitzkopf, immer im Visier der Schiris. Nur ein Duo wurde in der Bundesliga öfter verwarnt als er. Darunter: ein Rüpel-Profi, auf den der HSV nun trifft. Jarolim kennt ihn gut.

Dominik Kohr stellte am vorletzten Spieltag einen Rekord auf. Einen, mit dem Fußballer nicht hausieren gehen: Der Mainz-Verteidiger flog beim 4:1 in Augsburg wegen eines Fouls an Han-Noah Massengo mit Gelb-Rot runter – zum achten Mal in seiner Karriere. Genauso oft schaffen das vor ihm nur Jens Nowotny (51) und Luiz Gustavo (38). „Er sucht die Zweikämpfe“, sagt David Jarolim der MOPO über Kohr. „Er ist sehr robust, spielt oft an der Grenze.“ Und geht regelmäßig darüber hinaus.

Dominik Kohr ist gegen den HSV wieder spielberechtigt

Kurios: Wegen der Ampelkarte ist die 100. Gelbe, die Kohr beim FCA zunächst kassiert hatte, nicht mehr in der Statistik. Daher steht der 31-Jährige vor Mainz’ Spiel beim HSV weiter bei 99 Verwarnungen – und im ewigen Bundesliga-Ranking auf Rang zwei hinter Ex-Bayern-Star Steffen Effenberg (110). Auf Platz drei? Ist Jarolim, der sich in 318 Partien 96-mal die Gelbe Karte abholte. „Das war zu viel“, sagt der Ex-HSV-Kapitän heute. „Aber man braucht solche Spieler.“ Wie Kohr, der seinen Rüpel-Status in bislang 310 Bundesliga-Partien erlangte.

Daniel Elfadli im Zweikampf mit Kevin Stöger
Die HSV-Abwehr um Daniel Elfadli hielt am ersten Spieltag in Gladbach und zuletzt in Berlin hinten die Null.

In Hamburg ist Kohr wieder spielberechtigt. „Er trägt die Emotionen in sich“, weiß Jarolim, der selbst im Fokus der Referees stand. „Aber mir war das egal“, betont der 46-Jährige. „Ich habe es für die Mannschaft gemacht. Ich denke, das ist bei Kohr genauso.“ Jarolim ist überzeugt, dass es Profis braucht, die Zeichen setzen, auch mal mit unerlaubten Mitteln. „Davon lebt ein Team“, sagt er. „Normalerweise benötigt man mehrere solcher Spieler.“ Das defensive HSV-Mittelfeld bildete Jarolim am häufigsten mit Raphael Wicky (104 gemeinsame Partien) und Nigel de Jong (82). Ähnliche Spielertypen wie er. Davor wirbelten Kreative wie Piotr Trochowski (207 Spiele), Mehdi Mahdavikia (115) und Rafael van der Vaart (97).

Ex-HSV-Kapitän David Jarolim mag Remberg und Vieira

Jarolim begrüßt es, dass in der HSV-Zentrale zuletzt zwei Akteure mit gegensätzlichen Profilen aufliefen: Nicolai Remberg und Fábio Vieira. „Man muss diesen Mix haben“, meint der Tscheche. „Man benötigt einen körperlich starken Spieler wie Remberg, der viele Bälle gewinnt und sie nach vorne trägt. Vieira ist der, der das Offensivspiel dann lenken soll.“ Jarolim schaut fast jedes HSV-Spiel, auch das 0:0 in Berlin – und war beeindruckt: „Der HSV war spielerisch besser, auch taktisch.“ Und: Er blieb zum zweiten Mal gegentorlos.

David Jarolim bei einem Fußballspiel als Zuschauer
David Jarolim verfolgt jedes Spiel seines Ex-Klubs – und war zuletzt beeindruckt vom HSV.

„Defensiv gut stehen – das ist die Basis, um in der Liga zu bestehen“, weiß Jarolim, der die Fortschritte insbesondere mit Luka Vuskovic verbindet. „Aber auch Daniel Elfadli gefiel mir gut. Der HSV hat kompakt und stabil gewirkt. In den Zweikämpfen muss trotzdem noch etwas mehr kommen.“ Jarolim fordert Härte, ist gespannt auf das Startelfdebüt von Albert Sambi Lokonga. Der Belgier könnte am Sonntag erstmals beginnen, weil Vieira fehlt – zu Unrecht, findet Jarolim.

Kritik wegen Viera-Platzverweis: „Das verstehe ich nicht“

„Das verstehe ich nicht“, sagt er zur Entscheidung von Deniz Aytekin, den Portugiesen für sein Einsteigen gegen Leopold Querfeld vom Platz zu stellen. „Viera hat ihn gar nicht gesehen und wollte nur den Ball annehmen. Er hat den Gegenspieler nicht am Kopf getroffen, sogar zurückgezogen. Für mich ist das keine Rote Karte.“ Und das Bitterste sei: „Das schwächt den HSV, da er gesperrt fehlt.“ Und zwar zunächst gegen Mainz 05 um Rekord-Rotsünder Dominik Hard-Kohr.

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Jarolim musste als HSV-Profi übrigens nur dreimal vorzeitig unter die Dusche, zweimal mit Gelb-Rot – und einmal mit glatt Rot, weil er Arminia Bielefelds Markus Schuler (48) im März 2008 zwischen die Beine griff. Wegen des Eierkneifers musste Jarolim damals vier Spiele lang zusehen. Kohr verpasste wegen einer Sperre bisher maximal zwei Partien in Folge. Ein Engel auf dem Fußballplatz ist der Mainzer dennoch nicht.

„Ich war bestimmt kein Engel“, sagte David Jarolim kürzlich im „Kicker“. Und: „Ich wollte die Mannschaft pushen, darum habe ich oft ein bisschen provoziert.“ Und deshalb erwies er dem HSV mehrfach einen Bärendienst. Jarolim galt als Hitzkopf, immer im Visier der Schiris. Nur ein Duo wurde in der Bundesliga öfter verwarnt als er. Darunter: ein Rüpel-Profi, auf den der HSV nun trifft. Jarolim kennt ihn gut.