Kompletter Neustart im Sturm? Wie der HSV für die kommende Saison plant

Yussuf Poulsen, Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer bei einer Auswechslung im Spiel des HSV
Yussuf Poulsen, Robert Glatzel und Ransford Königsdörffer (v.l.) bilden zusammen mit Damion Downs und Otto Stange aktuell den HSV-Sturm.

Punkt für Punkt dem großen Ziel entgegen – so lautet die HSV-Marschroute vor dem Heimspiel-Doppelpack gegen Leipzig (Sonntag) und Leverkusen (Mittwoch). Nach zuletzt sechs ungeschlagenen Partien in Folge will der Aufsteiger auch gegen die beiden Großkaliber überraschen und weitere Ausrufezeichen im Abstiegskampf setzen. Unabhängig vom Ausgang der Saison deutet sich allerdings bereits jetzt ein abermals größerer Umbruch im kommenden Sommer an. Vor allem in der Offensive: Bei gleich vier von fünf Angreifern ist die Zukunft völlig offen.

Aktuell hat Merlin Polzin die Qual der Wahl. Mit Yussuf Poulsen, Ransford Königsdörffer, Robert Glatzel, Damion Downs und Otto Stange stehen dem HSV-Trainer fünf gesunde Mittelstürmer zur Verfügung und hoffen auf Spielzeit. Sie alle sollen mithelfen und dafür sorgen, dass der HSV auch im kommenden Jahr in der Bundesliga spielen wird. Bei den meisten von ihnen aber ist völlig unklar, wer dann noch im Dress mit der Raute auflaufen wird.

Ransford Königsdörffer: Gespräche mit offenem Ausgang

Ransford Königsdörffer bejubelt ein Tor für den HSV
Ransford Königsdörffer bejubelt ein Tor für den HSV.

Am fraglichsten ist die Zukunft des Mannes, der zuletzt am besten traf. Bei Ransford Königsdörffer platzte der Knoten jüngst mit dem Treffer in Heidenheim (2:0) und dem Doppelpack gegen Union Berlin (3:2), aktuell steht der gebürtige Berliner bei vier Saisontoren. Die Gespräche über eine Verlängerung seines im Sommer auslaufenden Vertrages laufen. Mit offenem Ausgang.

Nach MOPO-Informationen herrscht in den Verhandlungen kaum Bewegung. Der HSV würde gern mit dem 24-Jährigen verlängern, der nach Startproblemen mittlerweile Bundesliga-Niveau nachgewiesen hat. Königsdörffer aber wägt genau ab, sagte kürzlich: „Es kann in beide Richtungen gehen. Ich war ja wechselwillig nach der letzten Saison, aber ich kann mir auch vorstellen hierzubleiben. Ich weiß es aktuell nicht.“ Im vergangenen Sommer scheiterte sein Sechs-Millionen-Euro-Wechsel nach Nizza nur am Votum der französischen Ärzte, die Knieprobleme festgestellt hatten. Unklar, wie es nun ab Sommer mit dem Stürmer weitergehen wird.

Robert Glatzel: Unzufrieden als Reservist beim HSV

Robert Glatzel bei einem Spiel des HSV

Das gilt auch für Robert Glatzel (Vertrag bis 2027). Der 32-Jährige, in Liga zwei mit 73 Treffern in 115 Partien top unterwegs, war nach dem Aufstieg lange unzufrieden mit seiner Reservistenrolle, durfte zuletzt zweimal von Beginn an ran. Bereits im Winter lagen ihm mehrere Anfragen anderer Vereine vor, Glatzel aber blockte alles ab – weil er sich beim HSV und in der Bundesliga durchsetzen wollte. Im Sommer aber könnte die Wechsel-Nummer Fahrt aufnehmen. Denn der Publikumsliebling (ein Saisontor) weiß, dass Polzin und sein Trainerstab an vorderster Front auch künftig Stürmer bevorzugen werden, die über große Stärken im Anlaufverhalten verfügen. Das ist bei Vollstrecker Glatzel nicht der Fall.

Damion Downs: Kaufoption ist für den HSV zu hoch

Damion Downs bei einem Spiel des HSV

Sehr wohl aber bei Damion Downs, den sich der HSV im Winter aus Southampton lieh. Der Einstand des US-Nationalspielers verlief holprig, ohne Treffer und mit anschließender Blessur. Nun will Downs erneut angreifen. Polzin und seine Kollegen schätzen den 21-Jährigen enorm für sein aggressives Anlaufen, das die gegnerischen Abwehrspieler stresst und Ballgewinne erzwingt. Dennoch: Dass der HSV im Sommer die vereinbarte Kaufoption in Höhe von zehn Millionen Euro ziehen wird, gilt als utopisch. Denkbar aber ist, dass nachverhandelt und um einen deutlich geringeren Preis gepokert wird.

Otto Stange: Erneute Leihe könnte Thema sein

Otto Stange bei einem Spiel des HSV

Abzuwarten bleibt auch, wie sich die Situation um Otto Stange entwickelt. Nachdem der HSV die Leihe des 19-Jährigen nach Elversberg aufgrund zu geringer Einsatzzeiten abgebrochen hatte, spielte das Talent nach seiner Rückkehr noch keine Minute. Setzt sich der Trend fort, wird im Sommer eine erneute Leihe Thema. Ein Verkauf kommt allerdings nicht in Frage: Die Bosse sehen Stange, der einen langfristigen Vertrag besitzt, aufgrund seines enormen Potenzials als Mann der Zukunft.

Yussuf Poulsen: HSV-Verbleib ist wahrscheinlich

Yussuf Poulsen bejubelt ein Tor für den HSV

Offen, wie es bei Königsdörffer, Glatzel, Downs und Stange weitergeht – und bei Yussuf Poulsen? Wenngleich sich das Verletzungspech des aus Leipzig geholten Dänen in Hamburg fortsetzte, deutet aktuell nichts auf eine mögliche Trennung im Sommer hin. Auch, weil der Kapitän (Vertrag bis 2027) in seiner Führungsrolle voll aufgeht und einer der Leader des Kaders ist. Unstrittig ist allerdings, dass man sich sportlich beim HSV mehr erhofft hatte. 13 Partien verpasste Poulsen aufgrund von Verletzungen, seinen größten Moment hatte er Anfang Dezember mit dem Siegtor gegen Werder Bremen (3:2). Nun hoffen alle, dass der 31-Jährige von weiteren schwerwiegenden Blessuren verschont bleibt.

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Wenngleich eine Trennung im Sommer intern kein Thema ist, wissen die Bosse um die Tücken des vom Profifußball geschundenen Körpers des Dänen und um das Risiko, ihn voll einzuplanen. Auch deshalb soll der Sturm im Sommer weiter aufgerüstet werden – wahrscheinlich sogar mehrfach. Der Kandidatenliste, an denen sich Sportdirektor Claus Costa und Scouting-Chef Sebastian Dirscherl im Winter orientierten, dient dabei zwar als Grundlage, mehr aber auch nicht. Weil sich durch Auf- und Abstiege anderer Vereine die Situation im Sommer komplett verändern und ganz andere Türen öffnen könnten.