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Kommt noch ein WM-Angreifer? So plant der HSV den Umbruch im Sturm

Claus Costa sitzt auf der HSV-Bank vor dem Bundesliga-Spiel gegen Hoffenheim.
Vor HSV-Sportdirektor Claus Costa liegen die arbeitsintensivsten Wochen des Jahres.

Mit Robert Glatzel steht der dritte HSV-Angreifer vor dem Abgang. Bei der Suche nach Nachfolgern setzt Sportdirektor Claus Costa auf Geduld.

Die Suche läuft auf Hochtouren, die Dringlichkeit ist groß: Zwei bis drei neue Stürmer sollen in diesem Sommer in den Volkspark wechseln und den HSV-Angriff neu aufstellen. Wann präsentiert der Verein den ersten Zugang aus der Abteilung Attacke? Hinter den Kulissen ist ein Kampf um Verstärkungen entbrannt, der eine der größten Herausforderungen in Costas HSV-Amtszeit darstellt. Auch, weil die WM die Angelegenheit erschwert.

Zumindest auf der Abgabenseite herrscht reichlich Bewegung. Zwei der fünf HSV-Angreifer aus der Vorsaison sind bereits weg, ein dritter wird in Kürze folgen. Nach Leih-Stürmer Damion Downs (zurück nach Southampton) und Ransford Königsdörffer (ablösefrei zu Mainz 05) gilt Robert Glatzels Wechsel nach Wolfsburg als sicher. Bleiben mit Kapitän Yussuf Poulsen und Talent Otto Stange nur noch zwei Stürmer, bei denen längst nicht klar ist, welche Rolle sie nächste Saison einnehmen können.

Ein Szenario, auf das sich der HSV seit Wochen vorbereitet hat. Und dennoch: Die Gemengelage erweist sich in diesem Sommer als besonders schwierig, wie Costa zuletzt mehrfach leidvoll erfahren musste. Immer wieder wurde er von Agenten interessanter Spieler und deren Vereinen vertröstet und darauf aufmerksam gemacht, dass man erst den Verlauf der WM abwarten wolle. Durch das Turnier in den USA, Kanada und Mexiko (läuft bis zum 19. Juli) können sich Preise und Wechsel-Optionen stark verändern. Für den HSV bedeutet das: Er muss unter Umständen einen verdammt langen Atem beweisen. Gut Ding will Weile haben.

Bis zu 30 Namen auf Costas Liste

Zwar ploppten zuletzt immer wieder Namen auf, an denen der HSV interessiert sein soll, wie der Nordmazedonier Elmin Rastoder (24/FC Thun), der malische Nationalstürmer Lassine Sinayoko (26/Auxerre) oder der Kameruner Frank Magri (26/Toulouse). Spekulationen, die angesichts der Fülle von Kandidaten als mal mehr und mal weniger heiß einzuordnen sind. Auch die aufgekommenen Gerüchte um eine Verpflichtung des Ivorers Keasse Bah (217Lausanne) entsprechen nicht wirklich dem tatsächlichen Sachstand. Nach MOPO-Informationen beschäftigt sich Costa aktuell noch mit bis zu 30 möglichen Namen, darunter acht bis zehn Top-Kandidaten und reichlich Alternativen für die gesuchten Profile.

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Derzeit wird kräftig durchgesiebt. Allein in der vergangenen Woche klopfte Costa mehr als ein Dutzend der Kandidaten ab und sprach mit deren Beratern. Wer wäre jetzt verfügbar? Wen kann sich der HSV aufgrund zu starker Konkurrenz bereits abschminken? Wo lohnt es sich zu warten? Ein Puzzle aus Informationen, das am Ende zum Ziel führen soll. Dazu kommt: Mehrere HSV-Anwärter sind bei der WM aktiv. Das erschwert die Angelegenheit. Denn gerade diese Profis spielen auf Zeit.

Fliegt der HSV-Sportchef doch noch zur WM?

Natürlich wird auch im Volkspark beobachtet, dass andere Vereine bereits Vollzüge vermelden. Dass etwa Borussia Mönchengladbach sich kürzlich die Dienste von Darmstadts Isac Lidberg (27) sicherte, nahmen die HSV-Entscheider interessiert, aber auch mit einem Achselzucken hin. Zwar avancierte der Schwede zuletzt mit 17 Treffern zum zweitbesten Torjäger der 2. Liga. Doch wenngleich Lidbergs Name kurz diskutiert wurde, soll bei den Bossen die Meinung überwogen haben, dass er nicht wirklich zu den favorisierten Profilen passe.

Wann aber kommt der erste neue Stürmer? Grundsätzlich ist Costa bereit, schnell zu handeln. Dass der Sportdirektor einen Abstecher zur WM unternimmt, war zwar ursprünglich nicht vorgesehen, wäre im Fall der Fälle aber auch kurzfristig möglich. Der HSV hält sich diesbezüglich alle Optionen offen. Neben der Sturm-Thematik ist Costa auch mit der Suche nach einem neuen Abwehrchef sowie Schienenspielern für die rechte und linke Seite beschäftigt.

Poulsen bleibt ein Rätsel für die nächste Saison

Unbestritten am größten aber ist die Not im Sturm. Wie sehr der Schuh drückt, verdeutlicht der Blick auf den Kader. Setzt man Glatzels bevorstehenden Abgang voraus, bleiben aktuell nur noch Stange und Poulsen, die allerdings nicht als Stammspieler eingeplant werden. Während U19-Nationalspieler Stange den nächsten Entwicklungsschritt zum vollwertigen Bundesligaspieler machen soll, gilt Routinier Poulsen als eines der größten Rätsel des Kaders. Nach vier Verletzungen in der Vorsaison und nur 321 Einsatzminuten in der Bundesliga (15 Partien/ein Tor) dominieren im Volkspark die Zweifel daran, ob der 31-Jährige körperlich noch einmal in der Lage sein kann, eine Saison ohne größere Probleme durchzustehen. Bei aller Wertschätzung seiner Kollegen und der sportlichen Klasse, die ein fitter Poulsen mitbringen würde: Vollwertig mit ihm zu planen, wäre nach den Erfahrungen der Vorsaison fahrlässig.

Otto Stange und Yussuf Poulsen laufen beim HSV-Training im adidas Homeground in Herzogenaurach.
Welche Rolle können Otto Stange (l.) und Yussuf Poulsen spielen?

Das macht die Stürmer-Suche für Costa noch kniffliger. Intern werden auch schon Lösungen diskutiert, die der aktuelle Kader hergeben würde. Eine davon: Rayan Philippe, der im Vorjahr aus Braunschweig kam und in seiner ersten HSV-Saison fünf Bundesligatreffer erzielte, könnte eine zentralere Rolle in den Sturm-Überlegungen einnehmen, um seine Torgefahr noch stärker zur Geltung zu bringen.

Ein Umbau der heftigen Art

Grundsätzlich herrscht im HSV-Angriff ein Bedarf, wie es ihn letztmals vor 20 Jahren gab. Im Sommer 2006 verpflichtete der damalige Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer mit Boubacar Sanogo (kam aus Kaiserslautern), Paolo Guerrero (FC Bayern) und Danijel Ljuboja (Stuttgart) sogar drei neue Angreifer. Im darauffolgenden Winter kam noch Ivica Olic (ZSKA Moskau) dazu.

Nun steht auch Costa vor einem Sturm-Umbau der heftigen Art, den er so nicht gewohnt ist. In den beiden Vorjahren verpflichtete der 41-Jährige mit Poulsen (2025) und Davie Selke (2024) pro Sommer jeweils einen neuen Mittelstürmer, 2023 sogar gar keinen. Jetzt braucht der Sportdirektor gleich mehrere Lösungen. Das Gute daran: Ihm bleibt noch reichlich Zeit. Erst am 1. September schließt das Transferfenster des Sommers. Bis dahin ist auch die WM längst Geschichte – und ein Stein nach dem anderen ins Rollen gekommen.

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