Kommentar: Wohlfühloase Volkspark? HSV-Boss Kuntz nimmt den Kampf auf
Da war sie dann dahin, die letzte Chance. Nachdem in den meisten europäischen Ländern in den vergangenen beiden Wochen die Transferfenster schlossen, endet an diesem Freitag auch die Wechselperiode in der Türkei – und mit ihr die zarte Hoffnung des HSV, doch noch Profis abgeben zu können, die im Volkspark chancenlos sind. Doch sie alle blieben. Ein Grund: Der HSV hat sich für manche Spieler ganz offensichtlich zu einer Wohlfühloase entwickelt, in der es sich auch ohne sportliche Perspektive gut leben lässt.
Anssi Suhonen, William Mikelbrencis und Levin Öztunali sind nur drei Beispiele für Profis, denen bei allem Selbstbewusstsein klar sein dürfte, dass sie in dieser HSV-Saison weder die erste noch die zweite Geige spielen werden. Allen dreien wurde seit Wochen eine Luftveränderung nahegelegt. Zu einem Klubwechsel aber war keiner bereit, nicht mal auf Leihbasis. In der HSV-Chefetage sehen sie die häufig gut dotierten Verträge als schwer zu überwindendes Hindernis.
HSV-Profis geht es zu gut, auch wenn sie nicht spielen
Um es klar zu benennen: Keinem HSV-Profi ist es zu verübeln, wenn er nicht gewillt ist, finanzielle Einbußen in Kauf zu nehmen. Am Ende ist Fußball ihr Job. Und Geld ist wichtig. Sportvorstand Stefan Kuntz aber spricht nun offen aus, dass es Spielern beim HSV mitunter zu gut gehe. Ein schöner Vertrag, eine tolle Stadt, ein aufregender Traditionsverein. Eine herrliche, aber zugleich auch gefährliche Mixtur. Das tauschst du im Normalfall nicht ein, um in Elversberg oder Ulm gegen den Abstieg zu spielen. Es sei denn, du heißt András Németh, denkst vor allem an deine Karriere und wechselt auf Leihbasis zu Preußen Münster. Chapeau noch mal. Dem jungen Ungarn ist zu wünschen, dass er eine gute Saison spielt und sein Schritt belohnt wird.
Allen anderen will Kuntz den Verbleib auf der Hamburger Tribüne demnächst etwas schwerer machen. Das von ihm reformierte Vertragssystem mit geringerem Grundgehalt und stärkeren Leistungsprämien sieht vor, dass künftig vor allem die gut verdienen, die viel spielen. Wer draußen sitzt, wird weniger gut bezahlt. Ein sinnvolles Modell, das allerdings erst bei den in diesem Sommer verpflichteten Spielern greift.
Das könnte Sie auch interessieren: Klartext von Kuntz: „Wer unsere Ziele gefährdet, wird beim HSV keinen Spaß haben“
Auf diejenigen im 31 Spieler starken XXL-Kader, die gar nicht oder nur in der U21 zum Einsatz kommen, warten harte Monate. Der Sommer ist vorbei. Wer sich schon mal im Herbst im Volkspark umgesehen hat, weiß: Der Ort kann ungemütlich sein. Vor allem, wenn man keine Rolle spielt, sobald drüben im Stadion die Post abgeht. Manchmal sind Elversberg oder Ulm als Alternative vielleicht doch gar nicht so schlecht.