Kommentar: Neuer HSV-Boss – die große Lösung muss nicht die beste sein

Claus Costa bei einer Rede auf der HSV-Mitgliederversammlung

Die Zeit zum Durchatmen war kurz. HSV-Sportchef Claus Costa hatte gerade den vielleicht arbeitsintensivsten Januar seines Lebens hinter sich, da ging es für den in Bayern geborenen und in Westfalen aufgewachsenen Manager schon wieder in die Vollen. Der 41-Jährige sammelt seit Wochen auf einem anderen Feld Punkte. Mit öffentlichen Auftritten schärft der Ex-Profi sein Profil – und er nutzt diese Bühnen.

Das Signal ist klar: Der Mann, der vor sechseinhalb Jahren als Chefscout kam und im März 2023 zum Direktor Profifußball befördert wurde, soll zeigen, dass er nicht nur hinter verschlossenen Türen überzeugt, sondern auch im grellen Licht der Öffentlichkeit glänzen kann. Dass Costa dabei eine gute Figur abgibt, mit Eloquenz und Fachwissen punktet, überrascht einige, die ihn bisher kaum kannten – und bestätigt jene, die schon länger mit ihm arbeiten. Was aber bedeutet das für die Suche des HSV nach einem neuen Sportvorstand?

HSV hat mit Eric Huwer einen hervorragenden Vorstand

In der Debatte, ob der HSV frischen Input von außen benötigt oder Costa die Chance geben sollte, sich als Vorstand zu beweisen, ist ein Faktor zu berücksichtigen: Der Klub ist mit Eric Huwer an der Spitze aktuell hervorragend aufgestellt. Der 42-Jährige, zuständig für Finanzen, Organisation, Personal und Recht, hat den HSV wirtschaftlich stabilisiert, sich als Krisenmanager bewährt und damit die Basis für den sportlichen Erfolg gelegt.

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Huwer nun einen renommierten Namen an die Seite zu stellen, der die Profi-Abteilung auf links dreht, könnte vielleicht die Chance bieten, ruckartig weiter nach vorn zu preschen. Es bestünde dabei aber vor allem das Risiko, behutsam Aufgebautes einzureißen. Huwer hat bewiesen, dass er mit sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten zusammenarbeiten kann (man erinnere sich an die Episode mit Thomas Wüstefeld). Er muss jedoch nicht „künstlich“ getestet werden. Die ganz große Lösung muss also nicht die beste sein.

Claus Costa hätte beim HSV eine faire Chance verdient

Die meisten öffentlich gehandelten Kandidaten stehen aber auch hierarchisch eher auf einer ähnlichen Stufe wie Costa. Einige von ihnen hätten sicher die Chance verdient, sich in Hamburg zu beweisen, weil sie an ihren aktuellen oder vorherigen Stationen unter Beweis gestellt haben, dass sie gute Arbeit leisten können. Genau das hat Costa aber eben auch getan. In Hamburg.

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Es mag Kandidaten geben, die größere Namen haben, denen deswegen auch eher das Attribut der Stärke zugewiesen wird. Das aber muss mit der Realität nicht immer übereinstimmen. Markus Krösche zum Beispiel hat wie Costa nie ein Erstliga-Spiel absolviert, bekam aber nach zahlreichen starken Transfers in Paderborn und Leipzig die Chance, als Sportvorstand für Eintracht Frankfurt zu arbeiten. Eine Chance, die er eindrucksvoll genutzt hat. Weil er nicht als autoritärer Projektleiter auftritt, sondern als Teamplayer. Einen solchen wird auch der HSV brauchen, um weiter erfolgreich zu sein – und als solcher hat sich Costa schon bewährt. Eine faire Chance hat er verdient.