Kommentar: HSV-Trainer Polzin liefert auch als Moderator ab

HSV-Trainer Merlin Polzin im Gespräch mit Jean-Luc Dompé und Immanuel Pherai
Guter Moderator: HSV-Coach Merlin Polzin weiß, wie er mit seinen Spielern (hier Jean-Luc Dompé, l., und Immanuel Pherai) umzugehen hat.

Merlin Polzin musste in dieser Woche gleich zweimal gegenüber Journalisten und der Öffentlichkeit das richtige Maß finden. Beim ersten Mal, am Montag, kam die Frage auf: Wie umgehen mit Immanuel Pherai, der als Nationalspieler mal wieder eine halbe Weltreise hinter sich hat und für den Steffen Baumgart nach Länderspielpausen daher nie Verwendung fand? Und beim zweiten Mal, am Mittwoch, musste er beantworten, wie er die riesige Aufstiegseuphorie der Fans kanalisiert, ohne selbst den Fokus zu verlieren. Für Polzin, der übrigens auch das Sturm-Thema gut, weil unaufgeregt moderierte, ergab sich also ein doppelter Balance-Akt. Und er hat ihn verbal geschickt gemeistert.

Angst, vor laufenden Kameras etwas Falsches zu sagen, hat Polzin längst nicht mehr. Und das muss er auch nicht, weil er vermeintlich deutlichen Worten, die bisher selten vorkamen, weil der HSV unter ihm so erfolgreich ist, fast immer Ergänzungen folgen lässt, die seine Sicht der Dinge verständlich, sachlich und authentisch werden lassen. „Das wäre ja Schwachsinn“, sprach er etwa auf der Pressekonferenz vermeintlichen Klartext, meinte damit aber nur das unzulässige Szenario, sich auf den Ergebnissen der Vorwochen auszuruhen.

HSV-Trainer Polzin weiß, mit seinen Stars umzugehen

Der Coach weiß, dass die HSV-Fans derzeit so optimistisch sind wie lange nicht. Polzin erlaubt ihnen ausdrücklich das Träumen – und seinen Profis zudem das Genießen von Glücksmomenten. Gleichzeitig versteht er es aber, den allgemeinen Freudentaumel auf Dauer von sich und seinem Team fernzuhalten, um sich auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren. Denn man sei „noch ganz weit entfernt“ vom großen Ziel. Polzin weiß um die Verläufe der Vorsaisons.

Sein Motto für ein Happy End in diesem Jahr ist: Jeder ist Teil des Weges. Und sein Umgang mit Pherai passt dazu. Baumgart sagte über Surinames Nationalspieler einmal, dass er ihn nach später Rückkehr von dessen Länderspielreise für die nächste Partie logischerweise „weniger einplane“. Auch Polzin macht Pherai nach 15.000 Flugkilometern nun keine Startelf-Hoffnung, was auch unangemessen wäre. Er betont aber: „Es ist ein gewaltiges Privileg, sein Land zu vertreten. Diese Reisen sollten kein Nachteil sein.“ Geschickte Worte. Weil sie Polzins Credo, keinen Profi fallenzulassen, Nachdruck verleihen.