Kommentar: HSV-Boss Kuntz hatte recht mit seiner Kritik
Ab sofort tut jede Niederlage weh. Mit dem Pokal-Auftritt in Pirmasens beginnt für den HSV der Ernst dieser Saison. Trotz des unbefriedigenden Sommers mit zuletzt fünf Test-Pleiten am Stück und wenig gutem Fußball ist allerdings kaum anzunehmen, dass der Bundesliga-Aufsteiger beim Fünftligisten aus der Pfalz ernsthaft ins Straucheln geraten könnte. Zu gewaltig sind in diesem Fall die Qualitätsunterschiede – wacklige Vorbereitung hin oder her.
Und dennoch: Allen Bekenntnissen zum Trotz, dass der Sommer in erster Linie als Findungsphase diene und man die Niederlagenserie gegen bewusst starke Gegner einkalkuliert habe, um sich an den harten Bundesliga-Alltag zu gewöhnen, wurden die Sorgenfalten im Volkspark zuletzt größer. Weil der HSV insbesondere im Rahmen seines Abschluss-Tests auf Mallorca (0:2) zu wenig von allem zeigte, was ihn eigentlich auszeichnen soll.
HSV-Boss Kuntz platzte auf Mallorca zurecht der Kragen
Dass Stefan Kuntz anschließend der Kragen platzte, dient als Zeichen dafür, dass der Sportvorstand alarmiert ist. Noch in den Katakomben machte er seinem Unmut über den Auftritt Luft und stellte gegenüber Trainer Merlin Polzin und dessen Assistenten Loic Favé recht lautstark klar, was er von der Gesamtleistung hielt – wenig bis nichts. Diverse Einwürfe zum Gegner, Jordan Torunarighas Platzverweis kurz vorm Abpfiff nach einem unverständlich harten Einsteigen und der von einigen Profis zügig in Angriff genommene Trikottausch ließen Kuntz darauf schließen, dass nicht alle seine Spieler gedanklich wirklich voll bei der Sache waren.
Nun mag man über den halb-öffentlichen Weg, den Kuntz für seine Kritik wählte, die Nase rümpfen. Besser wäre es gewesen, er hätte seinem Ärger hinter verschlossenen Türen Luft gemacht und nicht dort, wo sich zahlreiche HSV-Profis und Staff-Mitglieder tummelten, die ob der Szenen irritiert gewesen sein sollen. Das sieht Kuntz, dessen Emotionalität durchaus auch zu seinen Stärken gezählt werden darf, im Nachhinein selbst so. Grundsätzlich aber bleibt festzuhalten: Er ist der Boss und darf sich auch mal deutlicher artikulieren, wenn ihm etwas nicht passt oder Sorgen bereitet. Ob es ein Weckruf zur rechten Zeit war, wird sich in Kürze zeigen.