Kommentar: Frankfurt zeigt, wie wertvoll die Situation beim HSV ist
Unterschiedlicher hätte das Stimmungsbild nach Abpfiff im Deutsche Bank Park nicht sein können. Die Spieler von Eintracht Frankfurt schlichen unter ohrenbetäubenden Pfiffen der eigenen Fans vom Rasen in die Katakomben, die HSV-Profis feierten ausgelassen und lautstark mit dem mitgereisten Anhang. Das 2:1 des HSV war nach den Ergebnissen vom Sonntag der entscheidende Schritt Richtung Verbleib in der Bundesliga, während das Ergebnis die Krisenstimmung in Frankfurt weiter befeuerte. Und genau das zeigt, wie gut der HSV gefahren ist, sich in den letzten Wochen so geschlossen zu zeigen – wenngleich das einigen im Klubumfeld nicht gefallen hatte.
Auslöser für die Unruhe beim in den vergangenen Jahren so vorbildhaft arbeitenden Klub aus Hessen ist die Situation um Trainer Albert Riera, der quasi mit Amtsantritt viele Skeptiker hatte und bei dem die Anzahl derer, die seine Arbeit kritisch bewerten, in den letzten Wochen gar exponentiell zugenommen hat. Dazu trägt der Spanier mit fragwürdigen Auftritten wie bei der Pressekonferenz vor dem HSV-Spiel selbst bei, auch vermeintliche Konflikte mit Spielern geraten an die Öffentlichkeit. Die Unruhe, die schon zu den Zeiten von Ex-Coach Dino Toppmöller ob der vermeintlich nicht vorhandenen spielerischen Entwicklung grassierte, lässt ein ruhiges Arbeiten kaum noch zu. Der Klub wirkt gespalten.
Es gab Gegenwind für Polzin – und auch für Costa
Natürlich ist die Situation in Frankfurt wahrlich nicht direkt mit der in Hamburg zu vergleichen, aber das Beispiel zeigt, was fehlende Geschlossenheit anrichten kann. Auch im Umfeld des HSV gab es besonders durch die Ergebnis- und dann Leistungskrise vor dem Hoffenheim-Spiel laute, kritische Stimmen. Vor allem Trainer Merlin Polzin geriet in den Fokus vieler Fans aufgrund von Spielsystem, Aufstellungen und der Causa Robert Glatzel. Auch Claus Costa nannten viele Fans in den sozialen Medien zuletzt häufiger im negativen Kontext – aufgrund des laut den Kritikern qualitativ zu dünnen Kaders. Selbst nach dem Sieg in Frankfurt und dem damit vermutlich sicheren Klassenerhalt ließen viele kein gutes Haar am handelnden Personal.

Der HSV war in der Vergangenheit durch diese lauten Stimmen häufig aus der Bahn geraten. Unruhe von außen hat sich durchaus immer wieder auch aufs Innere übertragen. Das ist unter der aktuellen Führung aber anders. Das Gebilde ist geschlossen. Die Mannschaft folgt ihrem Trainer, wie die innigen gemeinsamen Feierlichkeiten nach dem Auswärtssieg in Frankfurt erneut untermauerten – und das trotz der negativen Erfahrungen der vergangenen Wochen. Das war schon in der 2. Liga so, als der Aufstieg im Frühjahr noch einmal ins Wanken geraten war, und das ist es auch jetzt.
Trainer Merlin Polzin hat den HSV zusammengehalten
Dass das sportliche Konstrukt so gefestigt ist, dürfte einer der Gründe dafür sein, warum der HSV nächste Saison nun sicher erneut erstklassig spielt. Letztlich tun sich auch viele etablierte Bundesligisten in dieser Saison schwer – und die Hamburger sind mit ihnen auf Augenhöhe. Das sollte fürs erste Erstliga-Jahr nach sieben Saisons in der 2. Liga ausreichend sein.

Es hätte in dieser Rückserie genügend Momente gegeben, in denen dieser Zusammenhalt hätte kippen können. Am Ende ist es der Führungsart von Polzin zu verdanken, dass das nicht passiert ist und das Gebilde durchgehend gefestigt war – trotz der Debatten um Ex-Boss Stefan Kuntz, trotz Glatzel, trotz schlechter Ergebnisse und dann auch Leistungen.
Der HSV muss jetzt kritisch in die Planungen gehen
Natürlich ist Polzin nicht der einzige Faktor für den Klassenerhalt, aber eben der entscheidende für den Zusammenhalt, der diesen erst ermöglichte. Dass der HSV sportlich von einzelnen Spielern abhängig ist, ist unbestritten und nun mehrfach offengelegt worden. Intern müssen die Verantwortlichen maximal kritisch mit der Saison umgehen, sämtliche Mängel diskutieren, ohne sich dabei durchgehend für das Geleistete auf die Schulter zu klopfen.
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Die Mannschaft qualitativ zu verbessern in der Breite und die Verluste in der Spitze aufzufangen, wird die große Herausforderung der kommenden Wochen sein. Leicht wird das nicht, aber der gemeinsame Kurs wird zumindest keine Bremse dafür sein – im Gegenteil. Und warum sollten es Polzin und seine Mitstreiter nicht auch in einer dritten Saison hinbekommen, allen kritischen Stimmen zum Trotz wieder eine starke Einheit zu formen?
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