Knallhart-Gipfel mit Polzin: Darum flog Philippe aus dem HSV-Kader
Das hatte Rayan Philippe als HSV-Profi noch nicht erlebt. Einmal fehlte er krankheitsbedingt im Bundesliga-Kader, beim 1:2 in Freiburg Mitte Januar. Einmal saß er über 90 Minuten auf er Bank, beim 3:2 gegen Union Berlin vier Wochen später. Dass Merlin Polzin den Franzosen aber aus sportlichen Gründen aus dem Aufgebot streicht, gab es in dieser Saison nicht – bis zum Spiel in Wolfsburg (2:1), das Philippe von zu Hause verfolgte.
Polzin hatte dem Ex-Braunschweiger diese Maßnahme vorab unter vier Augen erklärt. „Ich wollte Rayan klar aufzeigen, dass er an Dingen arbeiten soll. Das haben wir intern besprochen“, berichtete der Coach am Dienstag und schob umgehend hinterher: „Ich freue mich darauf, was er mir als Reaktion anbietet.“ So knallhart Polzins Maßnahmen manchmal sein können, so unstrittig ist für ihn aber auch, dass der Weg zurück immer möglich ist.
HSV-Profi Rayan Philippe enttäuschte gegen Leverkusen
Der 35-Jährige hat die klare Erwartung, dass sich Philippe im Training wieder aufdrängt, um im Pflichtspielbetrieb eine neue Chance zu erhalten. Die letzte hatte er ungenutzt gelassen: Beim 0:1 gegen Bayer Leverkusen in der Vorwoche begann er als Linksaußen, weil Philip Otele angeschlagen fehlte und Polzin noch nicht die Zeit gekommen sah für Jean-Luc Dompés Rückkehr in die Anfangsformation. Doch Philippe enttäuschte bei seinem ersten Startelf-Einsatz in diesem Jahr und blieb wie schon in den Wochen zuvor zu vieles schuldig. Das erkannte auch Polzin.

„Ich habe einfach höhrere Ansprüche an Rayan“, sagt Polzin und weiß: „Er hat schon deutlich bessere Leistungen gezeigt.“ Seine beste Phase im HSV-Trikot hatte der 25-Jährige Ende September, Anfang Oktober, als er dreimal traf und beim 4:0 gegen Mainz als Doppelpacker seinen stärksten Saisonauftritt zeigte. Zweifellos gesetzt war Philippe am Ende der Hinrunde aber nicht mehr, weil er in kleine Leistungslöcher fiel. Kurz: Es ist zu viel Auf und Ab. Darüber können auch die fünf Saisontore, dank denen er mit Luka Vuskovic bester HSV-Schütze ist, nicht hinwegtäuschen.
HSV-Coach Polzin fordert von Philippe: „Da muss er durch“
„Wenn man seinen Karrierweg verfolgt, musste er sich durch vieles durchkämpfen“, sagt Polzin über Philippe, der vor wenigen Jahren in Luxemburg durchstartete, dann nach Deutschland kam und sich von 2023 bis 2025 bei Eintracht Braunschweig einen großen Namen machte. „Aber er ist jetzt in einer deutlich größeren Stadt mit einem deutlich größeren Interesse an seiner Person“, erklärt Polzin. Der Druck beim Bundesligisten HSV sei größer als bei dem Zweitligisten Braunschweig. Und obwohl Philippe seit nunmehr acht Monaten in Hamburg unter Vertrag steht, sagt sein Coach: „Er muss sich noch zurechtfinden.“ Gleichzeitig stellt Polzin klar: „Ich sehe es nicht so dramatisch.“
Das könnte Sie auch interessieren: In Polzins Visier: Offensiv-Talent (16) hält den HSV auf K.o.-Kurs
Die Trainingsleistung wird darüber entscheiden, ob Philippe schon am Samstagabend (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) gegen den 1. FC Köln ins Aufgebot zurückkehren wird. Polzin ist sicher, dass die Botschaften bei seinem Offensivmann angekommen sind. „Wir versuchen, Rayan aufzuzeigen, woran wir arbeiten wollen“, sagt der Fußball-Lehrer. „Es ist ganz normal, dass man mal so eine Phase hat, in der nicht alles funktioniert. Da muss er durch.“ Philippe ist gefordert, auf dem Platz zu zeigen, dass er es besser kann. Andernfalls folgen weitere Knallhart-Gipfel.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.