HSV-Frauen feiern mit den Fans

Nach Abpfiff feierten die HSV-Frauen mit ihren Fans. Foto: WITTERS

Klassenerhalt! HSV-Frauen feiern vor Rekord-Kulisse trotz Bayern-Pleite

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Es ist vollbracht. 371 Tage nach dem Doppelaufstieg sicherten die HSV-Frauen in ihrer ersten Bundesliga-Saison den doppelten Klassenerhalt. Auch die knappe 0:1-Niederlage gegen den FC Bayern München, bei der deutlich mehr drin gewesen wäre, konnte das nicht verhindern. Vor einer Rekordkulisse und bester Stimmung verabschiedete sich die Cardoso-Elf bei seinem wohl letzten Spiel als HSV-Trainer mit einer starken Leistung. Auch für einige Spielerinnen wird es das letzte Spiel für den HSV gewesen sein.

Schon knapp zwei Stunden vor Anpfiff versammelten sich viele HSV-Fans am Volksparkstadion, um das Herrenteam in die Sommerpause zu verabschieden und letzte Autogramme für die Saison zu sammeln. Für den Saisonabschluss kamen 17.637 Zuschauende ins Stadion. Darunter auch Merlin Polzin, Fabio Baldé und Oma Eva, die dem Team am Stadion-Mikro vor der Partie nochmal Mut zusprachen.

Für das große Ziel Klassenerhalt war kein Wunder nötig. Mit drei Punkten und elf Punkten Vorsprung auf die SGS Essen, die parallel gegen den SC Freiburg nur 1:1 spielten, war die Ausgangslage mehr als komfortabel. Man wollte dennoch alles daran legen, eine Klatsche wie im Hinspiel (0:6) zu verhindert. Denn auch für die frischgebackenen Double-Sieger aus München ging es zumindest noch darum, ihre nahezu perfekte Bundesliga-Saison abzuschließen. Ohne Niederlage und nur mit zwei Unentschieden reiste das Team von Coach José Barcala in den Norden.

HSV versteckt sich nicht und kommt besser ins Spiel

Schon vor Anpfiff regnete es glitzerndes Konfetti von der Nordtribüne. Es sollte nur der Anfang der großen Klassenerhalts-Party werden. Und auch auf dem Platz versteckte sich der HSV keineswegs. Melina Krüger startete in der sechsten Minute an der Mittellinie ihren Lauf mit dem Ball, setzte sich durch und kam ins Eins-gegen-eins gegen FCB-Keeperin Ena Mahmutovic, die stark parieren konnte.

Ein Großteil des Männerteams unterstützte die HSV-Frauen gegen den FC Bayern. WITTERS
HSV-Profis auf der Tribüne beim Spiel der HSV-Frauen
Ein Großteil des Männerteams unterstützte die HSV-Frauen gegen den FC Bayern.

Von Bayern, die ohne Giulia Gwinn, Klara Bühl und Top-Torschützin Pernille Harder (16 Tore) starteten, kam zu Beginn derweil wenig. Nach 30 Minuten stand es sowohl in Hamburg als auch in Essen 0:0, der Klassenerhalt nahm nach und nach seine ohnehin schon stark ausgeprägte Form an. Mit Ausnahme von zwei Stille-Phasen aufgrund von medizinischen Notfällen auf der Nordtribüne war die Stimmung entsprechend bestens.

Beide Torhüterinnen retten ihre Teams

Aus der Pause kamen die Bayern mit neuer Energie und erspielten sich direkt ihre erste größere Chance des Tages (49.). Lea Paulick konnte sich jedoch erstmals auszeichnen und den Abschluss aus kurzer Distanz von Barbara Dunst abwehren. Der HSV kam in der Folge immer wieder zu aussichtsreiche Kontersituationen, die sie bloß nicht zu Ende brachten.

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Anschließend konnten auch die Einwechslungen von Topspielerinnen wie Bühl (67.), Linda Dallmann (67.), Momoko Tanikawa (61.) und Georgia Stanway (61.) brachten das Team von Rodolfo Cardoso nicht aus der Ruhe. Im Gegenteil. Binnen weniger Minuten schloss Paulina Bartz zweimal sehenswert ab und scheiterte an Mahmutovic, die den Ball jeweils mit den Fingerspitzen über die Latte lenken konnte.

Dann zeigte Schiedsrichterin Riem Hussein auf den Punkt. Annalena Wucher ging zu ungestüm in den Zweikampf. Stanway verwandelte souverän (89.). In der Nachspielzeit vergab Christin Meyer noch die Riesenchance auf den Ausgleich. Alleine lief sie auf das Münchener Tor, doch zog ihren Schuss knapp am Tor vorbei. „Wir haben alle mitgefiebert, dass der Ball reingeht“, sagte HSV-Boss Eric Huwer, der mit dem Männerteam auf der Tribüne saß, nach Abpfiff.

HSV-Frauen sichern den doppelten Klassenerhalt

Dann pfiff Hussein (45) das letzte Mal in ihrer 20-jährigen Frauen-Bundesliga-Karriere ab. Die fünfmalige DFB-Schiedsrichterin des Jahres wurde vor ihrer 156. Frauen-Bundesliga-Partie bereits verabschiedet. Auch für Rodolfo Cardoso dürfte es aller Voraussicht nach das letzte Spiel als Trainer der HSV-Frauen gewesen sein.

„Nie mehr, nie mehr, nie mehr, zweite Liga, nie mehr“, hallte es von den Rängen, die sich keineswegs leerten. Von Enttäuschung war keine Spur zu sehen. Für die Spielerinnen gab es anerkennenden Applaus. Nicht nur für die Saison und den Klassenerhalt, sondern auch für die starke Leistung in dem Spiel gegen die Bayern. Auch das Männerteam kam noch einmal auf den Rasen, um für ein gemeinsames Klassenerhalts-Foto zu posieren.

Ein Großteil des Männerteams kam nach der Partie für ein gemeinsames Foto auf den Platz. WITTERS
Gemeinsames Teamfoto
Ein Großteil des Männerteams kam nach der Partie für ein gemeinsames Foto auf den Platz.

„Ich war vor dem Spiel schon etwas nervös“, gab Cardoso zu. Das Team habe dennoch „nur auf uns selbst geschaut“, verriet Svea Stoldt, die keine Sekunde auf dem Platz verpasste und ihre Zukunft zunächst offen ließ. „Das wird man dann sehen. Wir haben die Liga gehalten, das war das erste Ziel. Jetzt schaue ich auf meine eigene Zukunft und dann wird man sehen, wo ich nächste Saison bin“, so die 20-jährige Dauerbrennerin. In den gemeinsamen Urlaub mit Teilen des Teams gehe es aber noch. Unter anderem mit Kapitänin Pauline Machtens, die „Stand jetzt auf jeden Fall“ auch nächste Saison für den HSV auflaufen wird, wie sie nach der Partie sagte.

Machtens lobte zudem die Fans. „Ich glaube, ohne die Fans hätten wir einige Spiele nicht so ziehen können, wie wir es gemacht haben. Ohne die Fans hätten wir es glaube ich nicht geschafft. Wenn sich Spielerinnen anschauen, was hier mit den Fans und dem Verein möglich ist, für mich wäre das sehr attraktiv, wenn ich überlegen würde, hier hinzuwechseln“, so die 23-Jährige.

Huwer: Trainer-Suche „Top drei Prio-Thema“

„Es war der doppelte Klassenerhalt der HSV-Familie“, sagte Huwer, „das ist herausragend.“ Für ihn gehe es nun wieder an die Arbeit, und die Trainersuche. „Jetzt wird es konkreter. Nochmal ein Dank an das Trainerteam und Rodolfo, man hat gemerkt, der Trainerwechsel hat gezündet.“ Der gesicherte Verbleib in der ersten Liga, „erleichtert natürlich die Suche“, die „eins der Top drei Prio-Themen im Austausch mit Kathleen Krüger, Christoph Rohmer und mit mir“ sei.

„Es hat mir viel Freude gebracht“, blickte Cardoso auf seine Zeit als HSV-Cheftrainer zurück. „Ich denke, die Mannschaft hat in den paar Wochen eine Reaktion gezeigt. Wir haben in der Mannschaft etwas bewegt, und das ist das Wichtige“, so Cardoso. Über seine Zukunft sei noch nicht gesprochen worden, „also weiß ich nicht, was in Zukunft kommt“. Huwer sei sich bewusst, dass man sich von einigen Spielerinnen verabschieden müsse. „Reden wir nicht um den heißen Brei, der Kader ist zu groß“, so der 42-Jährige. „Wir werden jetzt kritisch in die Analyse gehen“, kündigte er an. „Bestimmte Verträge laufen aus, um gewisse Personen kämpfen wir, von anderen Spielerinnen werden wir uns verabschieden.“

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Das war sie also, die erste Bundesliga-Saison der HSV-Frauen. Mit 18 Punkten erreichten sie das große Ziel, den Klassenerhalt, und lassen entsprechend das zweite Jahr in der ersten Liga folgen. Im letzten Spiel der Saison zeigten sie gegen den großen FC Bayern, warum sie das verdient haben. Die Münchener beenden ihre Bundesliga-Saison derweil mit nur vier verpassten Punkten – und neun (!) Gegentoren.

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