„Keiner versteht es“: Warum diese Spielansetzung den HSV richtig nervt
Dieses Duell war schon vor fünf Wochen, als eigentlich das Nordderby gegen Werder Bremen anstand, ein großes Thema. HSV gegen Leverkusen. Am Montagabend. In der Frauen-Bundesliga. „Diese Spiele haben keinen Mehrwert“, sagte Hamburgs Vorstand Eric Huwer Mitte Februar – und forderte: „Wir sollten sie schnellstmöglich revidieren.“ Ganz so schnell geht es nicht. Deshalb geht der Protest in eine neue Runde.
Es ist das dritte Montagsspiel für den HSV in dieser Saison. Doch anders als im Oktober (1:4 gegen Hoffenheim) und im Dezember (1:4 gegen Köln) fällt der Termin jetzt in eine Länderspielpause der Männer. Das bedeutet: Die Chance, viele Fans für einen Arena-Besuch am Wochenende zu begeistern, wäre dagewesen. Aber die HSV-Frauen spielen nicht am Freitagabend, an dem ein anderes Ligaspiel stattfand. Nicht am Samstag (zwei). Und nicht am Sonntag (drei). Sondern der DFB entschied: Montag, 18 Uhr. Maximal Fan-unfreundlich.
„Keiner versteht diesen zersplitterten Spieltag“, kritisierte Huwer und sprach damit für die HSV-Anhänger, die sich zuletzt am ligaweiten Stimmungsboykott in den ersten 14 Spielminuten beteiligten. „Ich halte es mit den Kurven“, so der HSV-Boss. Banner, Unmut, Schweigen: Am Montagabend stehen neue Proteste an.
HSV ärgert sich über Montagsspiel gegen Leverkusen
„Für die Fans ist das natürlich nicht so toll“, sagt Paulina Bartz über den Termin. Die 20-Jährige wechselte im Januar per Leihe von Bayer 04 zum HSV und brennt auf das Duell mit ihrem Stammklub: „Ich freue mich, die Mädels wiederzusehen, die ich länger nicht gesehen habe. Aber auf dem Platz gibt es keine Freundschaften.“ Das DFB-Pokal-Achtelfinale im November gewann der HSV gegen die Werkself (4:2 i.E.). Beim Wiedersehen in der Liga brauchen Bartz und Co. als Tabellenzwölfte Punkte für den Klassenerhalt, während die Favoritinnen aus Leverkusen – vor dem Spieltag auf Rang fünf – Anschluss an die Plätze zur Champions-League-Qualifikation halten wollen.
Zumindest 4000 Tickets sollen für die Partie verkauft werden. Beim HSV schätzt man allerdings, dass die unerwünschte Montags-Ansetzung bis zu 5000 Zuschauer kostet. An einem Samstag oder Sonntag wären wohl bis zu 10.000 Arena-Besucher möglich gewesen. So ein Andrang hätte die Hamburger Verantwortlichen auch in finanzieller Hinsicht gefreut, vor allem aber geht es ihnen um Signale nach außen: Huwer und Co. sind überzeugt, dass ein gut gefülltes Volksparkstadion auch weiterhin dazu imstande ist, die Sichtbarkeit der Frauen-Bundesliga deutschlandweit zu stärken. Davon würde am langen Ende auch der DFB profitieren. Doch in Abstimmung mit den Medienpartnern vergab der Verband den unbeliebten Termin am Montag nun erneut an den HSV.
HSV-Vorstand Eric Huwer schlägt eine TV-Konferenz vor
Der Zuschauerdurchschnitt bei Hamburgs Heimspielen liegt seit dem Aufstieg bei 5934. Damit sind die HSV-Frauen in der Liga auf Platz drei hinter dem FC Bayern (7992) und dem 1. FC Union (7228). Die Köpenicker will man im Saisonfinale noch einholen – das ist Huwers klares Ziel. Der 42-Jährige sieht den HSV bei der Förderung des Frauenfußballs als ein Zugpferd. Er will nicht bloß kritisieren, sondern kreativ sein – und versprach: „Wir wollen gestaltend mitwirken.“
Huwer äußerte bereits seine Idee: eine Konferenz mit sechs von sieben Ligaspielen sonntags zeitgleich um 15.30 Uhr. Dafür erhielt der Manager in der Szene viel Zuspruch, unter anderem von Ex-Nationalspielerin Tabea Kemme (34). Der Vorschlag löste Reaktionen aus nach dem Motto: Wieso ist noch keiner darauf gekommen? Er könnte aber frühestens zur Serie 2027/28 umgesetzt werden. Bis dahin gelten noch die bisherigen TV-Verträge inklusive Montagsspiel. Sollte eben dieses in Zukunft abgeschafft und durch eine Konferenz ersetzt werden, würden die Vereine finanziell wohl nicht unmittelbar profitieren. Für den HSV stehen die Fernseheinnahmen aus der Frauen-Bundesliga aber ohnehin nicht im Vordergrund.
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Vielmehr gehe es darum, die Attraktivität der Liga zu stärken, bevor man an die TV-Kohle denke. Huwer hat einen möglichen Schritt in die richtige Richtung ausgemacht: das Aus für das Montagsspiel. Das gegen Leverkusen kommt für den HSV zur Unzeit. Mal wieder.