„Keiner ist größer als der Verein“: HSV-Coach Polzin verurteilt Dompés Alkohol-Fahrt
Die Konsequenzen ließen nicht lange auf sich warten. Nachdem am späten Mittwochabend bekanntgeworden war, dass HSV-Profi Jean-Luc Dompé mit 1,4 Promille am Steuer von der Polizei angehalten und ihm der Führerschein entzogen worden war, reagierte der Verein direkt am Donnerstagvormittag und suspendierte den Flügelspieler „bis auf Weiteres“ vom Trainings- und Spielbetrieb. Wenige Stunden später legte HSV-Trainer Merlin Polzin noch einmal nach – er unterstrich, wie wenig man intern von Dompés Vorfall hält, und erklärte die weitere Vorgehensweise in der Causa.
„Der HSV steht für gewisse Werte und die muss man dann vielleicht auch mit Entscheidungen bekräftigen, die nicht immer ganz angenehm sind, auch für die sportliche Situation. Aber da sind wir relativ klar und auch einstimmig, was diese Entscheidung angeht“, sagte Polzin am Donnerstag bei der Pressekonferenz vor dem Topspiel am Samstag (18.30 Uhr) gegen den FC Bayern München – bei dem er auf Dompé verzichten wird.
HSV suspendiert Jean-Luc Dompé nach Alkohol-Fahrt
Das war schon ein paar Stunden zuvor klargewesen. Dort hatte der Verein bereits mit ähnlichen Worten Stellung bezogen, warf Dompé „erhebliches Fehlverhalten“ vor. Der HSV habe seinem Profi „eindringlich seine Verantwortung als Profi und Vorbild sowie Repräsentant des Klubs verdeutlicht“ und behält sich weitere Konsequenzen vor. Zunächst jedoch wird der Franzose nicht mehr mit der Mannschaft trainieren.

„Was an unserer Reaktion klar zu erkennen ist: Keiner ist größer als der Verein“, betonte Polzin. „Die Mannschaft und der Verein stehen immer an erster Stelle. Wir sind alle Angestellte des Vereins und wollen unser Bestmögliches geben, dass wir als Verein erfolgreich sind. Das ist ein klares Zeichen, welches Verhalten wir an den Tag legen wollen als HSV.“ Das von Dompé gehört für Polzin definitiv nicht dazu. „Fehler macht jeder von uns“, führte er aus. „Wichtig ist aber, dass man aus diesen Fehlern lernt. Das ist auch das, was wir noch mal versucht haben, ihm mitzugeben.“
HSV-Star Dompé war schon einmal negativ aufgefallen
Schließlich ist es nicht der erste polizeiliche Zwischenfall von Dompé. Vor drei Jahren, im Februar 2023, hatte der damalige Neuzugang des HSV gemeinsam mit Landsmann und Teamkollege William Mikelbrencis einen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht in der Hamburger Innenstadt verursacht, damals wurde ihm ein illegales Autorennen im Vorfeld vorgeworfen. Dompé musste damals eine Geldstrafe in Höhe von 45.000 Euro bezahlen und entschuldigte sich bei Mannschaft, Verein und Fans.
Nun leistete sich der Offensivmann seinen nächsten Fehltritt abseits des Platzes. Schon ab 0,3 Promille gilt die Fahrtüchtigkeit in Deutschland als eingeschränkt, ab 0,5 Promille drohen Punkte und Fahrverbot und ab 1,1 Promille erfüllt man den Straftatbestand der absoluten Fahruntüchtigkeit. Bei Dompé war am frühen Sonntagmorgen bei der Polizeikontrolle ein Atemalkohol von 1,4 Promille festgestellt worden.
HSV-Trainer Polzin: „Wir nehmen das Thema sehr ernst“
„Wir nehmen das Thema sehr ernst, sonst hätten wir als HSV auch nicht diese Entscheidung getroffen“, erklärte Polzin. „Wir haben klare Verhaltensweisen, an denen wir uns orientieren. Wenn jemand aus diesem Rahmen ausbricht, sind wir immer gewillt, ihn wieder einzufangen – gerade, wenn uns das ablenkt für unsere sportlichen Aufgaben.“ Vor dem Topspiel gegen den FC Bayern habe der Coach daher „der Mannschaft die Entscheidung des Vereins mitgeteilt und damit war es für uns auch getan und wir haben uns unserer täglichen Arbeit gewidmet“, erzählte er.
Polzin selbst will das Thema bis mindestens nach dem Abpfiff des Bayern-Spiels deshalb auch abhaken. „Wir wollen nicht so viel Zeit und Energie darauf verlieren“, unterstrich er. „Es ist meine Verpflichtung der Mannschaft gegenüber, dass wir uns mit den Dingen beschäftigen, die für Samstag entscheidend sind. Wir werden uns jetzt auf unser Spiel vorbereiten und dann im Nachgang des Spiels und in der kommenden Woche über die weiteren Schritte sprechen – in Ruhe und ohne Emotionen.“
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Für Samstag aber bedeutet das: Polzin muss auf Dompé verzichten – und damit auf einen wichtigen Leistungsträger auf dem Platz. Daher mache er „auch keinen Hehl daraus, dass das keine schöne Nachricht war, auch, was die sportliche Situation angeht“, führte der Coach aus: „Das hilft uns sicherlich nicht. Aber am Ende sind wir da auch relativ klar. Ich habe immer versucht, für eine Sache einzustehen: Konsequenz und Klarheit mit der Überzeugung, dass der HSV am Ende davon profitiert. Und das ist auch in dem Fall so. Der FC Bayern kommt in den Volkspark und alle Jungs, die sich gut verhalten und gut trainieren und Bock darauf haben, denen gebührt mein voller Fokus.“
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