Kein Druck aus der zweiten Reihe: Hat der HSV ein Wechsel-Problem?
Merlin Polzin ist neben Dino Toppmöller (Frankfurt), Frank Schmidt (Heidenheim) und Lukas Kwasniok (Köln) der einzige Bundesliga-Coach, der an den ersten elf Spieltagen bei jeder Partie das volle Wechselkontingent ausgeschöpft hat. Doch der Erfolg und die Wirkung der HSV-Joker halten sich im Vergleich zur Konkurrenz bislang stark in Grenzen. Warum kommt von der HSV-Bank so wenig? Oder kommen die Wechsel schlicht zu spät?
In Köln haben 55 Einwechselspieler bereits für 14 Torbeteiligungen gesorgt, in Heidenheim und Frankfurt sind es immerhin vier. Beim HSV steht in dieser Rubrik lediglich eine einzige: Ransford Königsdörffers spätes 1:1 gegen Dortmund. Das ist zu wenig. Gerade auch beim Blick auf die große Auswahl im Kader.
Konkurrenzkampf im Kader noch kein Erfolgsrezept
Mit insgesamt 30 Profis gehört das HSV-Aufgebot zu den größten der Bundesliga. Auch wenn es bislang schon einige verletzungsbedingte Ausfälle und Sperren gab, war noch nie genug Platz für alle im Spieltagskader. Das Überangebot soll für Konkurrenzkampf sorgen, die Spieler heiß und besser machen. Doch Druck von der Bank? Der bleibt bisher weitgehend aus.

Die häufigsten Joker-Einsätze gab es bislang für Robert Glatzel (acht) und Fabio Baldé (sechs). Beide warten noch auf ihre erste Torbeteiligung. Ein Grund: Viel Zeit hatten sie dafür nicht. Glatzel kommt bei elf Einwechslungen auf insgesamt 82 Minuten Spielzeit, Baldé auf 72 Minuten in sechs Partien.
Viele HSV-Wechsel erst kurz vor Schluss
Wird beim HSV zu spät gewechselt? Ein komplett ungewöhnliches Wechsel-Muster ist bei den Hamburgern auf den ersten Blick nicht zu erkennen. In der Regel erfolgt der erste taktische Wechsel nach rund einer Stunde – manchmal, wie in Augsburg und Leipzig, auch zehn Minuten später. Richtig Bewegung auf der Bank entsteht fast immer erst in der Schlussviertelstunde.
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Auffällig: In den vergangenen beiden Spielen (Augsburg und Dortmund) kassierte der HSV kurz nach dem ersten Wechsel jeweils ein Gegentor. Zwei äußerst unglückliche Zeitpunkte – direkt beteiligt waren die Einwechselspieler daran nicht. Doch egal, ob Pech oder Plan – von der HSV-Bank muss endlich unterm Strich mehr kommen. Am Ende zählt dabei nicht, wann gewechselt wird, sondern wer den Unterschied macht. Und das passiert beim HSV bisher viel zu selten.
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