Sander Tangvik und Daniel Heuer Fernandes auf dem Weg in die Katakomben

Sander Tangvik (l.) und Daniel Heuer Fernandes bildeten erstmals bei einem Pflichtspiel das Torwartduo des HSV. Foto: imago images/Beautiful Sports

„Kein bisschen tangiert“: St. Pauli-Fans provozierten auch Heuer Fernandes

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Der FC St. Pauli verteidigte zumeist tief, ein paarmal wählten die Kiezkicker aber auch das Pressing, um den HSV im Spielaufbau zu stören und zu Fehlern zu zwingen. Das gelang nur bedingt – obwohl St. Paulis Fans am Freitagabend und schon in der ersten Hälfte alles unternahmen, um Daniel Heuer Fernandes zu verunsichern.

Die Anhänger des Kiezklubs haben das Eigentor des HSV-Keepers im Millerntor-Stadion nicht vergessen. Am 1. Dezember 2023 hatte Heuer Fernandes den Ball nach einem schlampigen Rückpass von Guilherme Ramos unter das Dach seines eigenen Kastens geschossen. Die Häme war gewaltig. Und obwohl sich der HSV damals nach 0:2-Rückstand noch ein 2:2 erarbeitete und der Fauxpas somit nicht hauptursächlich für eine Stadtderby-Niederlage war, wurde Heuer Fernandes in den Wochen und Monaten danach immer wieder mit dieser Szene konfrontiert.

Erinnerungen an Heuer Fernandes’ Eigentor gegen St. Pauli

Wohl auch in Erinnerung daran stöhnten die St. Pauli-Fans am Freitagabend teilweise laut auf, als der Torwart des Stadtrivalen im eigenen Strafraum angespielt wurde. Man kann sich vorstellen, dass das für Heuer Fernandes nicht gerade angenehm war, zumal er in der ersten Hälfte direkt vor der Südkurve und damit den Heim-Ultras stand. Doch der 33-Jährige ließ sich von den Provokationen nicht beirren, blieb mit dem Ball am Fuß ruhig und half seinem Team, aus der einen oder anderen Pressingsituation zu entkommen. Das teils intensive Anlaufen von Stürmer Martijn Kaars und Co. ließ ihn nicht hektisch werden – und die Rufe und Pfiffe von der Tribüne ignorierte er einfach.

St. Pauli-Stürmer Martijn Kaars (l.) lief Daniel Heuer Fernandes teilweise hoch an. IMAGO/Steinsiek.ch
Martijn Kaars läuft Daniel Heuer Fernandes an
St. Pauli-Stürmer Martijn Kaars (l.) lief Daniel Heuer Fernandes teilweise hoch an.

„Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich mit dem Ball viele Lösungen habe und dass mich das jetzt kein bisschen tangiert hat, ob die Fans vom Gegner irgendwas versuchen“, sagte Heuer Fernandes nach dem Spiel. „Ich glaube, jeder hat heute auch wieder gesehen, dass ich wieder viele Lösungen gefunden habe.“ Der Deutsch-Portugiese wählte zur Sicherheit auch mal den weiten Befreiungsschlag, traute sich im Verbund mit Luka Vuskovic und vor allem Sechser Nicolai Remberg aber meistens die spielerische Variante zu. Der Spott der St. Paulianer hätte ihn dabei „wenig interessiert“, betonte Heuer Fernandes, der beim 0:0 im Derby zum zweiten Mal in Folge die Null hielt.

Lob für die HSV-Defensive: „Wenig anbrennen lassen“

„Zu-Null-Spiele sind für einen Torwart und für eine Defensive immer gut“, sagte er auch in Erinnerung an die Nullnummer gegen Gladbach in der Vorwoche. „Das ist uns heute wieder gelungen.“ Und deshalb lobte der Schlussmann: „Über 90 Minuten haben wir nicht viel anbrennen lassen und auch im Ballbesitz gute Momente gehabt. Das ist einfach wichtig, dass du defensiv stabil bist und trotzdem nicht nur verteidigst, sondern auch das Spiel annimmst und auch Kontrolle im Ballbesitz hast.“ Mit der Abwehrleistung seines Teams war auch Merlin Polzin zufrieden – wegen der teils schlampig ausgespielten Offensivszenen legte der Trainer aber den Finger in die Wunde.

HSV-Youngster Alexander Røssing-Lelesiit lag früh auf dem Spielfeld und krümmte sich vor Schmerzen. IMAGO/Justus Stegemann
Alexander Røssing-Lelesiit liegt auf dem Spielfeld und krümmt sich vor Schmerzen
HSV-Youngster Alexander Røssing-Lelesiit lag früh auf dem Spielfeld und krümmte sich vor Schmerzen.

Heuer Fernandes vermisste die Durchschlagskraft seiner Vorderleute ebenfalls. „Natürlich ist es schwer, gegen tiefer stehende Gegner Chancen zu kreieren, sie waren sehr kompakt im Block“, analysierte er die Gegner vom Kiez. „Aber trotzdem, da müssen wir in Zukunft vielleicht ein bisschen zwingender werden.“ Der Keeper nimmt sich und seine Kollegen in die Pflicht. Womöglich wird Polzin nächste Woche gegen Bayern (Samstag, 18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) ein anderes Angriffspersonal wählen, um die weiterhin mangelhafte Torausbeute zu verbessern. Zumal Alexander Røssing-Lelesiit, der für Jean-Luc Dompé begann, nach einem rüden Foul von Adam Dzwigala früh raus musste und auszufallen droht. Der 19-Jährige hat sich am rechten Fuß verletzt, am Samstag wurde er direkt eingehend untersucht. Eine Diagnose stand zunächst noch aus, es dürfte aber seinen Bandapparat erwischt haben.

HSV-Zugang Sander Tangvik beim Derby erstmals im Kader

Heuer Fernandes dagegen muss um seinen Stammplatz nicht fürchten – auch nicht jetzt, da der HSV in Sander Tangvik einen neuen Torwart verpflichtet hat. In der Hitze des Derbys ging fast unter, dass der Norweger erstmals im Kader stand und beim Aufwärmen mittendrin war. „Er ist sehr offen“, sagte Heuer Fernandes über seinen neuen, 23-jährigen Konkurrenten. „Wir haben uns schon ein-, zweimal natürlich unterhalten, gerade übers Torwartspiel.“

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Hamburgs Nummer eins ist „guter Dinge“, dass sich Tangvik beim HSV „schnell wohlfühlen wird“. Und dabei will er helfen: „Es ist meine Aufgabe, voranzugehen und der Mannschaft zu helfen, ein Anführer zu sein. So sehe ich meine Aufgaben und so gehe ich sie auch weiter an.“ Spielt er weiterhin so solide wie in der bisherigen Saison, wird Heuer Fernandes seinen Platz zwischen den Pfosten bis zum Sommer nicht abgeben müssen. Gegen St. Pauli war er in seinem Kerngeschäft lange beschäftigungslos, parierte in der Schlussphase aber die Versuche von Eric Smith (76.), Danel Sinani (79.) und Arkadiusz Pyrka (81.). Da stöhnten die St. Pauli-Fans dann nicht mehr, um Heuer Fernandes zu verunsichern – sondern sie ärgerten sich, dass der Routinier des HSV den Heimsieg ihres Teams verhinderte.

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