„Kann mehr als mancher denkt“: HSV-Talent kassiert nach Frust-Abend viel Lob
Yussuf Poulsen sprang von der Auswechselbank auf und schritt während der ersten Hälfte an die Seitenlinie. Dort schnappte er sich Aboubaka Soumahoro, der überraschenderweise anstelle von Miro Muheim beginnen durfte, und gab ihm einige Anweisungen. Der Franzose lauschte konzentriert – und erledigte seine Aufgabe auch danach solide. Als Poulsen in der 84. Minute das 3:2-Siegtor erzielte, stand Soumahoro nicht mehr mit auf dem Platz. Viel Lob von Trainer Merlin Polzin heimste er nach dem Nordderby gegen Werder trotzdem ein.
„Abou“, sagte Polzin nach dem umjubelten Erfolg, „ist ein cooler Junge.“ Offenbar ein derart cooler, dass Soumahoro den bitteren Elfmeter-Fehlschuss, den er sich vier Tage zuvor im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Holstein Kiel (2:4 i.E.) geleistet hatte, souverän wegsteckte. „Ich habe ihm gesagt, dass dieser Moment dafür da war, um daraus zu lernen“, berichtete Polzin. „Und das hat er heute im Spiel sofort versucht zu machen.“ War Soumahoro am späten Mittwochabend noch der größte Pechvogel des HSV, zählte er am Sonntag zu denen, die am wildesten jubelten.
Poulsen gab Anweisungen – HSV-Trainer Polzin schwärmte
Mit einer der Eckfahnen in der Hand hüpfte der 20-Jährige nach dem Schlusspfiff vor der Nordtribüne auf und ab. Knapp eine Stunde später lobte Polzin auf der Pressekonferenz: „Er hat gezeigt, dass er mehr kann als das, was der eine oder andere nach den ersten Momenten über ihn gedacht hat.“ Nach dem Pokal-Aus hatte es nicht nur Häme für Soumahoro gegeben – sondern auch inakzeptable Beschimpfungen in den sozialen Medien. Doch Polzin stützte seinen Youngster und stellte ihn sogar in die HSV-Startelf, weil sich Miro Muheim einen Aussetzer geleistet hatte.

Wie sonst der Platzhirsch aus der Schweiz zog auch Soumahoro immer wieder von der Linksverteidiger-Position ins Zentrum. Dort forderte er viele Bälle, agierte technisch weitgehend sauber und spielte trotz des besonderen Derby-Rahmens nicht nervös. „Wir wussten, dass die Bremer im Ballbesitz und in Umschaltmomenten sehr viel über das Zentrum kommen“, erklärte Polzin. „Wir wollten gut positioniert sein, um die Momente schon im Keim zu ersticken.“ Soumahoro half bei diesem Vorhaben, brachte es laut „Opta“ auf eine Passquote von 93 Prozent bei 38 Kontakten.
Aboubaka Soumahoro schuf Räume für HSV-Profi Dompé
Durch seine Bewegungen in die Mitte, im Fußball spricht man gerne von einem „invers“ spielenden Linksverteidiger, sorgte er immer wieder dafür, dass sich Passwege zum offensiven Linksaußen Jean-Luc Dompé eröffneten. „Wir wollten es schaffen, Jean-Luc in die Eins-gegen-eins-Duelle zu bekommen“, verriet Polzin, der Soumahoro während der Partie intensiv gecoacht hatte – so, wie es auch „Co-Trainer“ Poulsen tat. „Wir wollten auch Momente im Rücken des Gegners schaffen, ob durch Abou oder einen anderen Spieler, der auf einer höheren Ebene rauskippt“, führte Polzin aus. „Das war klar der Plan. Abou hat es sehr gut umgesetzt.“ Bis zu seiner Auswechslung nach 58 Minuten.
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Soumahoro leistete sich keine größeren Fehler, setzte im Offensivspiel zwar wenig Akzente – doch für die war dann Muheim als Joker verantwortlich. Der mit einem Bankplatz bestrafte Leader leitete das zwischenzeitliche 1:1 per Flanke ein und bereitete Poulsens 3:2-Siegtor direkt vor. Am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) auswärts in Hoffenheim wird Muheim in die Anfangself zurückkehren. Doch Polzin nahm aus dem Nordderby diese Erkenntnis mit: „Abou trainiert nicht nur sehr konstant auf einem hohen Niveau – er hat heute auch gezeigt, dass er definitiv auf dem Bundesliga-Niveau Fußball spielen kann.“ Soumahoros HSV-Debüt in München (0:5) über 45 Minuten war noch nach hinten losgegangen. Doch sein zweites Ligaspiel fast drei Monate später ließ einige Kritiker nun verstummen.
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