Yussuf Poulsen jubelt mit ausgebreiteten Armen vor der Nordtribüne

Mit ausgebreiteten Armen vor der Nordtribüne: HSV-Held Yussuf Poulsen genoss den Jubel über seinen Siegtreffer. Foto: IMAGO/Justus Stegemann

„Jetzt kann ich meine Karriere beenden“: HSV-Derbyheld Poulsen überrascht

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Am frühen Samstagmorgen wusste Yussuf Poulsen noch nicht einmal, ob er im Kader des HSV stehen würde. Aber am frühen Sonntagabend verließ er das Volksparkstadion dann als der wohl größte Derbyheld. Der Däne feierte gegen Werder Bremen nicht nur sein Comeback nach abermaliger Verletzungspause, sondern traf auch erstmals für den HSV – und zwar zum 3:2-Sieg, nur zwei Minuten nach seiner Einwechslung. „Solche Momente schreibt nur der Fußball“, befand Merlin Polzin. Poulsen äußerte sich ähnlich – und überraschte mit einem Satz.

„Mehr geht gar nicht“, jublierte der Kapitän zunächst, ehe er nachlegte: „Ich kann jetzt meine Karriere beenden.“ Was soll es schließlich noch Besseres geben als einen Derbysieg gegen Bremen, für den man als Joker, direkt vor der Nordtribüne und in der Schlussphase höchstpersönlich sorgt? Wohl nicht viel. Aber das mit dem Karriereende meinte Poulsen natürlich nicht ernst. „Nein, auf keinen Fall“, ergänzte er. „Denn für Momente wie heute, genau deshalb spielt man Fußball. Das sind die Spiele, in denen es um ein bisschen mehr geht als nur die drei Punkte.“

Tor-Debüt! HSV-Profi Yussuf Poulsen entschied das Derby

Es geht um Prestige, um Rivalität und um die Vorherrschaft im Norden. Die drei Zähler hat der HSV aber natürlich trotzdem eingefahren – dank Poulsen, der in der 82. Minute eingewechselt wurde und in der 84. traf. Zuvor hatte Miro Muheim den Ball durch Werders Spielhälfte gedribbelt und an der Strafraumlinie schließlich mustergültig serviert für Poulsen, der einen platzierten Linksschuss auspackte und wenige Sekunden später in der Jubeltraube versank. Wie schon bei den Last-Minute-Toren gegen Dortmund (1:1) und Stuttgart (2:1) feierte der HSV in der Ecke des Spielfeldes zwischen der Nord- und der Osttribüne. Und diesmal war Hamburgs Kapitän der gefeierte Held.

Der HSV feierte den Siegtreffer von Yussuf Poulsen vor der Nordtribüne. imago/Beautiful Sports
Der HSV feiert den Nordderby-Sieg gegen Bremen
Der HSV feierte den Siegtreffer von Yussuf Poulsen vor der Nordtribüne.

„Diese Ecke ist besonders“, findet Poulsen, der in der Vorwoche noch mit seinem Sohn am Spielfeldrand saß. Nach Fábio Vieiras Siegtreffer sprangen sie zusammen in die Menge: „Mein Sohn hatte ein Erlebnis für das ganze Leben.“ Sieben Tage später kam es nun zu einem Erlebnis, das Poulsen selbst ganz sicher nicht vergessen wird. In seinem achten Pflichtspiel für den HSV traf er erstmals. „Pure Emotion“, verspürte der 31-Jährige, der die Nordderbys vorher nur aus dem Fernsehen gekannt hatte. Nun beschrieb er: „Das ist schon eines der heißesten Derbys, die ich auf Bundesliga-Niveau erlebt habe. Es gibt wenig auf dem gleichen Niveau. Deswegen ist es einfach ein geiler Tag.“

Poulsen über sein Verletzungspech: „Es ist nie schön“

Und das alles, nachdem Poulsen mal wieder härtere Wochen hinter sich hatte. Wegen eines Muskelfaserrisses, zugezogen bei seiner Reise zur dänischen Nationalelf, hatte er die Spiele in Augsburg (0:1), gegen Stuttgart und im DFB-Pokal gegen Kiel (2:4 i.E.) verpasst. Es war nicht sein erster Verletzungsrückschlag in dieser Saison. „Es ist nie schön, verletzt zu sein“, betont Poulsen. „Aber ich gehe ja nicht nach Hause und haue mir einen Hammer in das Bein, sodass ich verletzt werde – sondern es passiert einfach.“ Der Stürmer sieht die vielen Blessuren, die sich in jüngerer Vergangenheit häuften, pragmatisch: „Das ist ein Teil des Sports – und ich bin froh, dass ich jetzt wieder auf dem Platz stehen kann.“ Das Comeback im wilden Nordderby hätte für Poulsen nicht besser verlaufen können.

Weil das Fußballjahr 2025 für Robert Glatzel beendet ist, ist Polzin froh, mit seinem Kapitän wieder eine Sturmoption mehr zu haben. Ransford Königsdörffer ist seit Wochen außer Form, wohl auch darum begann am Sonntag erstmals Rayan Philippe in zentraler Rolle. Doch der Franzose hatte es gegen die Bremer schwer – wohingegen Poulsen mit seiner ersten Aktion direkt für den Unterschied sorgte. „Yussi arbeitet extrem hart. Sein Wert für die Mannschaft ist mit seiner Erfahrung extrem groß“, lobte Polzin. „Er trägt mit vielen Gesprächen in der Kabine dazu bei, dass wir jetzt mit 15 Punkten in der Bundesliga dastehen. Für ihn ist es umso härter, wenn er uns auf dem Platz nicht helfen kann.“

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Zuletzt war das erneut der Fall. Jetzt aber will Poulsen die Sorgen hinter sich lassen. „Wir wissen um seine Situation – umso schöner ist, dass er der Mannschaft mit dem Siegtreffer helfen konnte“, meinte Polzin. „Dafür lohnt die harte Arbeit, die er tagtäglich verrichtet.“ Fragt sich nur, ob der Stürmer die Belastung in der Schlussphase des Derbys gut weggesteckt hat. „Darüber“, sagte Poulsen und lächelte, „können wir morgen reden.“ Sonntag wurde nur gefeiert.

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