Jatta-Explosion hat Gründe: So planen die HSV-Bosse jetzt mit ihm
Es fehlten nur wenige Zentimeter, und Bakery Jatta hätte seinem Joker-Tor gegen Kiel (2:4 i.E.) direkt den nächsten Treffer folgen lassen – im Nordderby! Doch Rayan Philippes agierte gleich doppelt unglücklich. Er brachte seinen Kopfball nicht aufs Tor, touchierte das Leder jedoch leicht und brachte Jatta, der hinter ihm besser positioniert war, so um eine große Chance. Dennoch durfte sich Jatta nach dem 3:2 gegen Bremen zu den größten Helden zählen. Hinter ihm liegt eine plötzliche Leistungsexplosion – mit Folgen für seine Zukunft?
Bis vor einer Woche war mit dieser Wende nicht zu rechnen. Doch dann stand Jatta im DFB-Pokal-Achtelfinale zum ersten Mal in dieser Saison im Profikader des HSV. Er kam in der Verlängerung, traf vor der Nordtribüne und ließ die Fans vom Einzug in die Runde der letzten Acht träumen. Er trauerte nach dem Elfmeterschießen. Er feierte aber vier Tage später das nächste Erfolgserlebnis: den ersten Startelfplatz seit vielen Monaten. Gegen Werder. Im Nordderby.
Taktik, Fitness, Momentum: Darum war Jatta in der Startelf
Es gibt Geschichten, die kann man eigentlich nicht schreiben. Jatta hat sie trotzdem geschrieben und sagte nach dem Sieg: „Ich bin immer positiv geblieben und habe auf meine Chance gewartet.“ Polzin gab sie ihm. Weil der HSV-Trainer registriert hatte, dass Jatta zuletzt „sehr viel Fleiß in puncto Trainingsarbeit“ gezeigt und ein Fitnessniveau wiedererlangt habe, „das in den letzten Monaten aufgrund der fehlenden Spielzeit nicht so gegeben war“. Hinzu kamen taktische Überlegungen: Weil Fábio Vieira seine Offensivrolle mit mehr Zug in Richtung der Spielfeldmitte interpretierte, wollte Polzin den Tiefgang sowie den Fleiß von Schienenspieler Jatta auf der rechten Seite nutzen.
Als der Name des Gambiers in einer der Besprechungen vor dem Nordduell auf der Taktiktafel auftauchte, und zwar als Startelfspieler, war auch manch ein Verantwortlicher zunächst überrascht. Aber: Die inhaltlichen Argumente der Trainer um Polzin überzeugten – und ebendiese sollen die klare Grundlage der Entscheidung gewesen sein. Die Aufstellung des Fanlieblings sorgte zwar auch bei den Fans im Volksparkstadion für große Freude und dürfte die Stimmung positiv beeinflusst haben. Zudem hatte Jatta vor Sonntagnachmittag als einer von wenigen Hamburger Profis schon Nordderby-Erfahrung. Sogar sein HSV-Debüt hatte er vor achteinhalb Jahren gegen Bremen gefeiert.
HSV-Bosse schätzen den Umgang der Trainer mit Jatta
Die Neuauflage des Duells mit Werder war nun aber viel zu wichtig, um einzelnen Akteuren wie Jatta Spielzeit zu schenken. Kurz gesagt: Er verdiente sich den Einsatz selbst. Polzin dürfte zudem bedacht haben, dass sich der 27-Jährige nach dem Tor gegen Kiel in einem besonderen Momentum befand. Das wollte der HSV im Derby für sich nutzen. Der Aufschwung hat also viele Gründe, die Leistung muss dennoch eingeordnet werden. Zwar lobte Polzin, dass Jatta Gegenspieler Marco Grüll erfolgreich beschäftigt habe. Ersichtlich war aber auch, dass dem im Sommer eigentlich schon Aussortierten die Überzeugung in vielen Offensivaktionen fehlte. Jatta verlor einige Bälle, eroberte sie aber auch zurück. Es war eigentlich ein typisches Jatta-Spiel, fast elf Monate nach seinem letzten Liga-Einsatz.
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Die HSV-Bosse rechnen es den Trainern hoch an, dass sie Jatta jetzt wieder die Tür öffneten, nachdem sie ihm vor wenigen Monaten noch deutlich gemacht hatten, dass er es schwer haben werde, viel Spielzeit zu bekommen. Das bewahrheitete sich. Nur stellt sich jetzt die Frage: Wie geht es weiter? Die jüngste Entwicklung spricht für Jatta, sie muss aber nicht so weitergehen. Insgesamt verlief die bisherige Hinrunde für ihn ohnehin sehr unbefriedigend. „Es war nicht einfach für mich“, bestätigte Jatta am Sonntag. Sollte er auch am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) in Hoffenheim und/oder danach gegen Frankfurt (20. Dezember) in der Startelf stehen, vermutlich sogar an mehreren Toren beteiligt sein, werden Stefan Kuntz und Claus Costa ihn im Winter wohl kaum abgeben wollen.
Noch keine Jatta-Entscheidung – wohin geht die Dynamik?
Eine konkrete Jatta-Entscheidung ist im Volkspark nach MOPO-Informationen aber noch nicht gefallen. Wie schnell es in dieser Causa gehen kann, zeigten schließlich die vergangenen beiden Partien – und die verbleibenden zwei Spiele des Jahres könnten die Dynamik neu beeinflussen. Sollte Jatta etwa keine Minute mehr spielen und dem HSV ein passendes Angebot vorliegen, wäre von Vereinsseite aus ein Transfer nicht ausgeschlossen. Außerdem haben erst Anfang 2025 zwei Verletzungen gezeigt, wie schnell sich die Kaderplanung verändern kann. Damals riss sich Noah Katterbach das Kreuzband – und Jatta das Syndesmoseband. Verletzungen haben häufig Wechsel-Folgen.
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Einerseits hat der HSV den Spielertypen Jatta, den es in der Bundesliga nicht gerade häufig gibt, gerne in seinem Kader. Andererseits wollen die Verantwortlichen das Aufgebot im Winter verkleinern, und von dieser Maßnahme könnte auch Jatta betroffen sein. Allerdings geht es natürlich auch um den Willen des Profis selbst – und der sah bisher keinen beabsichtigten Wechsel vor. Jatta hat noch einen Vertrag bis 2029 und fühlt sich wohl, auch nach den für ihn sportlich wohl schwierigsten HSV-Monaten. „Ich bin einfach dankbar für die Chance, meine Qualitäten zeigen zu dürfen“, sagte er nach dem Derbysieg. Ob er diese Fähigkeiten zeitnah wieder präsentieren kann, ist aber offen. Die Antwort auf diese Frage wird darüber entscheiden, wohin die Gespräche der Bosse mit Jatta im Winter führen.