Ivica Olic: Der HSV-Torjäger, dessen Schuhe heute sogar im Museum stehen
Mit kaum einem Verein ist Ivica Olic so eng verbunden wie mit dem HSV. Der frühere kroatische Nationalspieler verbrachte in Hamburg die längste Zeit seiner Karriere und machte für keinen anderen Verein mehr Spiele. Vor allem aber ist er den Fans mit ganz besonderen Momenten in Erinnerung geblieben. Olic sorgte für HSV-Rekorde, die nie wieder gebrochen werden können, und ikonische Momente – auch im Derby gegen Werder Bremen. Die MOPO erzählt im Rahmen einer Porträt-Reihe über Hamburger Fußball-Profis seine Geschichte.
Der im damaligen Jugoslawien geborene Olic hat schon als Kind einen speziellen Bezug zu Deutschland. Sein Großvater arbeitet hier als Gastarbeiter und bringt ihm als Kind immer Schokolade aus der Bundesrepublik mit. Und auch den Angreifer selbst zieht es bereits 1998 im Alter von nur 19 Jahren nach Berlin, wo er vorwiegend für die Amateure von Hertha BSC spielt und seine spätere Frau Natali kennenlernt. „Sie war das einzig Schöne an Berlin“, wird Olic über sie nach seinem Karriereende sagen.
Ivica Olic wechselt 2007 erstmals zum HSV
Denn bei Hertha wird der Kroate nicht glücklich. Über NK Marsonia Slavonski Brod, NK Zagreb und Dinamo Zagreb in seiner Heimat sowie ZSKA Moskau in Russland kehrt Olic 2007 schließlich nach Deutschland zurück – zum HSV. Und in Hamburg findet der Mittelstürmer endlich auch sein sportliches Glück. Er wird sofort Stammspieler und führt den Verein mit fünf Toren und zwei Vorlagen in der Rückrunde der Saison 2006/07 von der Abstiegszone noch zur Qualifikation für den UEFA-Cup.

Auch in den beiden darauffolgenden Jahren ist Olic einer der wichtigsten Spieler des HSV. 2007/08 gelingen ihm 18 Saisontore, darunter der historisch erste Hattrick überhaupt eines HSV-Spielers in der Bundesliga am 20. Oktober 2007 gegen den VfB Stuttgart (4:1). Weder Uwe Seeler noch Horst Hrubesch oder Sergej Barbarez – das ist vor ihm keinem Stürmer gelungen. Die Schuhe, die Olic an diesem Tag trägt, stehen heute im HSV-Museum. Auch dank seiner Treffer qualifizieren sich die Hamburger erneut für den UEFA-Cup.
„Ich habe gesagt: Nicht direkt nach dem Spiel, das sind meine Glücksschuhe. Ich brauche sie noch für die nächsten Spiele und würde damit noch gerne ein paar Tore mehr schießen. Danach kann ich sie abgeben. Im HSV-Museum stehen sie noch heute. Das freut mich und bleibt eine Erinnerung für immer.
Olic in der MOPO über seine Schuhe, die er beim Hattrick-Spiel trug
Kung-Fu-Tritt von Wiese und Prügelei mit Carlos Eduardo
In weniger schöner Erinnerung bleiben wird dem Stürmer hingegen der 32. Spieltag. Im Derby gegen Werder Bremen, als es für beide noch um den Einzug in die Champions League geht, kassiert Olic einen denkwürdigen Kung-Fu-Tritt von Torhüter Tim Wiese. Die Szene aus der 42. Minute geht in die Fußball-Geschichte ein – auch, weil Franz Beckenbauer sie als „schon fast ein Mordversuch“ bezeichnet. Trotz gestrecktem Fuß bekommt Werder-Keeper Wiese für das üble Foul nur die Gelbe Karte von Schiedsrichter Lutz Wagner. Olic kommt ohne schlimmere Verletzung davon, weil er seinen Kopf im letzten Moment wegdreht.

Und es ist nicht der einzige Vorfall in diesen Monaten. Nach einer erfolgreichen Hinrunde 2008/09, in der der HSV als Tabellenvierter nur zwei Punkte Rückstand auf die Tabellenspitze hat, reist er ins Winter-Trainingslager nach La Manga (Spanien). Im Testspiel gegen Herbstmeister TSG Hoffenheim (2:0) kommt es zu einem Skandal-Vorfall. Olic gerät mit Carlos Eduardo aneinander, die beide liefern sich eine Prügelei auf dem Feld. Sie werden vom DFB-Sportgericht für jeweils zwei Bundesliga-Spiele gesperrt, darunter auch fürs Topspiel gegen Bayern München.
„Das ist eine Frechheit und aus meiner Sicht Wettbewerbsverzerrung. Es passt vielleicht einigen Leuten ganz gut, dass wir jetzt gegen Bayern geschwächt sind und auch Hoffenheim ein Spieler fehlt – zwei Bayern-Konkurrenten.“
HSV-Kapitän David Jarolim im Januar 2009 über Olic’ Sperre
Der Publikumsliebling lässt sich von der Sperre nicht irritieren und erzielt trotzdem stolze 25 Saisontore für den HSV. Mit Platz fünf schaffen die Hamburger abermals die Qualifikation für den Europapokal, im DFB-Pokal und im UEFA-Cup ist jeweils erst im Halbfinale gegen Werder Bremen Schluss. Es ist eine der letzten wirklich erfolgreichen Spielzeiten der Hamburger – und auch die vorerst letzte für Olic. Er wechselt im Sommer 2009 vom HSV zum FC Bayern.
Auch bei Bayern München wird Olic zum Stammspieler
Auch in München spielt Olic in den folgenden Jahren stark auf, wird aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Nach einer Zwischenstation beim VfL Wolfsburg kehrt er im Januar 2015 – im Alter von 35 Jahren – auf eigenen Wunsch noch einmal zum HSV zurück, weil er den Verein vor dem Abstieg retten will.
„Das war der große Wunsch meiner Frau, meiner Kinder und mein eigener. Hier fing für mich die erfolgreichste Zeit meiner Karriere an. Ich fühle mich diesem Verein und dieser Stadt einfach sehr verbunden. Als Dietmar Beiersdorfer mich im Januar anrief, wusste ich, dass ich gebraucht werde. Ich wollte diesen Wechsel einfach.“
Olic im „Spiegel“ über seinen erneuten Wechsel zum HSV 2015
Und es gelingt dem kroatischen Torjäger, der zwei wichtige Tore in der Saison-Endphase erzielt und mit dem HSV in der legendären Relegation gegen den Karlsruher SC den Klassenerhalt sichert. Seine Karriere in der Nationalmannschaft hat Olic zu diesem Zeitpunkt bereits beendet.

Der mittlerweile 36-Jährige bleibt noch ein weiteres Jahr in Hamburg, kommt aber aufgrund diverser Verletzungen und gesundheitlicher Probleme kaum noch zum Einsatz. Seine Karriere beendet Olic im Sommer 2016 aber noch nicht, sondern spielt noch ein Jahr für den TSV 1860 München in der 2. Liga. Dort läuft er zeitweise als Kapitän auf und erzielt immerhin fünf Saisontore. Weil er zudem einige Sportwetten abschließt, wird der Routinier vom DFB zwischenzeitlich für zwei Spiele gesperrt. Einen Manipulationsverdacht gibt es jedoch nicht. Kurz vor seinem 38. Geburtstag verkündet Olic dann offiziell sein Karriereende.
Trainer in Kroatien und bei der U21-Nationalmannschaft
Auch heute ist der frühere Torschütze dem Fußball weiter sehr eng verbunden. Mit ihm als Co-Trainer erlebt die kroatische Nationalmannschaft die erfolgreichste Zeit ihrer Geschichte. Bei der WM 2018 in Russland erreicht Olic mit Kroatien sensationell das Finale und wird Vize-Weltmeister, bei der WM 2022 in Katar kommt er bis ins Halbfinale und holt Platz drei.

Nach einer Zwischenstation bei ZSKA Moskau in Russland ist Olic mittlerweile Trainer der kroatischen U21-Nationalmannschaft und offizieller Klub-Repräsentant des FC Bayern München. Und auch beim HSV im Volkspark ist Olic immer wieder gerne zu Gast. Dem Klub ist er nach wie vor sehr verbunden.
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