Investition in die HSV-Zukunft? Rätsel um Kaufoption für Soumahoro
Die Pressemitteilungen, die einerseits der HSV und andererseits die AS Saint-Étienne am 2. Februar publizierten, unterschieden sich im Detail. Während die Hamburger darauf verwiesen, dass Aboubaka Soumahoro den Volkspark „vorübergehend“ verlasse, erwähnte der Ligue-2-Klub etwas, was der HSV in seinem Kommuniqué nicht aufgriff: die Existenz einer Kaufoption. Ebendiese gibt es tatsächlich, sie liegt im Bereich von fünf Millionen Euro. Aber würde der Franzose im Sommer wirklich für diese Summe fest wechseln?
„Aboubaka ist eine Sofortverstärkung“ – mit diesen vielversprechenden Worten hatte Ex-HSV-Sportvorstand Stefan Kuntz den vor gut einem Jahr verpflichteten Soumahoro im Februar 2025 vorgestellt. Zwölf Monate später ist das Abwehrtalent nicht mehr in Hamburg, und das (auch verletzungsbedingt) nach nur fünf Profi-Pflichtspielen. Seine Entwicklung schritt nicht so voran wie erhofft, deshalb stimmte Claus Costa einer Leihe nach Saint-Étienne zu.
HSV holte Aboubaka Soumahoro für zwei Millionen Euro
Der Transfer-auf-Zeit an sich ist verständlich. Dass die HSV-Verantwortlichen dem französischen Traditionsklub zusätzlich zur Leihe eine Kaufoption einräumten, wirkte jedoch rätselhaft. Zwar holte der HSV Soumahoro als eine Investition in die Zukunft und überwies rund zwei Millionen Euro an den Paris FC – aber war es wirklich das Ziel, den heute 21-Jährigen nur ein bis eineinhalb Jahre später schon wieder für mehr Geld zu verkaufen? Wäre da nicht perspektivisch sogar mehr Kohle drin, wenn Soumahoro seinen angepriesenen Karriereweg erfolgreich weitergeht?

Die Wahrheit ist: Im Volkspark geht man momentan, rund eine Woche nach Bekanntgabe des Deals, nicht davon aus, dass Saint-Étienne nach der Saison die ausgehandelte Option aktivieren wird. Denn fünf Millionen Euro sind ein stolzer Preis für einen Profi, dem es seit einem Jahr an konstanter Spielpraxis auf höchstem Liganiveau fehlt. Zur Erinnerung: In der Rückrunde der Aufstiegssaison kam Soumahoro wegen eines Sehnenrisses gar nicht zum Einsatz, sein HSV-Debüt feierte er erst im September in München (0:5). Es folgten drei weitere Bundesligapartien, darunter ein Startelfeinsatz beim 3:2 gegen Werder, und ein kurzer DFB-Pokal-Auftritt gegen Kiel samt Elfmeter-Fehlschuss.
Debüt der HSV-Leihgabe für Saint-Étienne steht noch aus
In Hamburg wurde Soumahoro dennoch stets der Rücken gestärkt. „Wir werden Abous Weg weiter fest im Blick haben und wünschen ihm für die Zeit in Frankreich nur das Beste“, sagte Costa bei der Verkündung der Leihe. Und Saint-Étiennes Spordirektor Loïc Perrin lobte: „Aboubaka ist ein vielseitiger Spieler. Er kennt unsere Liga. Er ist athletisch begabt und kann unserem Team Kraft und Durchschlagskraft verleihen. Dank seiner guten Technik kann er auch im Mittelfeld spielen. Er wird uns Leidenschaft und Energie bringen.“ Nur: bis wann? Und wann erstmals?
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Bei Saint-Étiennes 1:0-Sieg gegen Montpellier am Samstag gehörte Soumahoro, der nach einer Blessur zuletzt ins HSV-Teamtraining zurückgekehrt war, noch nicht zum Kader. Das könnte am kommenden Samstag, wenn sein neuer Klub bei EA Guingamp antritt (20 Uhr), anders sein. Saint-Étienne spielt als derzeit Tabellenvierter um den Aufstieg in die Ligue 1, hat unter allen Top-6-Klubs der Liga aber die schwächste Defensive (27 Gegentreffer). Die HSV-Leihgabe soll helfen, die Abwehr zu stabilisieren. Und weil die AS überzeugt ist, dass Soumahoro das kann, wollte sie sich auch eine Kaufoption sichern – ihre Höhe von rund fünf Millionen Euro muss allerdings eingeordnet werden.
Hohe Kaufoption bezieht sich auf den bestmöglichen Fall
Bei Leihgeschäften einigen sich abgebender und aufnehmender Verein häufig auf einen möglichen festen Kaufpreis, der davon ausgeht, dass der Profi fernab von seinem Stammklub voll einschlägt. Wenn, dann würde Saint-Étienne Soumahoro im Sommer also nur dann für fünf Millionen Euro verpflichten, wenn er in Frankreich zum absoluten Stammspieler wird, der im Falle des Aufstiegs womöglich sogar in der Ligue 1 ein Leistungsträger bleiben würde.
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Erst einmal muss der zuletzt verletzungsanfällige Verteidiger aber Fuß fassen in seinem Heimatland, wieder viel Spielpraxis sammeln und konstant performen. Nachverhandlungen in Bezug auf die Kaufoption sind im Laufe oder am Ende der Leihe natürlich immer möglich. Nach aktuellem Stand ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass Soumahoro den HSV in ein paar Monaten endgültig verlassen wird – zumindest nicht für stolze fünf Millionen Euro.
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