Ihr Opa ist eine HSV-Legende: Victorias unglaubliche Reise bis in die Bundesliga

Victoria Schulz sitzt auf der Tribüne im Volksparkstadion
Victoria Schulz trägt seit 2007 das Trikot des HSV, in dieser Woche verlängerte sie ihren Vertrag um ein Jahr.

Werder Bremen statt Wentorf, Bayern München statt Barmbek-Uhlenhorst: Victoria Schulz geht in der nächsten Saison in der Bundesliga auf Torejagd – nach ihrem dritten Aufstieg mit den HSV-Kickerinnen.

„Die Vorfreude ist riesig“, sagt die 27-Jährige: „Man fängt schon an, die Tage zu zählen.“ 112 sind es noch, bis die Bundesliga-Saison 2025/26 beginnt, für die sich der HSV durch sein 3:0 gegen Freiburg II vorzeitig qualifiziert hat. „Das war von vorne bis hinten ein perfekter Tag“, blickt Schulz auf den Sonntag zurück: „Die Feierlichkeiten waren genauso überragend wie das Spiel. Aber davor lag auch ein hartes Stück Arbeit.“

Victoria ist Enkelin von HSV-Nationalspieler Willi Schulz

Und ein langer Weg für die Enkelin des HSV-Nationalspielers Willi Schulz, die seit 2007 die Raute auf der Brust trägt. „Mit Neun bin ich zum HSV gekommen, da war ich noch in der Grundschule“, erzählt sie: „Eine Mitschülerin hat als Torhüterin bei den E-Mädels gespielt und irgendwann wurde ich mit zum Training geschleust. Ab dem Tag habe ich nie wieder aufgehört.“

Victoria Schulz zieht voll durch gegen Ingolstadts Emma Kusch.
Victoria Schulz zieht voll durch gegen Ingolstadts Emma Kusch.

2014 gab sie ihr Debüt im Frauen-Team, 2016 erlebte sie den Tiefpunkt der jüngeren Vereinsgeschichte. Vier Jahre nach dem freiwilligen Rückzug aus der Bundesliga stieg der Klub in die Verbandsliga ab. Ein halbes Dutzend Hamburger Vereine lag vor dem HSV. „In der Verbandsliga sieht man schon viele Plätze in und um Hamburg“, erinnert sich Schulz an Spiele in Appen, Wellingsbüttel und Tornesch.

2019 gelang die Rückkehr in die Regionalliga – und Victoria Schulz wurde zu Hamburgs Fußballerin des Jahres gewählt. „Die Urkunde hängt in meinem Sportzimmer“, sagt sie: „Das ist eine Einzelauszeichnung, über die man sich sehr freut. Aber das Besondere war natürlich unser Aufstieg.“

Der erste von dreien – danach nahm das Projekt richtig Fahrt auf. „Vor rund vier Jahren hat sich das Engagement für den Frauenfußball beim HSV noch mal deutlich verstärkt, seitdem wurde das Gaspedal komplett runtergetreten“, schildert Schulz. Die Corona-Pandemie trat ein bisschen auf die Bremse, aber im Nachhinein bewertet das Eigengewächs dies als „Entwicklungsjahre“: „2022 sind wir noch mal am Zweitliga-Aufstieg gescheitert, aber das hat die Reifeprozesse extrem gefördert. Als wir uns nach der Sommerpause wieder getroffen haben, war es das gleiche Team, aber trotzdem auch ein anderes. Wir hatten an Erfahrung gewonnen.“

Victoria Schultz mit einer Urkunde in der Hand
2019 wird Schulz auf dem HFV-Jahresempfang zu Hamburgs Fußballerin des Jahres gekürt.

2023 Aufstieg in die Zweite Liga, jetzt der Sprung nach ganz oben. „Hätte man mir damals erzählt, dass wir mal Bundesliga im Volksparkstadion spielen würden, hätte ich es nicht für möglich gehalten“, blickt Schulz zurück: „Der Weg hatte viele Höhen und Tiefen, aber das macht es noch mal besonders.“

Nun wird sie Profifußballerin und lässt ihren Job als Immobilienmanagerin in einer Unternehmensberatung ruhen: „In der Bundesliga ist das unumgänglich. Natürlich macht es einen Unterschied, ob man sich den lieben langen Tag mit dem Sport beschäftigen kann. Außerdem war es ein Lebenstraum von mir, Fußball als Beruf ausüben zu können.“

Victoria Schulz singt und hat ein Bier in der Hand
Victoria Schulz feiert nach dem Sieg gegen Freiburg den HSV-Aufstieg – mit ihren Kolleginnen um Pauline Machtens (r.).

Und das im Volksparkstadion, wo 57.000 Menschen das DFB-Pokal-Halbfinale gegen den künftigen Bundesliga-Gegner Werder Bremen (1:3 n.V.) verfolgten. Schulz hofft auf eine hohe Resonanz, wenn die HSV-Kickerinnen nach 13 Jahren wieder in der Bundesliga spielen. „Es ist uns allen klar, dass wir nicht alle zwei Wochen das Stadion voll bekommen, aber man sollte das Interesse unserer Fans und der Hamburger allgemein nicht unterschätzen“, sagt die Führungsspielerin: „Es ist ein Riesenerlebnis, in diesem Stadion Fußball zu spielen, das mit jedem Zuschauer noch schöner wird.“