„Ich wurde nie…”: Heuer Fernandes spricht offen über HSV-Degradierung

Daniel Heuer Fernandes beim Fotoshooting des HSV
Weil Matheo Raab zuletzt erkrankt ausfiel, ist Daniel Heuer Fernandes wieder gefragt. Und der 31-Jährige will seinen Stammplatz im HSV-Tor jetzt verteidigen.

Daniel Heuer Fernandes redet nicht drumherum. Hinter ihm liegen harte Monate. Einen Mentaltrainer brauchte er nicht, er hatte aber mit einer Entscheidung, die er schwer nachvollziehen konnte, zu kämpfen. In der MOPO spricht der 31-Jährige über seine Degradierung zur Nummer zwei, über seine Gefühle, Wechsel-Gedanken und Zuspruch – verbunden mit emotionalen Worten an die HSV-Fans. Und der alte, neue Stammkeeper verrät, welche speziellen Erinnerungen die DFB-Pokal-Reise nach Meppen bei ihm hervorruft.

MOPO: Herr Heuer Fernandes, Sie sind einer von neun HSV-Profis, die schon einmal gegen den DFB-Pokal-Gegner gespielt haben. Erinnern Sie sich an Ihr bislang einziges Spiel gegen den SV Meppen?

Daniel Heuer Fernandes: Absolut. Es war im Niedersachsenpokal, sogar das Finale – und mein letztes Spiel für den VfL Osnabrück. Ich habe mich mit einem Sieg verabschiedet.

HSV-Keeper Heuer Fernandes wurde in Meppen zum Held

Und wie! Sie wurden am 13. Mai 2015 zum Osnabrücker Helden des Elfmeterschießens, indem sie zwei Strafstöße von Meppen parierten.

Ja, daran kann ich mich gut erinnern, auch wenn es schon einige Zeit her ist.

Ist die damalige Reise in die Hänsch-Arena daher immer noch ein kleines Highlight Ihrer Karriere? Sie waren erst 22 Jahre alt.

Ich denke gerne daran zurück, weil der VfL sehr wichtig für meine Karriere war. In Osnabrück bin ich ab 2013 meine ersten Schritte im Profi-Fußball gegangen. Deshalb hat es mich gefreut, den Verein nach zwei Jahren mit so einem Erfolg zu verlassen. Es gibt aber Spiele in meiner Vita, die besonderer sind (lacht).

Daniel Heuer Fernandes im Trikot des VfL Osnabrück
2015 in Meppen wurde Heuer Fernandes zum VfL-Helden.

Auch in Hamburg wurden Sie schon zum Cup-Helden. 2021/22 zogen Sie bis ins DFB-Pokal-Halbfinale ein, weil der HSV dank Ihrer Paraden dreimal in Folge im Elfmeterschießen gewann. Was ist so besonders am Pokal?

Es sind K.o.-Spiele. Wenn man seine Leistung nicht bringt, ist man raus. Man darf sich gegen keinen Gegner zu sicher sein, nie. Wir sind Favorit und wollen das Spiel in Meppen maximal konzentriert angehen. Mit solchen Partien kann eine längere Reise beginnen – und die wollen wir jetzt erfolgreich einläuten, um weit zu kommen.

Ist man als Torhüter vor Pokalspielen besonders motiviert, weil man weiß, dass man immer zum Helden werden kann?

Mit diesem Mindset gehe ich nicht in die Spiele. Pokalspiele sind Highlights, der Modus macht den Reiz aus. Ich freue mich vorab aber nicht auf ein mögliches Elfmeterschießen. Das wollen wir in den Spielen, wenn möglich, ohnehin vermeiden.

DFB-Pokal-Spiele sind für Heuer Fernandes „Highlights“

In der Vorsaison waren Sie in der Liga lange Stammkeeper, durften aber nicht im DFB-Pokal ran, weil Tim Walter, Ihr Ex-Trainer, Matheo Raab zum Cup-Keeper auserkor. Hatten Sie damals schon ein flaues Bauchgefühl, dass es früher oder später zur kompletten Wachablösung im Tor kommen könnte?

Nein, das war bei dieser Entscheidung noch lange nicht in meinem Kopf. Ich hätte gerne im Pokal gespielt, weil man als Torwart keine Partie gerne abgibt. Das Trainerteam hat es aber damals so entschieden, das musste ich akzeptieren und annehmen.

Ihren HSV-Vertrag verlängerten Sie im Dezember 2023, im neuen Jahr bestritten Sie noch drei Spiele, bevor es zum Torwartwechsel kam. Haben Sie während der Vorsaison selbst mal gespürt, dass Ihre Form im Vergleich zu den Vorjahren nicht dieselbe ist?

Nein, im Großen und Ganzen nicht. Ich analysiere meine Leistungen immer, prüfe mit Sven Höh (Torwarttrainer; Anm. d. Red.), was gut und schlecht läuft. Ich hatte auch ein eigenes Gefühl, die Entscheidung mit dem Torwart-Wechsel kam für mich daher eher plötzlich. Aber so ist das Leben manchmal, es gibt Entscheidungen, die man mal weniger versteht. Es gilt immer, weiterzumachen. Und das habe ich gemacht.

Sie haben die Messlatte in den Saisons 2021/22 und 2022/23, in denen Sie Stammkeeper waren, selbst sehr hoch gelegt. Wurden Sie deshalb vielleicht „bestraft“, weil man beim HSV wusste, dass Sie eigentlich mehr können?

So habe ich das nicht empfunden. Mein Anspruch ist es immer, bestmöglich zu performen. Ich würde nie sagen, dass Top-Spiele von mir im Nachgang eigentlich zu meinem Nachteil wurden. Auch ich entwickle mich mit jedem guten Spiel weiter, weil sie etwas mit mir machen. Fehler helfen aber natürlich auch weiter.

HSV-Fans standen immer hinter Daniel Heuer Fernandes

Sie sagten kürzlich, dass Sie die Situation rund um den Torwart-Wechsel „anders gesehen“ hätten. Das klingt, als fühlten Sie sich ungerecht behandelt.

Nein, ich habe mich nicht unfair behandelt gefühlt. Ich hatte eine andere Meinung, habe die vom Trainerteam aber trotzdem akzeptiert.

Sie wurden von den HSV-Fans auch in der Vorbereitung mit Sprechchören gefeiert. Wie haben Sie diesen Zuspruch in schwierigen Zeiten erlebt?

Das ist besonders und geht nicht an mir vorbei. Ich spüre diesen Zuspruch der Fans. Es ist etwas, das ich mir während meiner Zeit beim HSV erarbeitet habe. Das entsteht nicht einfach so, sondern durch Momente, die man mit den Fans erlebt. Dafür bin ich sehr dankbar. Und es hat mir geholfen, einen klaren Kopf zu behalten. Seit ich beim HSV bin, habe ich nie verspürt, dass die Fans nicht hinter mir stehen.

HSV-Fans zünden Pyro vor Daniel Heuer Fernandes
„Dafür bin ich sehr dankbar“: Auch als er nicht spielte, spürte Daniel Heuer Fernandes den Rückhalt der Fans.

Sie gelten als lautstark, sind im Training eigentlich nicht zu überhören. Schreit es sich als Nummer eins aktuell wieder leichter im Training?

(lacht) Nein, das nicht. Die Kommandos sind mir zunächst vielleicht schwieriger gefallen, als ich hinten dran war. Denn die Phase war für mich natürlich nicht einfach. Nach einer gewissen Zeit war ich aber wieder voll im Modus. Es ist es egal, welche Rolle man gerade hat: Die Kommandos helfen der Mannschaft.

Im Sommer 2023, als Sie Ihren Vertrag noch nicht verlängert hatten, sagten Sie uns: „Es muss passen und ein Gefühl da sein, gewollt zu sein.“ Wurde Ihnen dieses Gefühl in den vergangenen Monaten immer gegeben?

Ja. Ich war immer gewollt, das habe ich gespürt. Die Torwart-Entscheidung wurde so getroffen, aber ich glaube nicht, dass man mich hier nicht mehr wollte. Man muss unterscheiden zwischen der Art, wie man als Mensch in der Kabine wirkt, und den Namen, die in der Startelf stehen. Auch wenn ich mich zwischendurch in einer anderen Rolle gesehen habe: Ich wurde nie schlecht behandelt.

HSV-Torhüter Heuer Fernandes fühlt sich gut in Form

War Ihr Glaube daran, dass Ihr Moment irgendwann wieder kommt, wirklich immer größer als vielleicht aufkommende Gedanken, dass eine neue Herausforderung sinnvoll sein könnte?

Meine Hoffnung und Motivation war immer da. Trotzdem habe ich als Sportler einen Anspruch an mich selbst. Deshalb habe ich mir Gedanken gemacht, wie es weitergehen könnte, habe Ideen ausgetauscht. Daher habe ich auch überlegt, was das Beste für mich ist. Konkret wurde es aber nicht.

Tim Walters Spielidee war sehr fordernd, auch für die Torhüter. Den Baumgart-Fußball haben Sie selbst noch nicht so häufig gespielt. Wie gefällt er Ihnen?

Egal, wer der Trainer ist: Alle mögen es, wenn ich Bälle halte (lacht). Auch unter Tim wurde ich eher gefeiert, wenn ich starke Parade hatten – und seltener dafür, wie ich Fußball spielen kann. Die Details unterscheiden sich, Steffen fordert jetzt aber auch einen guten Spielaufbau. Herausfordernd sind beide Spielideen, auch für die Keeper.

Daniel Heuer Fernandes hält einen Schuss von Davie Selke
In Köln parierte er glänzend: Daniel Heuer Fernandes sieht sich aktuell in einer guten Form. Und das hat Gründe.

Nach all dem, was passiert ist: Wie bewerten Sie Ihre Form aktuell?

Für mich war es gut, in der Vorbereitung viele Spiele gemacht zu haben, um ein positives Gefühl zu entwickeln. Und die ersten zwei Liga-Spiele haben sich auch persönlich gut angefühlt. Es macht mir Freude, mit der Mannschaft auf dem Platz zu stehen und ihr zu helfen.

Heuer Fernandes: „Unser Ziel in der Liga steht über allem“

Und haben Sie Meppens Elfmeterschützen bereits studiert?

Nein (schmunzelt). Den einen oder anderen haben wir vielleicht auf dem Zettel, erst einmal konzentrieren wir uns aber auf die 90 Minuten. Es liegt an uns.

Der DFB-Pokal ist das eine, das andere die Liga. Welcher Erfolg würde Ihren Triumph im Niedersachsenpokal von 2015 toppen?

Wir sind maximal motiviert, um im Pokal weit zu kommen. Aber unser Ziel in der Liga steht über allem, das kennt auch jeder von uns: Das ist der Aufstieg.