„Ich war überrascht“: So will Legende Cardoso die HSV-Frauen retten
Die Nachricht kam inmitten der Länderspielpause. „Neuer Impuls im Saisonendspurt“, hieß es am Montag auf den HSV-Kanälen. Cheftrainerin Liése Brancão musste gehen und kein Geringerer als HSV-Legende Rodolfo Cardoso übernahm die vom Abstieg bedrohte, sich aber noch im Soll befindende Mannschaft für die letzten vier Spiele. „Ich war überrascht“, gestand Cardoso am Mittwoch. Mit dem Anruf der Verantwortlichen hatte er nicht gerechnet. Das Ziel ist aber klar, die Überzeugung groß.
Zwei Klubs steigen am Ende der Saison ab. Der HSV ist aktuell keines der beiden Teams, die auf den Abstiegsplätzen stehen. Carl Zeiss Jena ist mit elf Punkten Tabellenletzter, die SGS Essen mit zwölf Punkten Vorletzter. Dann kommt der HSV mit drei Punkten Vorsprung und dem um sechs Tore besseren Torverhältnis als die beiden Schlusslichter. Die Mission für Cardoso, der für die HSV‑Männer zwischen 1996 und 2004 insgesamt 137 Pflichtspiele absolvierte, ist klar: Platz zwölf nicht mehr hergeben.

Dabei will sich der HSV aber nicht weiter darauf verlassen, dass die anderen Teams keine Punkte mehr holen, sondern selbst Erfolgserlebnisse feiern. „Wir haben jetzt drei machbare Spiele: Nürnberg, Union Berlin und Köln. Das letzte Spiel wird schwer. Da müssen wir bis dahin schon gerettet sein“, blickt Cardoso voraus. Die drei genannten kommenden Gegner stehen in der Tabelle über dem HSV, liegen aber in der unteren Tabellenhälfte einer sehr heterogenen Liga. Am letzten Spieltag kommt der FC Bayern München noch einmal in den Volkspark. Da gab es schon im DFB-Pokal nichts zu holen. Auch das Bundesliga-Hinspiel in München verlor der HSV mit 0:6.
Neuer HSV-Trainer Cardoso muss XXL-Kader managen
Die Schwierigkeit bei Cardosos Start: Er hat nicht alle beisammen, weil einige HSV-Spielerinnen für ihre Auswahlmannschaften unterwegs sind. Am Freitag gibt es aber trotzdem ein Freundschaftsspiel gegen Twente Enschede. Dort will sich Cardoso ein weiteres Bild machen vom XXL-Kader mit über 30 Hamburgerinnen. „Das ist für mich auch neu“, gesteht der Argentinier, der aber alle Spielerinnen mitnehmen will. Alle sollen sich zeigen. Weil das zuvor nicht so gewesen ist, soll es atmosphärische Störungen zwischen der Mannschaft und Brancão, die das Team nach dem Aufstieg übernommen hatte, gegeben haben. Die nunmehr ehemalige Trainerin sortierte den großen Kader in zwei Trainingsgruppen. Das gefiel nicht allen. Jetzt gab es den späten Trainerwechsel.
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Cardoso arbeitete zuletzt als Individualtrainer der U19, aber im Rahmen dieser Tätigkeit auch mit einigen Spielerinnen der Frauenmannschaft zusammen. Sein erster Eindruck ist ein guter.
Cardoso spürt keinen Druck, lobt die Atmosphäre
Nur auf Spaß setzen will der 57-Jährige dabei aber nicht, sondern auch auf Intensität. Insgesamt habe er auch beobachtet, dass die Stimmung sehr gut sei in der Mannschaft und in dem Bereich gar nicht so viel Handlungsbedarf bestünde. „Ich spüre nichts von diesem Druck im Moment. Es ist nur Freude da. Und das ist immer gut, wenn man unten steht“, so Cardoso.
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Dass er bislang keine Erfahrungen im Frauenfußball gemacht hat, stört den ehemaligen Spielmacher nicht. „Am Ende geht es immer um Fußball.“ Auch über seine Ansprache möchte sich Cardoso nicht allzu viele Gedanken machen. Er will erst einmal richtig loslegen: „Durch den Zusammenhalt in der Mannschaft bin ich überzeugt, dass wir in der Bundesliga bleiben werden.“ Cardoso kann nun seinen Teil dazu beitragen.
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