„Ich halte es mit den Kurven“: HSV-Boss für Spieltags-Revolution in der Bundesliga
Sieben Spiele, sieben Anstoßzeiten: Die Zersplitterung der Spieltage in der Frauen-Bundesliga ist HSV-Vorstand Dr. Eric Huwer ein Dorn im Auge. „Das wird nicht dazu führen, dass wir mehr Menschen vom Frauenfußball überzeugen können“, sagte der 42-Jährige am Mittwoch – und regte dann eine komplette Revolution des Spielkalenders im Frauenfußball an. Es geht dabei auch um eine Konferenz wie bei den Männern.
Anlass für Huwers Generalkritik am Spielplan der Frauen-Bundesliga ist das übernächste Bundesliga-Heimspiel der HSV-Frauen. Am 30. März ist Bayer Leverkusen zu Gast im Volksparkstadion – an einem Montagabend um 18 Uhr. „Da ist es einfach schwierig für die Menschen, zu uns zu kommen“, ärgert sich Huwer. „Deswegen habe ich da eine sehr klare Meinung und halte es mit den Kurven: Montagsspiele bringen keinen Mehrwert. Die sollten wir schnellstmöglich wieder revidieren.“
HSV-Boss Huwer fordert Abschaffung der Montagsspiele
Seit der Saison 2023/24 findet an jedem Spieltag eine Partie am Montagabend statt. Als „Alleinstellungsmerkmal“ vermarktet die Liga dieses vermeintliche Topspiel, das als einzige Begegnung an jedem Wochenende im Free-TV bei Sport1 zu sehen ist. Man wolle damit „die Erhöhung der Sichtbarkeit“ und „die Steigerung der Vermarktungserlöse“ erreichen, „von der alle Vereine profitieren“, heißt es vonseiten des DFB. Huwer widerspricht: „Montagsspiele machen aus TV-Vermarktungssicht keinen Sinn.“

Und auch die Fans sind strikt gegen diese Ansetzung. In dieser Saison findet in den meisten Stadien ein stummer Protest der Anhänger statt, die in den ersten 14 Minuten jeder Partie schweigen – eine Minute für jede Mannschaft der Frauen-Bundesliga. Auch die HSV-Fanszene beteiligt sich an dem bundesweiten Protest, der durch Transparente, Banner und Sprechchöre ergänzt wird. So wollen die Zuschauer eine Abschaffung der Montagsspiele erreichen, wie es 2021 bereits durch ähnliche Protestaktionen in der Männer-Bundesliga gelungen war. Beim DFB-Fankongress Ende Februar sollen die Montagsspiele zum Thema werden.
HSV-Boss Huwer hat bereits eine klare Vorstellung davon, wie die Spieltage in der Frauen-Bundesliga dann künftig ohne Montagsspiele aussehen könnten: mit einer Konferenz am Sonntagnachmittag. „Die Konferenz ist ein deutsches Erfolgsprodukt“, bekräftigt Huwer, der Mitglied im DFL-Aufsichtsrat und im DFB-Vorstand ist. „Lasst uns doch einfach mal was Neues versuchen und das für die Frauen adaptieren. Denn keiner versteht diesen zersplitterten Spieltag.“
TV-Konferenz am Sonntag für die Frauen-Bundesliga?
Sein Impuls: Am Sonntag um 15.30 Uhr sollen sechs der sieben Bundesliga-Spiele zeitgleich stattfinden, die siebte Begegnung dann als Topspiel am Abend. „Wir sehen, es kommen viele Familien zu den Frauen“, begründet Huwer seinen Vorschlag. „Das sollten wir auch im TV-Bild umsetzen. Wir sollten Dinge unternehmen, um die Sichtbarkeit für diesen großartigen Sport zu verbreitern. Und ich bin überzeugt, dass wir davon auch die TV-Anstalten überzeugt bekommen.“

Was für den HSV-Vorstand nicht infrage kommt, ist der Videobeweis. „Wir sollten Technik wie den VAR im Frauenfußball nicht zu früh implementieren“, fordert er. Aktuell werden Torlinientechnik und Videobeweis bei den Frauen nur auf internationaler Ebene eingesetzt. Huwer: „Natürlich kopieren wir Sachen, die wir von den Männern gut übernehmen können, wie unsere Infrastruktur. Aber wir dürfen im Frauenbereich auch mal Dinge tun, die anders sind als bei den Männern. Wir wollen da andere Wege gehen, um die Menschen dafür zu begeistern.“
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Überhaupt sieht er den HSV in einer Vorreiterrolle bei der Gestaltung der Zukunft des Frauenfußballs. „Wir haben mit unserem Rekordspiel etwas ins Rollen gebracht“, sagt der gebürtige Saarländer über das DFB-Pokal-Halbfinale im März 2025, als 57.000 Fans im ausverkauften Volksparkstadion für einen neuen deutschen Zuschauerrekord im Frauenfußball auf Vereinsebene gesorgt hatten. Der HSV wolle „den Frauenfußball nicht nur in Hamburg mitgestalten, sondern auch die Zukunft der Bundesliga“, kündigt Huwer an: „Wir wollen da gestaltend mitwirken. Und da übernehmen wir auch gerne Verantwortung und melden uns laut zu Wort.“
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