Huch! Mainz-Boss gratuliert dem HSV schon zum Klassenerhalt

Nadiem Amiri von Mainz 05 im Zweikampf mit HSV-Profi Nicolai Remberg
Wiedersehen auf Augenhöhe: Im Hinspiel besiegten Nicolai Remberg (r.) und der HSV die Mainzer um Nadiem Amiri mit 4:0.

Fünf Partien ohne Pleite am Stück, zuletzt zwei Siege – klar, dass der HSV am Freitag mit breiter Brust zu Mainz 05 reist. Fußball-Deutschland staunt über den Aufsteiger, der sich bis auf Rang neun der Liga vorgearbeitet hat. Beim kommenden Gegner gratulieren sie den Hamburgern via MOPO sogar schon drei Monate vorm Saisonende zum Klassenerhalt. Alles nur Taktik? Oder eine realistische Einschätzung?

Lang ist’s her, dass der HSV mal in der Karnevals-Hochburg vorbeischaute. Im Oktober 2017 war das, beim damaligen 3:2-Sieg der 05er erzielten Walace und Sejad Salihovic die Hamburger Treffer. Wer diese Namen liest, der weiß: Es war die Zeit, als der HSV-Absturz bis in Liga zwei nicht mehr aufzuhalten war.

Mainz 05 freut sich auf das Heimspiel gegen den HSV

Schnee von gestern. Stattdessen hat sich der forsche Aufsteiger schnell wieder den Respekt der Liga erarbeitet. „Schön, dass der HSV mal wieder hier ist“, sagt Christian Heidel, für den das bisherige Abschneiden der Hamburger keine Überraschung ist. „Mich wundert es nicht, dass der HSV eine so gute Rolle spielt“, so der Mainzer Sportvorstand, der sich jetzt schon festlegt: „Der HSV wird in der Bundesliga bleiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er zu den Mannschaften gehört, die noch mal unten reinrutschen.“

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  • Verkehr: Tempo 30 bald auf viel mehr Straßen

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche

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Heidel weiß, wovon er spricht. Der 62-Jährige ist so etwas wie der Erschaffer des Mainzer Erfolges. Im Frühjahr 1992 wurde er zum Boss der 05er. Nach einer Zwischenstation auf Schalke (2016 bis 2019) kehrte Heidel Ende 2020 zurück. Insgesamt fünfmal führte er die Mainzer in den Europapokal. Aktuell steht der Klub im Achtelfinale der Conference League.

Mainz muss weniger Fehler als die großen Klubs machen

Gibt es ein Erfolgsrezept? Und kann sich der HSV an den Mainzern ein Beispiel nehmen? „Bei uns müssen immer alle Rädchen ineinander greifen, damit wir mal in Europa spielen können“, bekennt Heidel. „Unser Job in Mainz muss es immer sein, weniger Fehler als die größeren Vereine zu machen. Das ist uns in der Regel gut gelungen. Aber was die bloßen Voraussetzungen betrifft, hinkt der Vergleich zum HSV, weil große Traditionsvereine dieser Art ganz andere Möglichkeiten haben und auch schneller wachsen können.“

Als Beispiel dient Heidel der 30 Kilometer entfernte Nachbar aus Frankfurt. „Sie haben es auch über Jahre hinweg sehr gut gemacht und sind in den vergangenen Jahren als Verein explodiert. Ich habe ihnen das immer zugetraut. Und auch der HSV ist ein Verein, der sicherlich das Zeug dazu hat, perspektivisch an der Bundesliga-Spitze mitzuspielen.“

Was in Hamburg wächst, gefällt Heidel: „Trainer Merlin Polzin macht es super, zudem scheint im Verein große Ruhe zu herrschen. Das sind sehr gute Voraussetzungen.“ Zunächst aber geht es für den HSV am Freitag darum, einen formstarken Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt auf Distanz zu halten.

Heidel: Conference League war Fluch und Segen zugleich

Trotz des jüngsten 0:4 in Dortmund präsentiert sich Mainz nach dem Trainerwechsel (Urs Fischer ersetzte Anfang Dezember Bo Henriksen) stark verbessert, gewann vier seiner letzten sechs Partien und verließ die Abstiegsränge. Heidel meint zu wissen, warum sich die 05er in der Hinrunde so schwertaten. Die acht Partien in der Conference League waren Fluch und Segen zugleich: „Wir haben zu wenig trainiert und saßen stattdessen oft im Flieger. Durch die Partien sind uns fast 35 Prozent der Trainingseinheiten weggefallen. Das hat man gemerkt, es war schwer, auf dem Platz Automatismen zu entwickeln.“

Mainz-Boss Christian Heidel bei der Vorstellung von Trainer Urs Fischer
Klares Ziel: Sportvorstand Christian Heidel (l.) und der neue Trainer Urs Fischer wollen Mainz ins 18. Jahr in Folge in der Bundesliga führen.

Mittlerweile aber scheint auch in Mainz wieder die Sonne. Die Wettanbieter zählen den Verein vor dem Achtelfinale sogar zu den Anwärtern auf den Gewinn der Conference League. Europacupsieger Mainz 05 – nur ein schöner Traum? Heidel muss lachen. „Ach“, sagt er, „darüber mache ich mir weniger Gedanken. Für uns geht es erst mal darum, im kommenden Jahr die 18. Saison in Folge in der Bundesliga zu spielen.“

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Dann soll es auch wieder zum Duell mit dem HSV kommen. Heidel rechnet vor, warum der Aufsteiger aus seiner Sicht definitiv die Klasse halten wird: „25 Punkte hat der HSV, im Normalfall brauchst du 34, um drinzubleiben. Diese neun Punkte werden sie ganz sicher holen.“ Einen kleinen, aber erwartbaren Einwand aber hat er dann doch noch: „Sie müssen ja nicht gleich am Freitag damit anfangen. Es gibt doch noch genügend andere Spiele …“