HSV zwischen Freude und Frust: VAR zerstört Traum vom Sieg gegen Frankfurt
Als der letzte Abpfiff dieses Jahres im Volkspark ertönte, war den HSV-Profis deutlich anzusehen, wie sehr die vorangegangene Partie gegen Eintracht Frankfurt an ihren Kräften gezehrt hatte. 1:1 (1:1) hieß es am Ende gegen den Champions-League-Teilnehmer, für die Hamburger war es vor 57.000 Fans ein weiterer wichtiger Punktgewinn im Kampf um den Klassenerhalt. Und trotzdem hielt sich die Freude zunächst eher in Grenzen. Weil der HSV an einem weiteren Super-Coup gegen einen der Liga-Größen schnupperte, dann aber vom VAR aus allen Träumen gerissen wurde.
Fábio Vieira schüttelte immer wieder den Kopf, als er eine Viertelstunde nach dem Abpfiff durch die Mixed Zone in Richtung Kabine marschierte. Auch für Kommentare zum Spiel war der Portugiese nicht zu haben. Das wäre vermutlich ganz anders gewesen, wenn er wenige Minuten zuvor nicht seines Treffers beraubt worden wäre, der den Volkspark zunächst abermals in ein Tollhaus verwandelte – ehe der VAR einschritt.
HSV-Profi Vieira stand vor seinem Tor hauchzart im Abseits
Die Schlusspointe dieses Jahres blieb aus, vielleicht wäre es nach den späten Jubelschreien gegen Dortmund (1:1), Stuttgart (2:1) und Bremen (3:2) auch einfach des Guten zu viel gewesen, wenn der HSV auch diesmal spät gewonnen hätte. 80 Minuten waren gespielt, als Ransford Königsdörffer Vieira anspielte und dieser die Kugel zum vermeintlichen 2:1 in die Maschen schlenzte. Das Problem: Er stand hauchzart im Abseits, nach etwa einer Minute nahm Schiedsrichter Tobias Stieler den Treffer zurück.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
Diese Woche u.a. mit diesen Themen:
- Der Anti-Schlagloch-Plan: Warum Hamburg dieses Jahr besonders löchrig ist
- Unverschämte Gäste: Was Wirte ärgert
- Kronzeugen quälen Block: Aussagen der Israelis belasten Mutter
- Große Rätselbeilage: Knobelspaß für jeden Tag
- 16 Seiten Sport: HSV-Überflieger Luka Vuscovic und sein Traum & Interview mit St. Paulis Präsidenten Oke Göttlich
- 28 Seiten Plan 7: Speed-Dating für Senioren & Ausgeh-Tipps für jeden Tag
Kein großes Happy End diesmal im Volkspark. Aber ein weiterer Punkt. „Am Ende waren wir alle ein bisschen enttäuscht“, stellte Linksverteidiger Miro Muheim fest, zog dann aber ein positives Fazit: „Ich denke, wir können stolz und zufrieden mit dem einen Punkt gegen eine super Mannschaft sein.“
Der HSV trat gegen Frankfurt stark ersatzgeschwächt an
So ist es. Denn der ersatzgeschwächte HSV zeigte zum Jahresabschluss einmal mehr, wozu er imstande ist, wenn alle Profis taktisch und kämpferisch an einem Strang ziehen und alles in die Waagschale werfen. Das war gegen die Eintracht auch bitter nötig, denn neben den verletzten Jean-Luc Dompé, Yussuf Poulsen, Robert Glatzel und Alexander Røssing-Lelesiit fiel kurzfristig auch noch Jordan Torunarigha aus. Der Abwehrmann hatte sich bereits im Training eine Knieprellung zugezogen, wollte zwar auf die Zähne beißen, senkte nach dem Aufwärmen vor der Partie aber den Daumen. Für ihn rückte Daniel Elfadli ins Team.
Das erste Highlight der Partie setzte ein anderer. Ein Missverständnis der Frankfurter Abwehr nutzte Albert Sambi Lokonga und traf nach 19 Minuten per Flachschuss zur HSV-Führung. Da träumten sie alle vom dritten Heimsieg in Folge. Letztlich war es ein einziger krasser Fehler, der diesen Traum zunichtemachte. Weil William Mikelbrencis den Diagonalball von Nnamdi Collins völlig falsch einschätzte, Nathaniel Brown in die Mitte ablegte und Hugo Larsson zum Ausgleich traf – 1:1 (26.).
Philippe scheiterte für den HSV an der Latte
Dass der HSV trotz des Lattentreffers von Rayan Philippe (27.) und Vieiras nicht gegebenem Tor mit dem Unentschieden gut leben konnte, lag auch an der Überlegenheit der Gäste in Hälfte zwei. Mehr und mehr schwanden die Kräfte der Hamburger, einmal hatten sie sogar richtig Glück: Zunächst blockte Nicolás Capaldo den Schuss von Can Uzun, mit dem Nachschuss traf Mahmoud Dahoud den vor der Torlinie postierten Bakery Jatta (77.). Der Gambier verhinderte das sichere 1:2.

Ein Zähler also zum Jahresabschluss. Und warme Worte von HSV-Trainer Merlin Polzin, der seine Profis nach dem Abpfiff in die Weihnachtsferien verabschiedete. „Was dieses Jahr stattgefunden hat, welche Entwicklung die Mannschaft genommen hat, ist absolut herausragend“, stellte er fest. „Man muss überlegen, dass wir 18 Abgänge und zwölf Zugänge hatten, dazu sieben Jahre in der 2. Liga waren. Dieses Gefühl, hier mit einem gerechten Unentschieden gegen Eintracht Frankfurt zu stehen, ist ein ganz besonderes.“
Der HSV überwintert auf dem 13. Tabellenplatz
Auch wenn der ganz große Coup diesmal ausblieb, bleibt festzustellen: Der Volkspark hat sich zum Faustpfand des HSV im Abstiegskampf entwickelt. 14 seiner 16 Saison-Zähler holte der Aufsteiger im eigenen Stadion und überwintert auf dem 13. Tabellenplatz. Damit können sie alle bestens leben – und dennoch gab Mittelfeldmann Nicolai Remberg direkt eine Parole fürs neue Jahr aus: „Wir müssen und wollen es schaffen, auch auswärts mehr Punkte zu holen. Es reicht nicht, nur zu Hause zu punkten. Aber es gibt uns Kraft.“
Das könnte Sie auch interessieren: Starker Auftritt, aber ein Profi fiel ab: So benotete die MOPO den HSV gegen Frankfurt
Bis zum 2. Januar dürfen die HSV-Profis pausieren, dann beginnt die kurze Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte. Der Kampf um den Klassenerhalt wird sich fortsetzen, der Grundstein für ein gutes Gelingen aber ist gelegt. Polzin musste nicht lange überlegen, als er von TV-Sender Sky nach dem einen passenden Wort für das zurückliegende HSV-Jahr gefragt wurde. „Erfolgreich“, sagte der Coach und lächelte.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.