HSV-Zugang überraschte gegen Bayern: Wie kam es zu seinem Tief?
Die Stimme von Daniel Heuer Fernandes ist die, die man auf dem Trainingsplatz des HSV am leichtesten heraushört. „Bakiii“, brüllte er am Dienstag einmal zu Bakery Jatta, der aus Sicht des Keepers schneller von Offensive zu Defensive umschalten sollte. Ein anderes Mal richteten sich Heuer Fernandes‘ Rufe an einen Sommer-Zugang: „Komm Rayan, komm Rayaaaan“, schrie er zu Stürmer Philippe, der offenbar nicht intensiv genug presste. Der Franzose befindet sich seit Wochen im Formtief. Wie konnte es dazu kommen?
Die Kritik, die Merlin Polzin nach dem Stadtderby (0:0) gegen den FC St. Pauli äußerte, richtete sich in einem Fall vor allem an Philippe – weil dieser einen vielversprechenden HSV-Konter wegen eines unsaubern Außenristpasses zunichte gemacht hatte. Statt beim freistehenden Fábio Vieira landete der Ball bei Kiezklub-Keeper Nikola Vasilj. Dahin war sie, eine der besten Chancen auf das Siegtor. Das wurmte den Trainer.
HSV-Coach Polzin kritisierte eine Philippe-Aktion im Derby
„Das ist ein Moment, den wir besser ausspielen können und auch müssen, gerade in so einem Spiel“, haderte Polzin mit der schlampig ausgespielten Drei-gegen-eins-Situation in der zweiten Hälfte. „Das ärgert mich einfach sehr. Aber keiner meiner Spieler fällt absichtlich eine falsche Entscheidung.“ In besagter Szene war es Philippe, der eine unglükliche Figut abgab und lieber die Innenseite seines schwächeren rechten Fußes gewählt hätte. Und auch ansonsten nahm der Ex-Braunschweiger keinen gewinnbringenden Einfluss auf das HSV-Spiel. Es ist eine Entwicklung, die verwundert, denn noch im Herbst war Philippe wochenlang der beste Torschütze seines Teams.

Der positive Trend hatte bereits am dritten Spieltag in München eingesetzt. Dort kam Philippe beim Stand von 0:4 zur Pause ins Spiel und profitierte zwar davon, dass die Bayern in den zweiten 45 Minuten weniger investierten als in den ersten. Doch der 25-Jährige wusste trotz des deutlichen Rückstandes mit seinem Einsatz zu gefallen: Er gewann einige Sprintduelle, setzte seinen Körper gut ein und den FCB-Stars um Joshua Kimmich viel Robustheit entgegen. Das gefiel auch Polzin – weswegen er Philippe in der Woche nach dem 0:5-Debakel erstmals in die Startelf stellte. Und aus dieser ließ sich der Außenstürmer auch erst mal nicht mehr verdrängen, weil er gegen Heidenheim (2:1) erstmals für den HSV traf und beim darauffolgenden Heimspiel gegen Mainz (4:0) sogar doppelt.
HSV-Stürmer Philippe legte zu – und fiel dann wieder ab
Philippe war als halbrechter, immer wieder einrückender Angreifer gesetzt – nach einem schwierigien Saisonstart, der ihn nicht verwunderte. Der Linksfuß erklärte seinen Leistungssprung mit anfänglichen Anpassungsproblemen, die nach dem Bayern-Spiel allmählich einem wachsenden Selbstvertrauen wichen. Philippe spielte meistens stabil, entschied nach der Gala gegen Mainz aber keine weitere Partie für den HSV und fiel schließlich in ein Formloch – auch, weil Fábio Vieira regelmäßig auf „seiner“ Position im offensiven Halbraum eingesetzt wurde.
Beim 1:4 in Hoffenheim kurz vor Weihnachten traf Philippe noch einmal, weil er seine Geschwindkeit bei einem Konter optimal einsetzte. Doch in der Nachspielzeit vergab er auch einen Elfmeter, weil er am Punkt ausrutschte. Dafür setzte es keine Kritik – sehr wohl aber für seine schlechte Entscheidung am Millerntor am vergangenen Freitag. Sein Joker-Aufritt gegen St. Pauli war keine Bewerbung für mehr Spielzeit.
Glatzel und Downs treten im HSV-Training erneut kürzer
Beim Dienstagstraining agierte Philippe mal wieder als zentraler Stürmer – allerdings nur, weil Southampton-Leihgabe Damion Downs (angeschlagen) erneut auf dem Platz fehlte und der zuletzt erkrankte Robert Glatzel nach dem Aufwärmen wieder in die Katakomben marschierte.
Das könnte Sie auch interessieren: Protest im Volkspark – das steckte hinter dem Schweigen der HSV-Fans
Auch wegen Philippes Formschwäche, die nicht wirklich zu erklären ist, sehen sich die HSV-Bosse gezwungen, auf dem Transfermarkt nachzulegen, um die schwache Bilanz an Stürmer-Toren zu verbessern. „Mit der Defensive bin ich natürlich zufrieden, aber vorne würde ich mir andere Zahlen wünschen“, sagt Polzin, der Philippe am Samstag (18.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) gegen die Bayern wohl erneut nicht beginnen lassen wird. Dabei hatte Hamburgs Nummer 14 im Hinspiel in der Allianz Arena zu den besseren HSV-Profis gezählt …
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.