Merlin Polzin beim Fußmarsch an den HSV-Fans vorbei

Der Fußmarsch vor dem Derby-Hinspiel führte den HSV um Trainer Merlin Polzin direkt an den Fans vorbei. Foto: WITTERS

HSV-Trainer Polzin und das „coole Gefühl, beleidigt zu werden“

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Früher war Merlin Polzin selbst Fan, er besuchte Heim- und Auswärtsspiele des HSV und dürfte am Zaun auch mal gepöbelt haben. Heute ist er ein Cheftrainer in der Bundesliga und muss die Verschmähungen von gegnerischen Anhängern aushalten. Am Samstag wird in Bremen einiges auf ihn zukommen, verbal vor allem Unschönes. Dass das dazugehört, wenn alles im Rahmen bleibt, weiß Polzin. Er scheint es sogar zu genießen.

Die Busfahrt den Osterdeich entlang und hin zum Weserstadion, wo am Wochenende das 112. Nordderby steigt, hat Polzin in seinem Kopf offenbar schon durchgespielt. „Dann wird jeder von uns bereit sein und seine Kopfhörer abgelegt haben“, vermutet er. Wobei die HSV-Fans am Straßenrand keinesfalls in der Mehrzahl sein werden. Vielmehr erwartet die Hamburger in Bremen eine Atmosphäre der Abneigung, um es freundlich auszudrücken.

Den HSV erwarten vor dem Derby in Bremen Anfeindungen

Polzin macht das nichts aus. Er scheint sich gar auf den sehr wahrscheinlich wenig liebevollen Empfang zu freuen. „Uns wird schon bei der Ankunft im Stadion gezeigt, dass wir nicht gerne gesehen sind“, prognostiziert der Coach, dem deshalb aber nicht angst und bange ist. Vielmehr findet er: „Es kann ein cooles Gefühl sein, ausgepfiffen und beleidigt zu werden, solange alles in einem sportlichen Rahmen abläuft. Das steigert unser Energielevel und darauf freuen wir uns.“ Schon vor dem Hinspiel nutzte Polzin die Provokationen vonseiten des SVW für sich und sein Team.

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Zur Erinnerung: Anfang Dezember tauchten in Hamburg mehrere Plakate mit Beschimpfungen gegenüber dem HSV und sogar mit Fadenkreuzen auf. Auf einem der Exemplare wurde Polzin mit den ausgedachten Worten zitiert, dass er „die Hosen voll“ hätte und seine Mannschaft den Bremern ohnehin „in allen Belangen“ unterlegen sei. Darüber lächelte der 35-Jährige – und platzierte die provokanten Sprüche und Bilder in der HSV-Kabine, um seine Profis zu motivieren. Der Plan ging auf. Und auch die Maßnahme, bei der Ankunft am Stadion die restlichen Meter zu Fuß und vorbei an den emotional aufgeladenen Fans zurückzulegen, entfaltete ihre volle Wirkung. Der HSV gewann mit 3:2.

Wie motiviert Trainer Merlin Polzin die HSV-Profis diesmal?

Vor dem Rückspiel sind die Stimmungszeichen umgekehrt, das Gros der Zuschauer wird am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) zu Werder halten. Polzin setzt aber auf den Auswärtssupport der mitreisenden HSV-Fans. Und den einen oder anderen neuen Motivationskniff dürfte er sich auch noch überlegen, um seine Spieler so zu kitzeln wie vor gut vier Monaten. „Natürlich spielt es wieder eine große Rolle, dass wir zwischen der Mannschaft und dem Trainerteam eine Energie entwickeln wollen“, erklärt er. „Das wird auf unterschiedlichen Ebenen stattfinden.“

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Konkrete Details will Polzin vorab nicht verraten. Er dürfte aber schon die eine oder andere Idee haben, damit die Beleidigungen auch keinem seiner Profis etwas ausmachen. „Für mich ist wichtig, dass wir nicht vorher reden und erzählen, was wir machen. Sondern, dass wir das Ganze im Ergebnis am Samstag sehen“, betont der Trainer. „Wenn es gegriffen hat, können wir uns gerne hinterher darüber unterhalten, was wir gemacht haben.“ Auflösung folgt?

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