Das vollbesetzte Volksparkstadion des HSV

Heimat der HSV-Fans: Derzeit passen 57.000 Zuschauer in das Volksparkstadion. Foto: WITTERS

HSV startet Millionen-Projekt – und erhöht die Stadion-Kapazität!

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Henrik Köncke wählte große Worte. Es waren Sätze der Freude. „Das ist für uns ein historischer Schritt“, sagte der e.V.-Präsident, nachdem sich der HSV am 18. Februar das „finale Commitment“ seiner Mitglieder für ein Millionen-Projekt eingeholt hatte: den Supporters Trust. Jahrelang wurde das Genossenschaftsmodell vorbereitet, jetzt geht es an den Start. Das Datum der Gründungsversammlung steht fest – und auch, um welche Ziele und um wie viel Geld es für das Volksparkstadion (zunächst) geht. Profitieren sollen vor allem die Fans.

Der HSV will Mitbestimmung ermöglichen und in die Qualität des Arenabesuchs investieren. Die Verantwortlichen wissen längst, dass es im Volksparkstadion Nachholbedarf gibt, um das Spieltagserlebnis für die Zuschauer zu verbessern. Es geht um erweiterte sanitäre Anlagen, eine angedachte Fanwelt zum Aufenthalt vor und nach den Partien, um ein hochwertigeres Catering sowie um neue Torfangnetze für eine bessere Sicht von den Rängen. Diese Ziele hat der HSV seit Langem definiert, er wäre sie perspektivisch ohnehin angegangen. Mithilfe des Supporters Trust sind die Vorstellungen nun aber schneller umsetzbar.

HSV verkauft Anteile: Supporters Trust soll Stadion stärken

Fans wird es ermöglicht, über die Genossenschaft Anteile an der HSV Fußball AG und Co. KGaA zu erwerben. Der Rechtsformwechsel war im März 2024 beschlossen worden. Der Weg für den Supporters Trust wurde dagegen erst im Juni 2025 freigemacht. Und nachdem sich die Vereinsmitglieder im Februar dieses Jahres noch einmal klar zu dem Projekt bekannten, gibt es jetzt einen konkreten Termin: Am 5. Mai, dem Dienstag vor dem letzten Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Freiburg (Sonntag, 10. Mai), findet abends die Gründungsversammlung im Volksparkstadion statt.

Ex-Vorsänger Henrik Köncke (35) wurde am 21. Juni 2025 zum neuen Präsident des HSV e.V gewählt. WITTERS
HSV-Präsident Henrik Köncke vor einer HSV-Wand
Ex-Vorsänger Henrik Köncke (35) wurde am 21. Juni 2025 zum neuen Präsident des HSV e.V gewählt.

Bis zur Ausgabe der ersten Aktien wird es danach noch dauern, das ist vom Prüfverfahren zunächst des Genossenschaftsverbandes und anschließend des Amtsgerichts abhängig. Es könnte schnell gehen, könnte sich aber auch noch einige Monate hinziehen. Das Prozedere hat der HSV schon mal festgelegt. Angelehnt an das Gründungsjahr des Vereins werden zunächst 18.870 Anteile verkauft, wobei der Preis für einen Anteil bei 887 Euro liegt. Der HSV-Vorstand wird dementsprechend über finanzielle Mittel in Höhe von 16,7 Millionen Euro verfügen können. Die Nachfrage übersteigt schon jetzt das zunächst definierte Angebot. Nur: Wer kann sich überhaupt beteiligen?

Vorverkaufsrecht für Mitglieder und Dauerkarteninhaber

Der HSV räumt seinen Mitgliedern zunächst ein für zehn Tage gültiges Vorverkaufsrecht ein. „Wichtig ist uns ein exklusiver Zugang“, sagt Köncke. Sollten danach noch Anteile verfügbar sein, wären Dauerkarteninhaber an der Reihe – und hätten an weiteren zehn Tagen die Chance, Aktien zu erwerben. Erst ab Tag 21 nach dem Start des Verkaufs würde sich der Zeichnungsprozess für jeden und jede öffnen. Der Hintergrund dieses Ablaufs ist zweigeteilt. Einerseits will der HSV dem Wunsch seiner Mitgliedschaft nach mehr Partizipation gerecht werden. Andererseits sollen auch die Dauerkarteninhaber, die kein e.V.-Mitglied sind, selbst von den geplanten Verbesserungen im und am Stadion profitieren.

Der AG-Vorstand, den Eric Huwer seit dem Aus von Stefan Kuntz alleine besetzt, will die Investitionsziele vor dem Beginn des Aktienverkaufs transparent benennen, damit die Fans wissen, wohin das Geld fließt. Die interne Maßgabe des HSV ist klar: Das Geld wird in Infrastrukturmaßnahmen gesteckt – neue Millionen-Verpflichtungen von Spielern sind nicht der Sinn und Zweck der Genossenschaft. Und anders als bei früheren Fan-Anleihen geht es beim Supporters Trust nicht ums finanzielle Überleben des HSV, sondern um nachhaltige Projekte. Der Verein wirbt nicht mit Renditen, sondern mit Mitbestimmung.  „Es geht nicht um individuelle Vorteile, sondern um den gemeinsamen Fortschritt“, erklärt Köncke. Das Modell soll identitätsstiftend sein, der HSV setzt es freiwillig um und nicht, weil er es aus wirtschaftlichen Gründen muss. Finanzboss Huwer hatte im Vorjahr Schuldenfreiheit verkündet und Köncke unterstreicht: „Wir handeln aus einer Position der Stärke.“

Gründungsmitglieder aus HSV-Gremien und der Fanszene

Der HSV e.V. wird Gründungsmitglied der Genossenschaft, die wiederum in die Gesellschafter-Ebene der AG & Co. KGaA rutscht. Der Supporters Trust besteht satzungsgemäß aus einem dreiköpfigen Vorstand (ein Mitglied aus dem Aufsichtsrat der Management AG, ein Mitglied aus dem e.V.-Präsidium sowie ein Mitglied aus der Abteilungsleitung des Supporters Club) sowie einem dreiköpfigen Aufsichtsrat. Ein Kontrolleur wird vom e.V. gestellt, die anderen beiden werden auf der Gründungsversammlung von den Mitgliedern gewählt. Als Favoriten gelten hier Hans-Walter Peters, der als Finanzexperte im Rat der Management AG sitzt, sowie Anne Gnauk, die die Rechtsformänderung beim HSV mit vorangetrieben hatte und seit März 2025 Leiterin des Olympiastützpunktes Hamburg/Schleswig-Holstein ist. Offiziell gewählt wurden Peters und Gnauk noch nicht, das gilt aber als formeller Akt. Es gibt keine Gegenkandidaten.

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Die Gründungsmitglieder der neuen Genossenschaft kommen aus den verschiedensten HSV-Gremien. Es haben aber auch viele andere prominente Vereinsgesichter angekündigt, mindestens einen Anteil zu zeichnen. Dazu zählen Legenden wie Horst Hrubesch, David Jarolim oder Collin Benjamin, zudem Gesellschafter, ehemalige und aktuelle Spieler sowie Trainer. „Dass sich viele aus der Mannschaft und dem Staff einbringen, zeigt, wie viel uns der HSV bedeutet und dass wir uns auch neben dem Platz einbringen wollen“, sagt Chefcoach Merlin Polzin. Auch Teile der Fanszene werden sich beteiligen.  „Die große Bandbreite der Unterstützung ist tatsächlich besonders“, findet Köncke.

Jeder Aktienkäufer erhält unabhängig von der Anzahl der erworbenen Anteile exakt eine Stimme in der Generalversammlung der Genossenschaft. Für externe Investoren, die bei den Ultras unerwünscht sind, ist das unattraktiv. Zudem setzt der HSV auf bewährte Sicherheitsmechanismen, um zu verhindern, dass Scheichs aus der Wüste Anteile zeichnen. Bevor man Mitglied werden kann, muss man ohnehin einen Prüfungsprozess durchlaufen.

100 Millionen Euro? Warum das zu hoch gegriffen ist

Unter den Druck von Investoren können die HSV-Entscheider beim Supporters Trust nicht geraten. Der Vorstand hat die vollständige Handlungsfreiheit über das Geld. Laut Satzung wäre es aktuell möglich, mit dem neuen Genossenschaftsmodell sogar bis zu 100 Millionen Euro durch Anteilsverkäufe zu generieren. Es ist eine Summe, die schon rund um den Rechtsformwechsel immer mal wieder genannt worden war und auch zuletzt diskutiert wurde.

Fast immer ist das Volksparkstadion bei Heimspielen des HSV bis auf den letzten Platz voll besetzt. WITTERS
Ausverkauftes Volksparkstadion bei einem Heimspiel des HSV
Fast immer ist das Volksparkstadion bei Heimspielen des HSV bis auf den letzten Platz voll besetzt.

Grundsätzlich kann der Supporters Trust so viele Mittel investieren, wie er auch einnimmt. Auch Unternehmen sollen sich künftig (für 18.870 Euro pro Anteil) beteiligen können. Der HSV deckelt die Anzahl der Aktien, die zunächst veräußert werden sollen, aber bewusst, um die bereits definierten Projekte anzugehen. Es bleibt somit vorerst bei 18.870 Anteilen und 16,7 Millionen Euro. Kapitalerhöhungen darüber hinaus behalten sich die Verantwortlichen für die Zukunft vor.

Stadion-Kapazität steigt in neuer Saison auf 58.000 Plätze

Welche Aktienpakete perspektivisch noch verkauft werden und wann genau, ist noch unklar – bis zu drei Tranchen à 623.599 Aktien sind in der Theorie möglich. Fest steht aber, dass der HSV die frische Kohle schnell nutzen will: Schon in der Sommerpause sollen im Stadion spürbare Veränderungen eingeleitet werden. Und das Geld soll auch verwendet werden, um die geplante Erhöhung der Zuschauerkapazität voranzutreiben.

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Auch das ist ein Wunsch der Fans, und Köncke kündigt an: „Im Laufe der kommenden Saison soll eine Kapazität von mehr als 58.000 Fans im Volksparkstadion erreicht werden. Damit machen wir einen ersten wichtigen Schritt bei der Erweiterung. Perspektivisch könnten es mehr als 60.000 Plätze werden.“ Darauf freut sich auch Polzin. Der Profitrainer bezeichnet den Supporters Trust als „eine weitere Möglichkeit, den HSV über die Ränge hinaus zu unterstützen und an einer erfolgreichen Zukunft mitzuwirken“.

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