HSV-Star Glatzel offen wie nie: „Will ein paar Dinge loswerden“
Bei 16 Pflichtspielen kam Robert Glatzel für den HSV in dieser Saison bislang zum Einsatz. Mit dem Stürmer auf dem Rasen holten die Hamburger im Schnitt 1,5 Punkte pro Partie. Bei den 13 Auftritten ohne Glatzel waren es zum Vergleich durchschnittlich 0,92 Zähler. Gesetzt wurde auf den Angreifer zuletzt trotzdem gar nicht mehr. Das können viele Fans und auch der 32-Jährige selbst nicht verstehen. Die MOPO hat Glatzel zum exklusiven und sehr offenen Gespräch getroffen. Es wird deutlich: Der Fan-Liebling ist angefressen.
MOPO: In den vergangenen vier Spielen gab es kein Stürmer-Tor beim HSV. Sie saßen bei allen Partien jeweils 90 Minuten draußen. Wie frustrierend ist es, zuzusehen und nicht helfen zu dürfen?
Robert Glatzel: Das ist maximal frustrierend. Auch mit dem Hintergrund, dass ich zuvor zweimal in der Startelf stand und es sich dann wieder komplett gedreht hat. So eine Situation hatte ich bislang noch nicht. Wenn man bis zum Heidenheim-Spiel zurückgeht, sind es jetzt sogar fünf von sieben Spielen, in denen ich komplett auf der Bank saß, obwohl ich zu 100 Prozent wieder fit bin.
Hatten Sie damit gerechnet, dass Sie nach der erneuten Poulsen-Verletzung jetzt wieder mehr in den Vordergrund rücken?
Wenn ich mir die Spiele davor angucke, dann ehrlicherweise nicht. Ich habe nicht gedacht, dass sich die Situation für mich dadurch jetzt großartig verbessert. Das Köln-Spiel hat das bestätigt.
Glatzel hat kein Verständnis für Reservistenrolle
Trainer Merlin Polzin betont in der Öffentlichkeit immer wieder, dass alle Stürmer wichtig seien und auch gebraucht werden. Hat er Ihnen erklärt, warum Sie aktuell überhaupt keine Rolle mehr spielen?
Natürlich haben wir auch schon mal darüber geredet. Und er hat auch seine Begründung, die er mir klar gesagt hat. Dass ich jetzt gar nicht mehr gespielt habe, ist für mich allerdings nicht verständlich. Ich bin zuletzt proaktiv nach dem Leverkusen-Spiel auf den Trainer zugegangen und habe um eine Erklärung gebeten. Er hat mir seine Gründe genannt. Darüber möchte ich in der Öffentlichkeit gar nicht sprechen. Das sind interne Themen. Warum ich dann auch die nächsten beiden Spiele nur auf der Bank saß, kann ich nicht verstehen.
Können Sie die Erklärung nachvollziehen, dass Sie als klassischer Strafraumstürmer nicht in das aktuelle Spielsystem des HSV passen?
Nein, komplett nachvollziehen kann ich das nicht. Natürlich hat jeder Trainer eine Spielidee. Und es hat ja auch oft schon ohne mich gut geklappt. Ich kann grundsätzlich gut einschätzen, dass es auch Spiele gibt, in denen andere Tugenden gefragt sind. Auf der anderen Seite konnte ich bei den drei Spielen, in denen ich in der Startelf war, auch klar zeigen, dass ich der Mannschaft mit meinem Spielerprofil helfen kann. Ich glaube, so ein Spielerprofil tut jeder Mannschaft gut. Ob 90 Minuten, 70 Minuten oder auch mal von der Bank, ist nicht entscheidend. Klar ist, dass ich der Mannschaft helfen kann und das auch schon bewiesen habe – auch in dieser Saison trotz der wenigen Möglichkeiten. Ich sitze nicht draußen, weil ich schlecht gespielt habe.
HSV laut Statistik mit Glatzel besser als ohne
Bei Ihren drei Startelf-Spielen gab es zwei Siege und ein Remis. Sie haben ein Tor erzielt und einen weiteren Treffer vorbereitet. Auch mit Ihnen als Joker auf dem Platz hat der HSV mehr Punkte geholt als ohne Sie. Fühlen Sie sich ungerecht behandelt?
Das ist schwer zu sagen. Jeder empfindet anders, was gerecht und was ungerecht ist. Das steht mir nicht zu, das so zu beurteilen. Natürlich habe ich viele Fragezeichen. Ich will kein Feuer legen oder mich über die Mannschaft stellen. Das bin ich nicht. Ich will einfach nur mal ein paar Dinge loswerden und mich positionieren.
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Können Sie sich selbst irgendwelche Vorwürfe machen?
Nein. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ein absoluter Vollprofi und Vollblutfußballer bin. Ich würde niemals etwas abschenken, ob es ein Spiel ist oder ein Training. Dafür liebe ich den Fußball und auch den Verein zu sehr. Es gab sicherlich auch mal eine Phase, in der man etwas schlechter drauf war als sonst. Ich denke, das ist nur menschlich. Ich lasse mich aber auf jeden Fall nicht hängen und bin topfit.
Familie, Freunde und Fans wichtig für den HSV-Stürmer
Wer hilft Ihnen, dass Sie in diesen Phasen den Kopf immer wieder nach oben richten?
Familie und Freunde helfen mir. Wir tauschen uns viel über alles aus. Die Fans spielen auch eine wichtige Rolle. Es ist immer wieder erstaunlich, wie die Unterstützung der Fans nach wie vor da ist. Das spüre ich überall. Es bewegt mich sehr, dass in einer nicht so leichten Situation die Unterstützung so krass da ist. Das zeigt, was es für besondere Fans beim HSV gibt. Sie sind nicht nur in den guten Zeiten da, sondern auch, wenn man nicht so im Mittelpunkt steht.
Es gab im Winter für Sie einige Möglichkeiten, den HSV zu verlassen. Sie haben sich dagegen entschieden, weil Sie nicht alles, was Sie sich in den vergangenen Jahren hier aufgebaut haben, einfach wieder weggeben wollten. Haben Sie noch die Hoffnung auf ein Happy End beim HSV?
Ein Happy End ist für mich mit großem Abstand, dass wir die Liga halten. Das ist das Wichtigste, und das möchte ich auch noch mal ganz klar betonen. Zu meiner persönlichen Situation kann ich nur sagen, dass ich nichts abschenken und weiter Gas geben werde. Ich werde jede Minute, wenn ich auf dem Platz bin, alles versuchen, um der Mannschaft zu helfen. Ich muss aber auch ehrlich sagen, dass die letzten Wochen nicht für große Zuversicht gesorgt haben, dass sich deutlich etwas an meiner Situation ändern wird. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich für mich noch mal alles wieder um 180 Grad drehen wird.
Glatzels großer Wunsch: Der HSV hält die Klasse
Hinter vorgehaltener Hand wird auch gern mal behauptet, dass Sie im Winter nur nicht gewechselt sind, weil Sie beim HSV einen so guten Vertrag haben …
Das stimmt nicht. Es gab für mich in der Vergangenheit genug Möglichkeiten, woanders mehr Geld zu verdienen. Das war auch jetzt im Winter der Fall. Das Geld stand nie im Vordergrund für mich. Es ging immer nur um das Gesamtpaket HSV. Ich habe mich mit der Familie und den Fans hier immer sehr wohlgefühlt. Das ist mehr wert als Geld. Daran hat es nicht gelegen.
Was wünschen Sie sich für die verbleibenden acht Bundesliga-Spiele?
Dass wir die Klasse halten. Das kann ich nur immer wiederholen. Es geht um den Verein, darum, dass er die Ziele erreicht. Für mich persönlich wünsche ich mir, dass ich maximal dazu beitragen und auf dem Platz mithelfen kann.
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Was muss passieren, damit Sie auch nächste Saison noch beim HSV spielen?
Ich habe noch ein Jahr Vertrag. Klar ist aber auch, dass ich so eine Situation, wie ich sie in den letzten neun Monaten hatte, auf keinen Fall noch mal erleben will. Das steht für mich fest.