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HSV-Sportvorstand: Kein Witz! Jonas Boldt stand gegen Sandhausen schon im Tor

Jonas Boldt

Seit diesen Sommer ist Jonas Boldt Sportvorstand des HSV. Aufgewachsen aber ist er einen Steinwurf von Sandhausen entfernt.

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imago images/Sportfoto Rudel

Niemand wird ihm den Weg erklären müssen, Jonas Boldt könnte ihn mit verbundenen Augen fahren. Für den HSV mag die Reise nach Sandhausen noch immer ein kleiner Ausflug ins Ungewisse sein, das hat sich auch beim zweiten Mal nicht geändert. Sein Sportvorstand aber wird sich am Sonntag fast wie zu Hause fühlen. Weil er fast zu Hause ist.

Weit ist’s nicht. Ein paar Kilometer auf der L600 Richtung Gaiberg, dann nochmal  rechts halten und schon ist man da. Bammental, eine rund 6500 Einwohner große Gemeinde in Baden-Württemberg, keine 14 Kilometer von Sandhausen entfernt. Hier wuchs Boldt unter anderem auf, hier entstanden die ersten Träume vom Profifußball. Nun kehrt er zurück in die Nachbarschaft und will mit dem HSV den nächsten kleinen Schritt in Richtung Bundesliga-Aufstieg setzen.

Bouhaddouz und Paqarada

Zwei von sechs Sandhäusern, die Boldt in Leverkusen formte: Aziz Bouhaddouz (l.) und Leart Paqarada.

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imago images/Zink

Boldt trainierte in Bammental unter Bayern-Coach Hansi Flick

Boldt und Sandhausen. Eine Beziehung, die schon zu Kinderzeiten begann, wenn auch als Gegner. Immer wieder traf Boldt, damals Torwart, mit Victoria Bammental auf den SVS. „Sie waren damals schon einer der führenden Vereine in der Region“, erinnert sich der HSV-Sportvorstand. „Ich hingegen war sehr froh, in Bammental spielen zu können. Und ich habe sportlich eine positive Bilanz gegen Sandhausen.“ Unter dem jetzigen Bayern-Trainer Hansi Flick, der von 1994 bis 2000 in Bammental (damals Viertligist) das Sagen hatte, durfte Boldt sogar bei den Herren mittrainieren.

Der Kontakt nach Sandhausen blieb. „Ich habe den SVS natürlich immer im Blick gehabt, auch ab und zu die Spiele besucht“, so Boldt. Doch es gab ja große Konkurrenz in der Region: „Unterm Strich bin ich aufgrund des Freundeskreises aber öfter zu Waldhof Mannheim gefahren. Und ich hatte sehr früh eine Affinität zu Bayer Leverkusen. Da sind wir dann mit mehreren Leuten hingereist.“

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In Leverkusen bildete Boldt sechs Spieler für Sandhausen aus

Bayer, Sandhausen und Boldt, eine Dreiecksbeziehung, die etwas später noch gewaltig Früchte tragen sollte – und das bis heute. Als die Leverkusener mit Manager Boldt im Sommer 2014 ihre U23 abschafften, bedienten sich die Sandhäuser gern und oft im Bayer-Stall, schnappten sich Talente, die in Leverkusen nicht zum Zug gekommen wären. „Sandhausen hat sich schon immer etwas getraut“, erinnert sich Boldt. „Sie waren einer der Klubs, die es unseren Talenten zugetraut haben, in der Zweiten Liga Fuß zu fassen. Insgesamt habe ich mit sechs Spielern des aktuellen Sandhäuser Kaders in Leverkusen zusammengearbeitet.“ Er zählt sie auf, aus dem Stegreif: „Aziz Bouhaddouz, Gerrit Nauber, Leart Paqarada, Erik Zenga, Marlon Frey und Julius Biada. Es ist schon kurios, dass nun so viele dieser Jungs bei unserem Gegner spielen. Der Draht nach Sandhausen war vor allem unter Otmar Schork (Ex-Geschäftsführer in Sandhausen, die Red.) für mich immer eng.“ Boldt zieht den Hut „vor dem, was dort aus den vorhandenen Mitteln gemacht wurde, das verdient größten Respekt“.

„Ich musste jetzt auch ein paar Karten für das Spiel besorgen“

Kein normales Auswärtsspiel also für Boldt. „Der Bezug zur Heimat ist immer noch da“, sagt der 37-Jährige. „Ein paar Mal im Jahr bin ich dort. Ich habe noch immer vier, fünf richtig gute Jugendfreunde in der Gegend. Ich musste jetzt auch ein paar Karten für das Spiel besorgen.“

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Er freut sich darauf. Sehr sogar. Und vielleicht fällt Boldt dann sprachlich auch wieder ins Badische, wie früher. Das ging verloren im Laufe der Zeit, „aber ich kann es noch“, versichert er und schmunzelt. „Man muss sich ja immer anpassen. Bald werde ich wahrscheinlich wie ein Norddeutscher sprechen, ich lerne es gerade.“ Erstmal aber geht’s nach Hause, zu den Wurzeln. Fast. Einmal die L600 entlang.