HSV-Profi Miro Muheim wird bei der Partie in Mainz gefoult.

Ein Punkt, der zwischendurch auch weh tat: HSV-Profi Miro Muheim (Mitte) beklagte sich über das harte Einsteigen der Mainzer. Foto: IMAGO/Steinsiek.ch

HSV schimpft nach Remis in Mainz über „Treter-Truppe“ und hadert mit dem Schiri

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Merlin Polzin brauchte nur wenige Worte, um nach dem Auftritt in Mainz zusammenfassen, was viele dachten. „Was für ein Abend“, stellte der HSV-Trainer fest und meinte damit nicht nur das vorangegangene 1:1 (0:1). Denn erst standen die Profis vor der Partie im Stau, dann erkämpften sie sich in der überaus hektischen Partie den verdienten Punkt. Vor allem aber zürnten sie im Nachhinein über Schiedsrichter Robin Braun – weil die Hamburger gleich zwei Platzverweise für die Mainzer forderten und sich stark benachteiligt fühlten.

Nach dem Spiel im Kabinengang schien alles wieder gut zu sein, so sehr sie sich zuvor auch beharkt hatten. Lächelnd klatschten HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer und der Mainzer Dominik Kohr miteinander ab, vergessen waren die knallharten Zweikämpfe zuvor, die des Öfteren die Grenze des Erlaubten touchierten. Königsdörffers Kollegen war allerdings weniger zum Lachen zu Mute. Sie schimpften, was das Zeug hielt.

Der HSV ist nun seit sechs Spielen in Folge ungeschlagen

1:1 in Mainz, sechs Spiele in Folge nun schon ohne Niederlage. Und doch überwogen die kritischen Töne. Weil Referee Braun die Mainzer Silas und Kohr vor 33.305 Fans im ausverkauften Haus nicht vorzeitig unter die Dusche schickte, obwohl es dazu genügend Anlass gab. „Ich habe schon lange nicht mehr gegen so eine Treter-Truppe gespielt“, monierte HSV-Verteidiger Miro Muheim. „Dass die Schiedsrichter da nicht eingreifen, finde ich Wahnsinn, das ist für mich unverständlich.“


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Was war passiert? Zwei Szenen erregten die Gemüter. Der Mainzer Silas, schon früh mit der gelben Karte bedacht, rauschte nach 39 Minuten in HSV-Verteidiger Nicolás Capaldo, kam mit einer Ermahnung davon. Der ebenfalls schon verwarnte Kohr foulte Muheim kurz nach dem Wechsel mit gestrecktem Bein (53.). Auch hier ließ Braun Gnade vor Recht walten.

Die HSV-Profis forderten zwei Platzverweise für Mainz

„Die Szenen, wie ich sie gesehen habe, sind klare Gelb-Rote Karten“, stellte auch Polzin fest. Ein Indiz: Mainz‘ Trainer Urs Fischer nahm erst in der Pause Silas und später Kohr nach seinem Einsteigen gegen Muheim vom Feld, um Schlimmeres zu verhindern. „Ich sage es mal so: Die Auswechslungen kamen zum richtigen Zeitpunkt“, stellte der Schweizer an seinem 60. Geburtstag schmunzelnd fest.

Ein Abend, den alle Beteiligten nicht so schnell vergessen werden, weil er schon eigenartig begann. Der HSV-Bus hatte vor der Partie eine falsche Abzweigung genommen, stand im Stau und erreichte das Stadion eine halbe Stunde später als geplant. Die Mainzer aber stimmten einem um zehn Minuten verspäteten Anpfiff zu.

Der HSV startete gut in die Partie – doch Mainz traf

Der HSV trumpfte dann zunächst auf, kam durch Vieira (4.), Omari (21.) und Glatzel (26.) zu guten Chancen. Und doch lag er zur Pause zurück, weil die Mainzer einmal kollektiv schneller schalteten: Silas‘ Flanke schoss Amiri links ein – das 0:1 (42.).

Dass der HSV auch ohne Mainzer Feldverweise einen Punkt entführte, konnte er seiner Moral zuschreiben – und einer nicht zu geringen Portion Glück. Vieiras eigentlich schlecht und mitten in die Mauer platzierter 23-Meter-Freistoß wurde von Mwene so unglücklich ins rechte Eck abgefälscht, dass 05-Keeper Batz chancenlos blieb (64.).

Becker vergab die letzte Chance für Mainz

Bei diesem 1:1 blieb es – vor allem, weil der eingewechselte Becker kurz vorm Ende das HSV-Tor haarscharf verfehlte (89.). Der große und zugleich bittere Schlussakkord des so aufregenden HSV-Abends blieb aus Hamburger Sicht glücklicherweise aus.

„Es war viel Emotionalität auf beiden Seiten im Spiel“, fasste Polzin zusammen. „Es ging viel um Zweikämpfe und Härte, es war der erwartet schwere Kampf. Aber es ging für uns darum, dieses Spiel anzunehmen und bei aller Emotionalität nicht unseren Plan zu verlassen.“

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Ein Punkt in Mainz, der dem HSV auch zeigte, dass es im Fall der Fälle auch ohne Luka Vuskovic ging, der von Jordan Torunarigha gut vertreten wurde. Der gelbgesperrte Abwehrchef zitterte auf der Tribüne mit und freute sich in der Kabine mit seinen Kollegen. Denn am Ende überwog bei allem Ärger über Schiri Braun dann doch „die pure Freude“, wie Polzin klarstellte. „Wir dürfen immer nicht vergessen, wo wir herkommen und welchen Weg wir gegangen sind.“

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