HSV-Profi Remberg glänzt im „Sportstudio“ – und antwortet auf die Frage nach Europa
Er hatte angekündigt, Großes vollbringen zu wollen. Ein paar Mal werde er treffen, stellte Nicolai Remberg trocken fest, kurz bevor es zum Torwandschießen im ZDF-„Sportstudio“ kam. Auf den Mann ist Verlass. Gleich vier seiner sechs Versuche versenkte der HSV-Profi und rundete damit seinen gelungenen Auftritt ab, in dessen Rahmen er keine Antwort scheute – auch nicht, als er plötzlich mit möglichen Europacup-Ambitionen konfrontiert wurde.
Als der 24-Jährige nach der Abendveranstaltung, die bis weit nach Mitternacht dauerte, ins Bett fiel, lag ein langer Arbeitstag hinter ihm. Und einer, der ihn mit Stolz erfüllt haben dürfte. Erst das 3:2 mit dem HSV gegen Union Berlin und der Sprung auf Rag neun der Tabelle, später dann der Auftritt vor einem Millionenpublikum im ZDF. Dabei vertrat Remberg Trainer Merlin Polzin, der eigentlich geladen war, aufgrund seiner Erkältung, die ihn im Laufe der Woche plagte, aber vorsichtshalber absagte.
HSV-Profi Remberg sprach über seine Vorliebe für Grätschen
Remberg erwies sich als guter Ersatz und genoss die Fragerunde mit Moderator Sven Voss. Vor allem bezüglich seiner Vorliebe für spektakuläre Grätschen nahm er kein Blatt vor den Mund. „Du brauchst perfektes Timing“, stellte Remberg klar, ist sich aber sicher: „Das sieht schon fies aus, wenn ich mit beiden Beinen da reinfliege. Aber ich versuche wirklich immer den Ball zu treffen. Deswegen habe ich noch nie eine Rote Karte bekommen und ich glaube, das zeichnet mich auch aus.“ Und weiter: „Ich würde nie weniger machen, ich würde immer genauso reingehen. Das pusht auch die Fans, gerade bei Heimspielen. Das merke ich ja sofort, wenn ich einen an der Seite fair weggrätsche, springen alle auf und das gibt mir auch einen kleinen Push. Dadurch fühle ich mich noch sicherer und selbstbewusster und gehe dann genauso in die nächsten Zweikämpfe.“

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Remberg lüftete im „Sportstudio“ auch mehrere kleine Geheimnisse. So verriet er etwa, wer sein liebster Trash-Talk-Partner ist: „Ich muss mir viel anhören, weil ich halt auch so bin. Aber ich stecke auch nicht zurück und sage dann genau solche Sachen zurück und vielleicht auch ein bisschen drüber. Adeyemi, der ist da auch immer gut dabei, wir haben da immer so einen kleinen Disput. Aber danach war immer alles cool.“ Zum nächsten Treffen mit dem BVB-Star kommt es am 21. März.
Warum lief Remberg beim HSV-Sieg gegen Union mit einem grünen Zettel auf den Platz?
Warum aber lief Remberg in der Endphase der Partie gegen Union mit einem kleinen grünen Zettel zu fast jedem seiner Mitspieler auf dem Feld? Der Grund: Polzin hatte ihn am Seitenrand mit Anweisungen für die letzten Spielminuten und dem ominösen Spickzettel versorgt. „Darauf stand die Aufstellung, wie wir am Ende spielen wollen“, so Remberg. „Wir haben da ein bisschen umgestellt. Das musste ich den Jungs dann allen zeigen.“ Und lächelnd: „Ich glaube, ich bin zu jedem Einzelnen gerannt, das war auch ein bisschen übertrieben. Aber so kann der Trainer in der Analyse am nächsten Tag nicht sagen: Rambo, du hast es nicht jedem gezeigt …“

Flachsen lassen musste sich Remberg dennoch von Polzin. Der Grund: Seit wenigen Wochen spielt der eher als rustikal bekannte Mittelfeldmann mit weißen Schuhen, die in der Fußball-Branche eher den Künstlern vorbehalten sind. Sein Trainer vermutet hinter der Schuhwahl die die nicht ganz ernst gemeinte Absicht, Remberg wolle ab sofort auch fußballerisch das eine oder andere Highlight setzen. Der Ex-Kieler machte den Spaß mit und stellte mit breiter Brust fest: „Damit bekommt man immer noch so ein bisschen mehr Technik. Im Training diese Woche hat es sogar geklappt, da habe ich mit Fábio (Vieira, die Red.) echt ein bisschen gezaubert.“ Remberg wusste allerdings auch, was es mit Polzins Anspielung tatsächlich auf sich hatte: „Im Spiel ist mir ein Ball versprungen. Ich glaube, das meinte der Trainer gerade. Das darf ich mir morgen noch mal anhören.“
Remberg besuchte niemals ein NLZ
Während des Auftritts wurde einmal mehr deutlich: Remberg, der nie ein Nachwuchsleistungszentrum besucht hat, sondern über Preußen Münster und Kiel den Sprung zum HSV schaffte, ist erfrischend geradlinig unterwegs und antwortet nicht so floskelhaft, wie es andere Profis zu tun pflegen. Doch bei der vielleicht brisantesten Frage des Abends hielt auch er den Ball flach. Nur noch sechs Zähler liegt der starke Aufsteiger HSV aktuell hinter Rang sieben, der mit hoher Wahrscheinlichkeit den Sprung ins internationale Geschäft bedeuten würde. Dazu kommt: Mit der Partie gegen Leverkusen (4. März) haben die Hamburger sogar noch ein Nachholspiel in der Hinterhand. Ob da nicht vielleicht sogar leichte Träume vom Europacup erlaubt sind, wollte Voss wissen.
Remberg wusste, was er zu tun hatte. „Wir müssen von Spiel zu Spiel gucken“, ließ er wissen. „Wir müssen einfach genauso weitermachen. Es ist cool, dass wir in so einem Flow sind, aber wir haben noch nicht viel erreicht. Deswegen: Mit irgendwelchen Europapokalen beschäftigen wir uns überhaupt nicht. Aber es ist natürlich schön, dass es gerade so läuft, weil wir uns das echt hart erarbeiten.“
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Ein runder Auftritt und eine feine Woche für Remberg und den HSV. Geht es nach dem Mittelfeldmann, soll es so weitergehen – und das fast an gleicher Stelle: Am Freitag (20.30 Uhr, Liveticker auf mopo.de) gastiert Remberg erneut in Mainz, keine vier Kilometer vom ZDF-Sendezentrum entfernt. Dann könnte der Vorsprung auf die Abstiegsplätze weiter anwachsen. Oder der auf die Europacup-Plätze erneut schmelzen, alles eine Frage der Perspektive.
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