HSV-Profi Königsdörffer: Warum ich unter Baumgart aufblühe und zu Walter nicht passte

Ransford Königsdörffer kontrolliert den Ball
Fokussiert und hungrig auf Tore: HSV-Stürmer Ransford Königsdörffer traf in der neuen Zweitliga-Saison schon viermal.

Ransford Königsdörffer kann wieder strahlen. Und er tut es selbst während des Interview-Termins mit der MOPO immer wieder – obwohl er auch über harte Zeiten spricht, über Rückschläge, von denen er vor seinem Vier-Tore-Traumstart in die Saison einige wegzustecken hatte. Der 23-Jährige sagt offen, wieso es zwischen ihm und Tim Walter nicht mehr passte und was er an Steffen Baumgart schätzt. Außerdem spricht der Stürmer über eine neue Stärke, Kritik an seiner Körperhaltung, über seinen Mentaltrainer, Davie Selke – und Kumpel Mario Vuskovic.

MOPO: Herr Königsdörffer, Stefan Kuntz deutete es kürzlich im Fernsehen an: Bekommen Sie wirklich jeden Morgen eine Umarmung von Trainer Steffen Baumgart?

Ransford Königsdörffer: Nein (lacht). Er unterstützt mich und wir verstehen uns sehr gut, jeden Morgen umarmt der Trainer mich aber nicht. Da reicht ein Handschlag.

Steffen Baumgart gilt als Menschenfänger, der Spieler besser macht – aber auch als Trainer der klaren Worte. Was brauchen Sie eher: Liebe und Zuneigung – oder die Wahrheit über Ihre Stärken und auch die Schwächen direkt ins Gesicht?

Beides. Man kann ehrlich sein und loben, aber auch ehrlich sein und die Schwächen von Spielern aufzeigen. Die Wahrheit tut mir immer gut. Der Trainer hat da eine gute Mischung und ist ein super Mensch.

Königsdörffer fühlt sich unter HSV-Coach Baumgart wohl

Es ist kein Geheimnis, dass Sie in der Vorsaison lange nicht gesetzt und daher unzufrieden waren. Wie ehrlich war der Trainer, als Sie im Februar die ersten Gespräche mit ihm führten?

Er hat mir gesagt, was ich verbessern muss, um unter ihm zu spielen – etwa, dass mein erster Kontakt besser sein muss oder dass ich auch mal eigensinnig denken soll. Und Steffen hat gesagt, dass ich viel Potenzial habe, es aber noch nicht konstant abrufe. Das mache ich jetzt etwas besser (lächelt).

Steffen Baumgart gibt Ransford Königsdörffer die Hand
Coach Steffen Baumgart kommt derzeit nicht an Königsdörffer vorbei.

Absolut. Sie standen in 16 von 18 Spielen unter ihm in der Startelf, haben immer gespielt. Haben Sie in Ihrer Karriere jemals derart viel Trainer-Vertrauen gespürt?

Unter Alexander Schmidt bei Dynamo Dresden war es ähnlich. Jetzt schenkt Steffen mir sehr viel Vertrauen – und ich versuche es zurückzuzahlen, was mir aktuell sehr gut gelingt. Ich würde sogar sagen: Im Moment habe ich es verdient, zu spielen.

Tim Walter gilt ebenfalls als sehr zugewandter und ehrlicher Trainer. Warum schaffte er es in der Hinrunde der Vorsaison nicht mehr, das Potenzial aus Ihnen herauszukitzeln? Ihre Debüt-Saison unter ihm 2022/23 war ja noch beachtlich mit acht Toren.

Tim und ich haben viel miteinander gesprochen, wir hatten nur manchmal unsere Differenzen. Er hat sich für andere Spieler auf dem Platz entschieden – auch, weil ich die Leistungen, die ich zeigen kann, zu selten gezeigt habe. Ich war mit mir selbst unzufrieden und Tim mit mir dann sicherlich auch.

Königsdörffer wollte den HSV unter Tim Walter verlassen

Wären Sie ohne Steffen Baumgart jetzt noch beim HSV?

Es ist bekannt, dass ich im Winter wechseln wollte. Ich weiß aber nicht, wie es sich unter Tim weiterentwickelt hätte. Das ist spekulativ.

Vorm Regensburg-Spiel sagte der Trainer, dass er ein „Problem“ hätte: Sie. Denn weil Sie performen, ist im Sturm kein Platz für Robert Glatzel und Davie Selke zugleich. Sind Sie gerne das Problem?

Mit Sicherheit (lacht). Es könnte schlechter laufen für mich. Ich weiß aber, dass unser Kader breit und der Konkurrenzkampf sehr groß ist. Jeder kann spielen, aktuell tue ich es sehr oft. Und ich bleibe gerne das „Pro­blem“ des Trainers (lacht).

Sind Sie derzeit so glücklich wie nie zuvor beim HSV?

Als ich zum HSV kam, war ich natürlich schon super happy. Aber wegen meiner Leistungen und meiner Spielzeit bin ich aktuell ebenfalls ein sehr glücklicher HSV-Spieler.

Beim HSV waren Sie lange Flügelspieler, jetzt sind Sie meist eher eine hängende Spitze hinter oder neben einem Zielspieler wie Glatzel. Ist das Ihre ideale Position?

Ja, und die ist auch nicht neu für mich. In Dresden habe ich das mit Christoph Daferner so ähnlich gespielt. Es ist auf jeden Fall eine meiner Lieblingspositionen.

HSV-Profi Königsdörffer arbeitet viel an sich selbst

Sie wirken auf dem Platz sehr zielstrebig, daneben eher ruhiger und zurückhaltender. Wie selbstkritisch sind Sie wirklich?

Sehr. Ich musste selbstkritisch sein, als es vergangene Saison nicht gut lief. Es war schwierig, weil ich unzufrieden mit der Situation war. Aber ich habe die Zeit reflektiert und sie versucht einzuordnen, damit es besser wird. Das hat geklappt. Ich verhalte mich ansonsten aber genauso wie vorher (lacht).

Im August sagten Sie: „Ich werde bald 23 und muss an mir wachsen.“ Meinten Sie damit Sie selbst als Spieler – oder als Mensch?

Beides. Ich will als Mensch und charakterlich wachsen. Als Spieler muss ich mehr Verantwortung übernehmen. Und ich will konstanter werden. Ich war in der Vergangenheit oft inkonstant, habe manchmal gut gespielt, manchmal aber auch sehr schlecht. Aktuell stimmt das Verhältnis und ich zeige Leistung – das soll aber erst der Anfang sein.

Sie haben seit Jahren einen Mentaltrainer. Wobei hilft der Ihnen?

Wir reden darüber, was mich stärken kann – zum Beispiel, wenn ich Fehler auf dem Platz mache. Dann ist nicht direkt alles schlecht. Wenn ich eine Torchance vergebe, soll meine Körperspannung nicht nachlassen. Ich soll nicht negativ sein, sondern denken: Es geht wieder bei null los. Die Situation ist jetzt vergessen.

Sie sind nicht der einzige Profi, der für seine Körpersprache auf dem Platz kritisiert wird, wenn es nicht läuft. Wie gehen Sie damit um?

Ich wurde schon oft dafür kritisiert, dass meine Körperhaltung in gewissen Situationen schlecht ist. Ich weiß, dass ich meine Mitspieler damit runterziehen kann. Das will ich natürlich nicht. Deshalb versuche ich, meine Körpersprache so zu verbessern, dass sie auch von außen besser wahrgenommen wird. Aber grundsätzlich ist natürlich jeder Mensch unterschiedlich und ich bin halt vom Typ her manchmal ein bisschen lässiger und ruhiger (lächelt).

Zuletzt war Königsdörffer nicht ins Nationalteam berufen

Trotz Ihres Top-Starts wurden Sie zum dritten Mal in Folge nicht für Ghanas Nationalmannschaft nominiert. Was war die Begründung von Nationaltrainer Otto Addo?

Meine Kollegen machen es sehr gut, zeigen in höheren Ligen ihre Leistungen. Das war der ausschlaggebende Punkt. Ich wäre gerne dabei gewesen, aber wenn der Trainer so entscheidet, akzeptiere ich das. Er meldet sich immer kurz vor den Länderspielpausen bei mir.

Statt um die Welt zu fliegen, konnten Sie beim HSV trainieren – und gegen Regensburg nach 43 Sekunden treffen, Ihr zweites Kopfballtor der Saison. Eine neue Stärke?

Es scheint so (lacht). Ich kann hoch springen, vielleicht war diese Stärke insgeheim schon immer in mir drin. Aktuell komme ich einfach besser in die Situationen für Kopfbälle.

Waren Sie denn mit Sturmpartner Davie Selke schon am Kopfballpendel?

Nein, immer noch nicht (lacht). Das nutzen aber nur sehr selten Spieler von uns. Wir üben das mit Flanken.

Sie konnten 2022 bis zu seiner Sperre nur wenige Monate mit Mario Vuskovic zusammenspielen. Wieso war es für Sie dennoch klar, ihn nach dem CAS-Urteil mit Teamkollegen in Kroatien zu besuchen?

Mario gehört zu unserer Mannschaft, wir sind Freunde und wir vergessen ihn nicht. Mario war damals der erste Spieler, den ich beim HSV kennengelernt habe. Ich war mit ihm im Trainingslager im Sommer 2022 direkt zusammen auf einem Zimmer. Auch deshalb war für mich schnell klar, dass ich unbedingt mitreisen will.

Und wie oft haben Sie Ihren Kumpel Mario in den letzten zwei Jahren in den Arm genommen?

Seine Geschichte zeigt, dass es Schlimmeres gibt als auf der Bank zu sitzen. Bevor er gesperrt wurde, haben wir uns meistens umarmt, wenn einer von uns getroffen hat. Jetzt umarme ich ihn immer dann, wenn wir uns sehen.

Ransford Königsdörffer kann wieder strahlen. Und er tut es selbst während des Interview-Termins mit der MOPO immer wieder – obwohl er auch über harte Zeiten spricht, über Rückschläge, von denen er vor seinem Vier-Tore-Traumstart in die Saison einige wegzustecken hatte. Der 23-Jährige sagt offen, wieso es zwischen ihm und Tim Walter nicht mehr passte und was er an Steffen Baumgart schätzt. Außerdem spricht der Stürmer über eine neue Stärke, Kritik an seiner Körperhaltung, über seinen Mentaltrainer, Davie Selke – und Kumpel Mario Vuskovic.