HSV plant Gespräch mit Jatta: Warum sogar ein Vereinswechsel Thema werden könnte

Hamburgs Zweitliga-Rekordspieler: Bakery Jatta ist seit fast neun Jahren Profi des HSV, Merlin Polzin (l.) ist seit Ende November sein Chef-Trainer.
Hamburgs Zweitliga-Rekordspieler: Bakery Jatta ist seit fast neun Jahren Profi des HSV, Merlin Polzin (l.) ist seit Ende November sein Chef-Trainer.

Als der HSV Anfang 2016 zum vorerst letzten Mal sein Winter-Quartier in Belek aufschlug, fing für Bakery Jatta alles an. Unmittelbar vor der Abreise in die Türkei hatte der damals 17 Jahre alte Gambier ein zweitägiges Probetraining im Volkspark absolviert und derart überzeugt, dass der HSV ihn nicht mehr gehen ließ. Neun Jahre später ist Jatta mit 179 Einsätzen Hamburgs Zweitliga-Rekordspieler und gab zuletzt dennoch Rätsel auf. Auch deshalb will sich Sportvorstand Stefan Kuntz nun in der Türkei mit Jatta zusammensetzen, um nach Lösungen zu forschen – und das ohne Tabus: Sogar die Frage eines Vereinswechsels könnte Thema werden.

Vielleicht hilft auch der zurückliegende Heimaturlaub, um Jattas Turbo wieder zu zünden. Einige Tage lang entspannte der Flügelflitzer in Gunjur, gemeinsam mit seiner Ehefrau Isatou, die bislang weiterhin in Afrika lebt. Im Dezember heirateten die beiden, allerdings ohne das Beisein des Fußballers, der aus beruflichen Gründen verhindert war. Nun kam zusammen, was zusammengehört. Beim HSV hoffen sie, dass Jatta auch durch das private Glück wieder zurück in die Spur findet. Anders als in der Hinrunde.

HSV-Profi Jatta leidet vermehrt unter Formschwankungen

Daran, dass Jatta unter Formschwankungen leidet und seine Aktionen nicht selten binnen Sekunden zwischen Welt- und Kreisklasse hin und her flippern, ist man beim HSV gewohnt. Unterm Strich aber blieb zumeist ein positiver Ertrag. Nicht so in den zurückliegenden Saison-Monaten. Die Bilanz: Sieben Einsätze, kein Tor, nur eine Vorlage. Woran aber liegt es?

Kuntz will genau dieser Frage auf die Spur gehen. Nach MOPO-Informationen steht ein Gespräch mit Jatta weit oben auf der Agenda des Sportvorstands, der seinen Profis im Laufe des Samstags nach Belek nachreiste. Im Teamquartier „Kempinski Hotel The Dome“ soll der intensive Austausch stattfinden. Die wichtigsten Fragen: Wie beurteilt Jatta seine eigene Situation? Und wie kann er aus dem Tief herausfinden?

Jatta spielt bereits seine neunte Saison für den HSV

Was überrascht: Alle Denkansätze sollen offenbar eine Rolle spielen. So gibt es innerhalb des HSV auch durchaus Überlegungen, ob Jatta, der in seiner neunten Saison im Volkspark spielt, einfach mal eine Luftveränderung und ein neuer Anreiz bei einem anderen Verein guttun würden. Das Gespräch mit dem Profi soll dazu dienen, herauszufinden, wie dieser darüber denkt und ob sogar perspektivisch ein Tapetenwechsel Thema werden könnte.

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Dass Jatta diese Gedanken teilt und von sich aus über einen Vereinswechsel nachdenkt, ist allerdings höchst unwahrscheinlich. Der Angreifer fühlt sich nach wie vor wohl in Hamburg, sieht den HSV als seinen Verein an und ist fest davon überzeugt, in Kürze wieder zu alter Stärke zurückfinden zu können.

Für den HSV schlug Jatta ein Top-Angebot aus Saudi-Arabien aus

Wie sehr ihm der Klub am Herzen liegt, bewies Jatta vor Jahresfrist, als er seinen Vertrag nach langen Verhandlungen für fünf Jahre bis Sommer 2029 verlängerte. Das zwar zu verbesserten Bezügen und einem Jahresgehalt, das dem Vernehmen nach auf bis zu 600.000 Euro angehoben wurde. Doch der 26-Jährige soll deutlich höher dotierte Angebote ausgeschlagen haben. Nach MOPO-Informationen lag Jatta die konkrete Offerte eines saudischen Klubs vor, bei dem er in drei Jahren ein Nettogehalt von insgesamt knapp sechs Millionen Euro plus Prämien und Extras hätte einstreichen können. Jatta aber wollte in Hamburg bleiben und stieg dafür im Gegenzug zur Gruppe der Spitzenverdiener des Kaders auf.

Während Kuntz zeitnah das Gespräch mit Jatta suchen möchte, ist Merlin Polzin darum bemüht, Lösungen auf dem Platz zu finden. Der Trainer meint zu wissen, woran es bei seinem Profi in der Hinrunde haperte. „Bei Baka muss man ein wenig unterscheiden“, stellt Polzin fest. „Er hatte am Anfang der Saison richtig gute Auftritte und war dann durch seine Verletzung eine relativ lange Zeit raus.“ Fast zwei Monate lang pausierte Jatta, nachdem er im Pokal in Meppen (7:1) einen Bänderriss im Sprunggelenk erlitten hatte. Anschließend setzte Ex-HSV-Trainer Steffen Baumgart zumeist auf andere Spieler, zumal Jattas angestammte Rolle wegfiel. „Seine Position ist die klassische Flügelposition“, sagt Polzin. „Die haben wir dann nicht mehr gespielt.“ Das allerdings änderte sich nach Baumgarts Entlassung wieder. Nun ist Polzin der Chef und setzt im 4-3-3 wieder auf klare Flügel.

Auch Jatta war zuletzt nicht zufrieden mit seinen Auftritten

Für Jatta eine große Chance, sich mit einer guten Vorbereitung wieder festzubeißen. „Baka war auch nicht zufrieden mit seinen letzten Auftritten“, hat der Trainer erkannt. „Er hat einen hohen Anspruch an sich selbst, den wir als Trainerteam auch haben. Das versuchen wir wieder hinzubekommen.“ Die Automatismen mit tiefen Läufen und anschließenden Jatta-Zuspielen in die Box sollen wieder greifen: „Wir werden versuchen, dass sich durch das Training wieder das Selbstvertrauen bei ihm bildet, es dann auch wieder im Spiel zu zeigen. Und wir haben Gespräche, die wir mit ihm führen.“

Da kommt dann auch Kuntz ins Spiel. Neun Jahre, nachdem für Jatta beim HSV alles begann, könnte es je nach Gesprächsverlauf erneut um die Zukunft des mittlerweile gereiften Profis gehen. Die Tendenz aber scheint klar zu sein: Jatta sieht sich in Hamburg allenfalls auf halber Strecke, aber nicht am Ende seines Weges – und will schnell wieder in die Spur finden.

Als der HSV Anfang 2016 zum vorerst letzten Mal sein Winter-Quartier in Belek aufschlug, fing für Bakery Jatta alles an. Unmittelbar vor der Abreise in die Türkei hatte der damals 17 Jahre alte Gambier ein zweitägiges Probetraining im Volkspark absolviert und derart überzeugt, dass der HSV ihn nicht mehr gehen ließ. Neun Jahre später ist Jatta mit 179 Einsätzen Hamburgs Zweitliga-Rekordspieler und gab zuletzt dennoch Rätsel auf. Auch deshalb will sich Sportvorstand Stefan Kuntz nun in der Türkei mit Jatta zusammensetzen, um nach Lösungen zu forschen – und das ohne Tabus: Sogar die Frage eines Vereinswechsels könnte Thema werden.