HSV-Leaderin mit 19: „Ganz Deutschland hat gesehen, was Hamburg draufhat“
Weil man es bei ihr schnell vergessen kann, gleich zu Beginn zur Erinnerung: Svea Stoldt ist erst 19 Jahre jung. Man muss das betonen, denn die defensive Mittelfeldspielerin ist nicht nur eine der wichtigsten Stützen des in die Bundesliga aufgestiegenen HSV, sondern macht auch abseits des Platzes einen erwachsenen Eindruck. Wieso das so ist, erklärt Stoldt im Gespräch mit der MOPO.
„Ich habe schon relativ viel erlebt im Fußball“, sagt sie. 39-mal hat Stoldt für verschiedene Juniorinnen-Nationalmannschaften gespielt, sie sei mit dem DFB-Nachwuchs „schon in vielen Ländern unterwegs gewesen“ und habe „in großen Turnieren auf dem Platz gestanden“. Bei der U17-WM in Indien zum Beispiel – oder bei der U19-EM in Litauen. Das lässt einen jungen Menschen reifen. „Das hat mich geprägt“, sagt Stoldt.
Stoldt kam über Börnsen, Wentorf und Glinde zum HSV
Svea Stoldt stammt aus Wentorf, gleich hinter der Hamburger Stadtgrenze lernte sie beim SV Börnsen mit sechs Jahren das Fußballspielen. Manche von früher sagten heute, sie hätten das Potenzial des Mädchens, das mit den Jungs trainierte, damals schon erkannt, erzählt Stoldt.
Über Börnsen, den SC Wentorf und den TSV Glinde gelangte sie 2020 zum HSV, wo sie ein paar Spiele für die U17 spielte und inzwischen 100 für die Frauen – zunächst in der Regionalliga, danach in der Zweiten Liga. Und jetzt in der Bundesliga. Als HSV-Fan seit Kindertagen. Eine Hamburger Bilderbuchgeschichte.
„Es ist ein Traum von mir, der wahr geworden ist“, beschreibt Stoldt ihren Werdegang. „Ich bin sehr stolz, dass ich das mit dem HSV erleben darf. Es ist ein unglaubliches Gefühl.“ Genau wie das, was sich Anfang September zutrug, im Volkspark, am ersten Spieltag, gegen Wolfsburg: 3:2-Führung für den VfL bis tief in die Nachspielzeit, Freistoß Stoldt, Schuss, der Ball hauchzart über der Linie. Tor. Ekstase. „Manchmal gucke ich mir das Tor immer noch an, weil es ja wirklich verrückt war“, sagt Stoldt. Solche Positiverlebnisse nutze sie, um daraus Selbstvertrauen zu ziehen.
Svea Stoldt ist mit 19 Jahren schon HSV-Führungsspielerin
Selbstvertrauen, das sie benötigt für ihr Spiel. Stoldt will trotz ihrer erst 19 Jahre die Mannschaft anführen. Mit Leistung: „Ich bin eine Spielerin, die immer versucht, alles aus sich herauszuholen, bis es nicht mehr geht.“ Und für alle sicht- und hörbar. „Ich möchte eine Führungsspielerin sein. Deswegen bin ich auf dem Platz laut, was meine Mitspielerinnen auch von mir einfordern.“
Zuletzt feierten Stoldt und die Kolleginnen in Leipzig ihren ersten Saisonsieg (1:0) und nach einem 3:0 bei Regionalligist Magdeburg den Einzug ins Pokal-Achtelfinale. „Ich würde sagen, Hamburg ist in der Ersten Liga angekommen“, bilanziert Stoldt. Jetzt soll der erste Heimerfolg her, wenngleich am Montag gegen Hoffenheim (18 Uhr, Sport1 live) beim ersten Heimspiel nach vier Auswärtspartien am Stück deutlich weniger Fans im Stadion sein werden als die 12.000 zum Auftakt gegen Wolfsburg. Für die Spielerinnen wird das wohl zu spüren sein. Aber, sagt Stoldt: „Wir haben immer Bock, alles aus uns herauszuholen, egal, wie viele Zuschauer da sind.“
Stoldt: Deutschland weiß, was die HSV-Frauen können
Ohnehin ist die Aufmerksamkeit ja viel größer als noch vor einiger Zeit, vor allem nach dem Doppelaufstieg mit den Männern, wie Stoldt betont: „Ganz Deutschland hat gesehen, was Hamburg draufhat.“
Die Aufmerksamkeit hilft auch in anderer Hinsicht. Vor drei Jahren, als 16-Jährige, kritisierte Stoldt in einem Interview die finanzielle Ungleichheit zwischen Männer- und Frauenfußball. Uneingeschränkt gut sei die Situation der Frauen immer noch nicht. Aber besser. „Es hat sich positiv entwickelt“, sagt sie: „Wir haben als Frauen viel mehr Möglichkeiten, die Bedingungen werden immer besser. Das sieht man auch daran, dass wir im Volksparkstadion spielen – vor ein paar Jahren hätte es das vermutlich nicht gegeben.“
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Stoldt will das genießen, nach ihrem Abitur im Vorjahr konzentriert sie sich – anders als manch arbeitende oder studierende Mitspielerin – zunächst nur auf den Fußball, ihr Vertrag beim HSV läuft bis nächsten Sommer. Was sie einmal plane? Vielleicht ein Fernstudium, sagt Stoldt, etwas, das sich zeitlich gut einbinden lasse in den Profijob. Und dann ist da dieses eine, ganz große Ziel. „Es würde mir alles bedeuten, irgendwann mal für die A-Nationalmannschaft aufzulaufen“, sagt sie. „Das wäre eine Riesen-Ehre.“