HSV-Kommentar: Nur dieser eine Makel schadet Vieiras Image
Fábio Vieira hat wieder Spaß am Fußball – anders als bei Arsenal. Das sagt er. Und das sieht man, wenn er das HSV-Trikot trägt. Er genießt die Freiheiten von Merlin Polzin und die Liebe der Anhänger. Und man kauft es ihm ab, wenn er erzählt, dass er einen Support wie in Hamburg noch nie erlebt hat. Die Fans feiern den Portugiesen – müssten bisweilen aber auch genervt sein. Denn es gibt einen Makel, der Vieiras Image nicht guttut.
Klar, Fußballprofis müssen keine Unschuldslämmer sein, um beliebt zu sein und als Topstars verehrt zu werden. Man denke etwa an Vinicíus Jr., dem die Herzen vieler junger Fans zufliegen, obwohl er seiner Vorbildrolle nicht gerecht wird, wenn er per Schwalbe zu Boden geht oder provokant vor dem gegnerischen Anhang jubelt. Bei Vieira ist die Situation etwas anders. Nach seinem traumhaften 1:0 gegen Köln stellte er sich vor die eigene (!) Kurve, zuckte mit den Schultern und guckte verschmitzt. Das zeugte von Selbstvertrauen – und war kein Affront. Kurz darauf lächelte er.
Fábio Vieira hat beim HSV einen Hang zur Theatralik
Dennoch verbindet den HSV-Star und Vini Jr. etwas – der Hang zur Theatralik. Wie Vieira etwa gegen Leverkusen zu Boden fiel, sich dort wälzte und reklamierte, obwohl er von Robert Andrich sauber vom Ball getrennt worden war, löste auf manch einem Tribünenplatz Kopfschütteln aus. Zu Recht. Das hat Vieira, der begnadete Techniker, mit fünf Toren und vier Assists HSV-Topscorer, nicht nötig.
Es wäre sicher falsch, jemanden belehren zu wollen, der in seinem Hauptfach (Fußball) über die allermeisten Zweifel erhaben ist. Trotz Vieiras großer Erfahrung ist es auch in Ordnung, selten in der Mixed Zone stehenzubleiben – und anderen das Reden zu überlassen. Seine Währung ist das Kicken. Aber Tipps für eine kleine Image-Aufpolierung sind ja erlaubt. Und Vieira hat schon bewiesen, dass er richtige Schlüsse ziehen kann: Hatte er in der Hinrunde drei Spiele rotgesperrt verpasst, stand er im neuen Jahr immer in der Startelf, wenn er gesund war.
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Ein unfairer Spieler ist er gewiss nicht. Und es ist auch nicht so, als würde er ständig Fouls schinden. Er sollte aber kein Profi sein, der (drastisch ausgedrückt) in aller Regelmäßigkeit als Schauspieler auffällt. Weniger Filmstar, mehr Topstar, wenn man so will. Dafür ist das, was er mit dem Ball kann und zeigt, viel zu gut.