HSV-Kommentar: Bundesliga-Start mit Panik statt Vorfreude? Völlig falsch!

Groß war der Jubel bei den HSV-Profis, -Betreuern und -Fans nach dem Aufstieg.
Groß war der Jubel bei den HSV-Profis, -Betreuern und -Fans nach dem Aufstieg.

Fast genau drei Monate ist er her, dieser für alle, die dabei gewesen sind, auf ewig unvergessliche Tag: Am 19. Mai feierten 100.000 Menschen in der Hamburger Innenstadt die Rückkehr ihres HSV in die Bundesliga – und das Ende des Leidens nach sieben Jahren Zweitklassigkeit. Dabei war das vorherrschende Gefühl, dass die Fans endlich wieder so richtig stolz auf die Mannschaft, auf ihren Verein, auf die Raute sein können. Keine Häme mehr im Büro, keine Witzchen mehr in den sozialen Medien – es soll sogar Gratulanten aus dem braun-weißen Teil der Stadt gegeben haben.

Die Worte von Aufstiegs-Trainer Merlin Polzin im Rathaus, sie waren weitsichtig. Er sagte damals: „Die Bundesliga wird einen anderen HSV erleben, als sie vor sieben Jahren verabschiedet hat. Mit maximalem Anspruch, der nötigen Demut, dem Respekt vor der Aufgabe und dennoch immer mit Mut und einem realistischen Blick auf die Situation.“ Gerade Letzteres sollten diejenigen beherzigen, die den HSV schon als klaren Direkt-Wieder-Absteiger abgestempelt haben.

HSV-Vorbereitung soll kein Indikator für die Saison sein

Was ist seit der Party passiert? Der HSV hat eine extrem holprige Vorbereitung hingelegt mit fünf Test-Pleiten in Folge gegen Erstliga-Klubs. Er hat diverse Helden aus der letzten Spielzeit verabschiedet, teils freiwillig, teils mit Bauchschmerzen. Es wurde ein Umbruch eingeleitet, der von den Verantwortlichen für alternativlos gehalten wird, um im Oberhaus bestehen und das Ziel Klassenerhalt erreichen zu können. Dass dabei einige Transfers nicht geklappt haben und es noch keine fertige Hierarchie und Spielstruktur im neuen Team gibt, ist ziemlich normal. Die Sorgen vieler Anhänger sind nach dem Beinahe-Desaster im DFB-Pokal gegen den Fünftligisten Pirmasens (2:1 nach Verlängerung) verständlicherweise nicht kleiner geworden. Denn das war: (fast) nichts!

Bevor aber der erste Bundesliga-Ball überhaupt gerollt ist, ist Panik kein guter Ratgeber. Im Gegenteil: Was vor drei Monaten völlig zu Recht gefeiert wurde, wird an diesem Sonntag Realität. Der HSV ist wieder da – in der Bundesliga! Darauf darf und sollte man sich freuen.