HSV-Kommentar: Auftrag an Polzin und Favé – bestraft Baumgarts Anti-Fußball
Am Samstag gibt es das große Wiedersehen. Ex-HSV-Trainer Steffen Baumgart kehrt mit Union Berlin in den Volkspark zurück. Auch wenn sein Abschied mit gegenseitigem Respekt erfolgte, hat dem Trainer niemand lange nachgeweint. Seine Art, Fußball spielen zu lassen, passte nicht zum Kader des HSV. Seine Nachfolger Merlin Polzin und Loic Favé sind Baumgart schnell entwachsen, schafften nicht nur den ersehnten Aufstieg, sondern zeigen auch in der Bundesliga, dass sie fachlich mehr als mithalten können mit den Übungsleitern im Oberhaus. Jetzt haben sie einen Auftrag.
Das Trainerteam, das beim 2:2 gegen den FC Bayern taktisch erstmals deutlich von der vorherigen Grundordnung im 3-4-3 abwich und Selbiges mit weiteren Anpassungen auch beim 2:0 in Heidenheim vollzog, soll nun bitte Baumgarts wenig attraktiven, aber in der Hinrunde häufig effektiven Fußball bestrafen. In den sozialen Medien wäre „Haram-Ball“ die gebräuchliche Beschreibung. „Haram“ ist arabisch und heißt „verboten“. Kurz übersetzt: Anti-Fußball.
HSV-Trainer Polzin muss den Baumgart-Fußball bestrafen
Kompakt stehen, den Gegner kommen lassen, viele Zweikämpfe, lange Bälle nach Ballgewinn, umschalten, rennen, flanken, köpfen. In Berlin hat Baumgart genau den Kader, den er dafür braucht. Hinten schädeln Leopold Querfeld und Danilho Doekhi alles weg, die Außen werden von Derrick Köhn und Christopher Trimmel beackert und dann gibt es viel Personal fürs Zentrum. Alles eng, schwer zu bespielen.
In Berlin waren die Bosse so angetan von der Spielweise – beziehungsweise von den bis zur Winterpause geholten Punkten – und statteten Baumgart mit einem neuen Vertrag aus. In diesem Jahr blieben die Zähler bisher aus. Kein Sieg, vier Remis, zwei Pleiten. Wie setzt der HSV das Union-Tief fort? Indem er an die eigene Idee mit vielen Positionswechseln, viel Tiefe, viel Kreativität im Aufbau und im Zentrum glaubt.
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Eines ist aber auch klar: Gegen die Bäume in der Berliner Abwehr benötigt der HSV ebenfalls etwas mehr Physis. Vielleicht die Chance für Robert Glatzel? Damion Downs hat sich bei allen Vorzügen im Pressing schließlich nicht für Aufgaben mit der Kugel am Fuß empfohlen. Viele Anlaufmomente wird der HSV gegen Baumgarts Unioner eh nicht haben, aber eben häufig den Ball. Vielleicht lassen sich Polzin und Favé ja sogar etwas Neues einfallen.