HSV-Juwel Stange: „Gänsehaut“, Selbstkritik – und krasse Tor-Ansage
Otto Stange agierte physisch stark, hängte Bruno Ogbus ab und war der Erfüllung seines Traums ganz nah. Doch Freiburgs Verteidiger Matthias Ginter verhinderte den ersten Bundesliga-Treffer des HSV-Stürmers mit einer motorisch unglaublichen Abwehraktion (47.). „Den kann ich vielleicht reinmachen“, haderte Stange nach dem 3:2. „Aber so ist es ein Ziel fürs nächste Spiel.“ Der 19-Jährige blickte sogar noch weiter in die Zukunft.
Mit Luka Vuskovic wird Stange in der kommenden Spielzeit aller Voraussicht nach nicht mehr zusammenspielen. Den Kroaten zieht es zurück nach Tottenham, und dessen 15 Tage älterer Mitspieler Stange hat einen Plan. „Nächste Saison vielleicht mehr Tore schießen als er“, sagte er am späten Sonntagnachmittag lächelnd. Eine selbstbewusste, durchaus krasse Treffer-Ansage. Denn Vuskovic erzielte gegen den SC Freiburg sein schon sechstes Bundesliga-Tor und ist für Stange nicht nur deshalb „ein bisschen ein Vorbild: Da will man auch hin!“
Otto Stange erstmals in der Bundesliga-Startelf des HSV
Einen neuen Meilenstein hat Stange am 33. Spieltag schon mal erreicht: Er stand gegen die Freiburger erstmals in der Bundesliga-Startelf. Robert Glatzels Ausfall wegen Wadenproblemen wurde zu seiner Chance. „Man will nicht immer auf der Bank sein. Irgendwann will man ja auch einfach mehr spielen und sich einfach noch mehr zeigen“, erklärte Stange. „Da denkt man immer dran. Ich habe mich einfach gefreut.“ Bereits beim Einlaufen in das mit 57.000 Zuschauern gefüllte Volksparkstadion habe er „Gänsehaut“ verspürt: „Mit den Fans und so – das ist schon heftig.“
Auch seine Teamkollegen hätten ihm vor dem für ihn besonderen Spiel ein gutes Gefühl mitgegeben. „Sie haben auch gesagt: einfach frei Fußball spielen“, berichtete Stange hinterher. „Die Jungs haben mir echt gut geholfen.“ Und der gebürtige Hamburger verhalf auch mindestens einem Mitspieler zu einem besonderen Moment: Bakery Jatta. Denn es war Stange, der mit einem Dribbling auf der linken Seite das erste Bundesliga-Tor des Gambiers zum 1:0 (14.) einleitete. In anderen Szenen wurde derweil ersichtlich, dass er sich noch an das Niveau gewöhnen muss.
Derzeit keine Gedanken an erneuten HSV-Abschied
„Ich glaube, dass es natürlich schon noch mal etwas anderes ist, von Anfang an zu spielen als reinzukommen“, sagte Stange und ordnete seinen Auftritt ein: „Ich bin schon zufrieden, aber es geht natürlich besser. Es gab ein, zwei Situationen, in denen vielleicht ein bisschen mehr Erfahrung gebraucht wird. Aber ich glaube, das verstehe ich auch schnell.“ Es ist genau diese Lernfähigkeit, dieses hohe Maß an Fleiß und dieser Drang nach Weiterentwicklung, die Stange dazu gebracht haben, wo er mit 19 Jahren bereits steht. Und Merlin Polzin belohnt diese Eigenschaften.
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Als der Trainer nach dem Spiel über die Debütanten Louis Lemke und Shafiq Nandja sprach, verwies er auch auf das Vorbild Stange: „Das war der Lohn für gute Arbeit und vielleicht ein Ansporn, dass eine Entwicklung möglich ist – wie beispielsweise bei Otto.“ Stange gilt als selbstkritisch und maximal engagiert. Seit seiner Leih-Rückkehr aus Elversberg im Winter präsentiert er sich auch charakterlich als gereift. „Es ist mein Verein. Hier zu spielen, ist natürlich richtig schön“, betonte er. Der Auftritt von Sonntag war ein Anzeichen dafür, dass Stange auch in der neuen Saison einen festen Platz im HSV-Profikader haben und noch mehr Einsätze bekommen dürfte. An einen erneuten Wechsel denkt er derzeit nicht: „Natürlich weiß man im Fußball nie. Aber am allerschönsten ist es hier.“