„Ich entschuldige mich“: HSV-Held Vieira scherzt über Stuttgart-Interesse
Guilherme Ramos konnte nicht anders, er musste das Gespräch zwischen den Medienvertretern und Fábio Vieira kurz unterbrechen. Der Abwehrmann war nach dem dramatischen 2:1 gegen den VfB Stuttgart so stolz auf seinen Landsmann, dass er von hinten in das Interview platzte und ein paar portugiesische Worte sagte. Die beiden Portugiesen umarmten sich in der Mixed Zone des Volksparkstadions, dann widmete sich Vieira wieder den Journalisten – und sprach nicht nur über die große Gefühlsexplosion, für die er gesorgt hatte.
Die kritische Sichtweise ist diese: Es hat bis zum 12. Spieltag gedauert, bis Vieira endlich sein erstes Tor für den HSV schoss. Die positive wiederum ist diese: Die Leihgabe des FC Arsenal hat sich die erlösende Premiere für ein spezielles Erlebnis aufgehoben – das Heimspiel gegen die Stuttgarter am 1. Advent.
Vieira wurde als Joker zum Matchwinner und konnte es hinterher selbst noch nicht so recht fassen. „Ich bin so happy, es ist mein erstes Tor in der Bundesliga“, hielt er fest, bevor Ramos angestürmt kam. „Ich konnte vor den Fans jubeln, das macht mich so glücklich. Aber ich bin noch glücklicher über die drei Punkte, dafür haben wir in den letzten Wochen viel gearbeitet.“
Fábio Vieira war nicht sauer über seinen HSV-Bankplatz
Der HSV hatte zuletzt fünfmal in Folge nicht gewonnen und Vieira musste wegen seiner erneuten Gelb-Roten Karte in Köln (1:4) gegen den BVB (1:1) zusehen. Beim 0:1 in Augsburg kehrte er dann in die Startelf zurück, überzeugte auf dem halbrechten Flügel aber nicht und saß gegen Stuttgart daher mal wieder auf der Bank – erstmals seit dem 0:1 gegen Wolfsburg Ende Oktober. Sauer war er deshalb aber nicht. „Natürlich nicht“, antwortete Vieira auf eine entsprechende Frage. „Ich habe das Team von der Bank aus supportet. Darauf kommt es an.“ Und an diesem Sonntag darauf, dass Merlin Polzin gleich zwei Spieler einwechselte, die die Partie spät für den HSV entschieden.

Nach Fabio Baldés Sololauf über den halben Platz stand Vieira goldrichtig – und schob mit der Innenseite seines starken linken Fußes überlegt ein. Alexander Nübel war chancenlos und musste den Ball aus dem VfB-Kasten holen. Parallel dazu bildete sich an der rechten Eckfahne vor der Nordtribüne eine riesige Jubeltraube um Vieira, der sich zunächst von Giorgi Gocholeishvili und Ramos und dann von allen Profis feiern ließ – für seinen Treffer, der mit purer Ekstase im Volksparkstadion einherging.
„Die Fans supporten uns die ganze Saison über, auswärts und zu Hause, das ist unglaublich“, schwärmte Vieira. „Sie sind wie ein zusätzlicher Spieler für uns und haben uns extrem geholfen, heute zu gewinnen.“ Der HSV jubelte allerdings auch und vor allem dank Vieira, der zuletzt in die Kritik geraten war.
Auch der VfB Stuttgart war an der Arsenal-Leihgabe dran
„Niemand will Rote Karten im Fußball bekommen, aber es kann passieren“, sagte Vieira über seine Platzverweise, ehe er nach vorne blickte: „Jetzt komme ich wieder zurück und bin sehr glücklich, ein Teil des Teams zu sein.“ Der 25-Jährige gilt als Unterschiedsspieler im HSV-Kader, präsentiert sich aber als Teamplayer, der sich nicht wichtiger nimmt als seine Kollegen. „Ich lerne viel von ihnen und sie lernen viel von mir“, erklärte er. „Am Ende zählt nur das Team. Der Spirit in der Umkleidekabine ist ganz besonders.“ Am frühen Sonntagabend dürfte Vieira in der HSV-Kabine der am meisten gefeierte Mann gewesen sein. Dabei hätte Vieira auch auf der anderen Seite landen können.
Bevor Ende August der Leihdeal zum HSV möglich wurde, hatte sich Vieira auch in Gesprächen mit den VfB-Bossen befunden. Ein Wechsel von Arsenal nach Stuttgart stand im Raum. „Ich entschuldige mich dafür“, scherzte Vieira nun. „Das sind Dinge, die im Fußball passieren können. Wir haben mit ihnen gesprochen, aber am Ende bin ich hierhergekommen und bin sehr glücklich, hier zu sein.“ Vieira fühlt sich wohl beim HSV, so war es schon vor seinem Debüttor. „Die Mannschaft ist fantastisch, der Klub ist unfassbar und die Fans sind unglaublich“, betonte er nach dem 2:1 erneut und versprach: „Ich werde weiter hart arbeiten, um der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen.“
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Gegen den VfB tat Vieira dies vorzüglich. Am Mittwochabend im DFB-Pokal gegen Kiel (20.45 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) könnte er in die Startelf zurückkehren, je nachdem, inwieweit Polzin rotiert, ob er Albert Sambi Lokonga etwa mal eine Pause gibt. Aber glaubt man Vieira, wäre er auch nicht sauer, sollte er erneut nur auf der Bank sitzen.
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