HSV-Halbfinale Nachteil im Aufstiegskampf? Das sagt Ex-Trainer Wolf

HSV-Profis bangen beim Elfmeterschießen
Zwischen Hoffen und Bangen: Den HSV-Profis stehen heiße, letzte Saison-Monate bevor.

Ein Sieg trennt sie vom Finale. Gewinnen die HSV-Profis im Pokal auch noch gegen Freiburg (19./20.4.), stehen sie im Endspiel und fahren nach Berlin. Ein großes Ziel, ein gewaltiger Leckerbissen. Aber ist der Traum vom Cup-Coup wirklich ein Segen oder raubt er womöglich Energien, die der HSV eigentlich im Kerngeschäft Zweite Liga bräuchte? Nicht zuletzt mental kommt einiges auf die Profis zu.

Das dürfte ein richtiges Spektakel werden. Einen mit 57.000 Fans ausverkauften Volkspark erhofft sich der HSV im Halbfinale und darf bereits frohlocken. Wie die MOPO aus Senatskreisen erfuhr, steht einer vollständigen Auslastung des Stadions nach Wegfall der Corona-Maßnahmen am 20. März nichts mehr im Wege. Der Ansturm auf die Tickets (ab 31.3. erhältlich) dürfte enorm sein. So könnte die Hütte tatsächlich erstmals seit Ende Februar 2020 (beim Derby gegen St. Pauli) wieder richtig voll werden.

HSV: Ausverkaufter Volkspark im DFB-Pokal-Halbfinale möglich

Fraglos ein Highlight für jeden Profi. Dennoch: Schon zuletzt beim 1:2 in Nürnberg machte der HSV Bekanntschaft mit den Folgen einer langen Pokal-Nacht. Nur drei Tage nach dem hochdramatischen Sieg gegen Karlsruhe (5:4 nach Elfmeterschießen) bekannte Trainer Tim Walter: „Bei uns hat am Ende die Frische gefehlt, wir waren müde vom Kopf her. Das hat uns in manchen Momenten etwas gekostet.“ Ist Hamburgs Berlin-Traum am Ende Fluch oder Segen?

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Finanziell lohnt sich die Nummer in jedem Fall. Zu den rund 3,9 Millionen Euro an Prämien, die der HSV bislang im Pokal kassierte, kommt bei einem vollen Stadion (Einnahmen werden geteilt) noch eine knappe Million Euro pro Verein dazu. Die Prämie für den Finaleinzug steht noch nicht fest, in den drei Vorjahren lag sie bei 3,5 Millionen Euro.

Aber: Das Freiburg-Spiel steigt mitten in der heißen Phase des Aufstiegskampfes und direkt vor den abschließenden vier Spieltagen – an denen der HSV drei Mal auswärts antreten muss …

Hannes Wolf stand mit dem HSV im DFB-Pokal-Halbfinale

Hannes Wolf kennt sich mit dieser Situation bestens aus. Der Nationaltrainer der deutschen U19 stand vor drei Jahren mit dem HSV ebenfalls im Pokal-Halbfinale, unterlag RB Leipzig nach großem Kampf im Volkspark mit 1:3. „Natürlich war das ein großartiges Erlebnis“, sagte der 40-Jährige der MOPO, bekannte aber rückblickend: „Man muss so ehrlich sein und feststellen, dass uns dieses Halbfinale nicht geholfen hat. Die Enttäuschung und Erschöpfung war groß, zudem hat sich mit Orel Mangala einer unserer Leistungsträger verletzt und war bis zum Saisonende nicht mehr einsetzbar.“

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Der HSV verlor anschließend drei Mal in Folge und verpasste in seinem ersten Zweitligajahr den Aufstieg. Und diesmal? Im Volkspark wollen sie von einem möglichen Nachteil im Aufstiegsrennen nichts wissen. „Ich kann da keinen negativen Aspekt erkennen“, meint Sportdirektor Michael Mutzel. „Als Spieler bist du immer lieber im Stadion als auf dem Trainingsplatz, zudem kannst du durch dieses Spiel etwas Großes erreichen. Das wird ein Spiel sein, das uns zusätzlich pusht.“

Im besten Fall ja. Schlimmstenfalls bleiben geplatzte Träume und müde Knochen. „Erfolge im Pokal sind ein zweischneidiges Schwert“, sagt Wolf dazu. „Aber wer sagt schon nein dazu, wenn er die Chance hat, Geschichte zu schreiben?“