HSV-Boss präsentiert fetten Gewinn – was das für Winter-Transfers bedeutet
Die Botschaft, die Eric Huwer auf der Mitgliederversammlung am 22. Juni verkündete, sorgte für großen Applaus: „Der neue HSV ist schuldenfrei.“ Jetzt, fünf Monate später, präsentierte der Verein alle dazu passenden Zahlen. Neben dem gefeierten Meilenstein gibt es mehrere Rekordwerte – und eine weitere Botschaft, die die Transferaktivitäten betrifft: Neue Millionen-Deals im Winter sind möglich. Und zwar verschiedener Art.
Huwers neue Kernbotschaft ist diese: Der HSV ist nicht reich, aber gesünder denn je. Das belegen die Traumzahlen des im Juni beendeten Geschäftsjahrs 2024/25. Nach elf Verlustjahren in Serie bis 2020/21 steht nun das vierte Plus in Folge da: 4,4 Millionen Euro (Vorjahr: 2,1 Millionen Euro). Der Umsatz erreichte mit 126,5 Millionen Euro einen neuen Rekordwert in der Zweitligazeit des HSV. Das Eigenkapital stieg von 45 auf 49,4 Millionen Euro. Und: Der Verein weist ein Netto-Finanzvermögen von 14 Millionen Euro aus. „Dieser Erfolg“, sagt Huwer, „ist ein Meilenstein auf unserem nachhaltigen Wachstumskurs.“ Weil er belegt: Die Schulden sind weg.
Der HSV ist in der 2. Liga schuldenfrei geworden
Huwer und sein Team haben es geschafft, den HSV in der 2. Liga finanziell zu gesunden. Das sieht der Finanzvorstand als die größte Leistung an. Und deshalb verneigen sich auch andere Klubs vor dem HSV. Die exakte Höhe des Gewinns ist für Huwer nicht entscheidend – sondern, dass die Verbindlichkeiten im Vergleich zur Saison 2016/17 (81,1 Millionen Euro) drastisch reduziert wurden. Die verbliebenen 22 Millionen Euro an Verbindlichkeiten werden jetzt von den liquiden Mitteln (36 Millionen) getoppt.
Huwer empfindet „Freude, Bestätigung und Motivation“. Der 42-Jährige appelliert, wirtschaftlich vernünftig zu bleiben. Er hebt aber den Daumen für mögliche Kader-Investitionen im Winter. Die Sportbosse Stefan Kuntz und Claus Costa schöpften im Sommer nicht alle vorhandenen Mittel aus, fädelten stattdessen clevere (Leih-)Deals ein, siehe Luka Vuskovic und Fábio Vieira.
HSV hat in der Bundesliga höhere Gehaltsausgaben
Für diese beiden Last-Minute-Transfers flossen keine Ablösesummen. Im Winter aber kann der HSV Geld in die Hand nehmen. Die genaue Höhe ist schwer zu beziffern, weil sie von den Transfermodellen abhängt. Nach MOPO-Informationen ist je nach weiterem Verlauf der Hinrunde aber beides möglich: entweder Investitionen in Sofortverstärkungen – oder in die Zukunft. Im Januar hatte der HSV insgesamt fast fünf Millionen Euro für Alexander Røssing-Lelesiit und Aboubaka Soumahoro gezahlt. Und womöglich kommt in diesem Winter ein neues Juwel – sofern Kuntz und Costa nicht vor allem die Notwendigkeit sehen, den HSV-Kader mit erfahrenen Profis zu verstärken. Das Ziel Klassenerhalt bestimmt die sportliche und die finanzielle Perspektive.
Auch aufgrund vieler Aufstiegsprämien, die bei insgesamt knapp drei Millionen Euro liegen sollen, erhöhte sich der Personalaufwand auf 46,8 Millionen Euro. Und klar ist: Durch die höheren Bundesliga-Gehälter wird dieser Wert im laufenden Jahr noch einmal wachsen. Das liegt an den Zugängen, aber auch an Profis wie Jean-Luc Dompé und Guilherme Ramos, die jetzt mehr verdienen als in der 2. Liga. Die Wechsel des Sommers, darunter der Sieben-Millionen-Euro-Abgang von Ludovit Reis, werden erst im Jahr 2025/26 abgebildet.
HSV-Vorstand Eric Huwer will den Sport nachhaltig stärken
Der HSV hofft in Liga eins auf einen neuen Rekordumsatz von rund 160 Millionen Euro, Huwer ist mit dem ersten Quartal zufrieden und arbeitet auf das fünfte Plus in Folge hin. Allein die auf mehr als 30 Millionen Euro gestiegenen TV-Erlöse garantieren dem HSV jedoch nicht den nächsten Gewinn. Stattdessen fließen diese Zusatzeinnahmen in Höhe von rund 18 Millionen Euro fast vollständig in das Personal. „Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass unsere Aufwendungen steigen“, sagt Huwer. Das Budget für Gehälter – anders als für reine Ablösesummen – hat der HSV im Sommer sogar nahezu ausgereizt.
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Der Finanzboss will weiter so viel Geld wie möglich in den Sport stecken. Die schwarze Null bleibt das Ziel, punktuell aber würde der HSV ein Minus in Kauf nehmen. Denn Huwer sagt: „Wir wollen im deutschen Fußball wieder ein stabiler Faktor werden.“ In der Bundesliga. Der Aufstieg sorgte für Rekordzahlen, auch beim Merchandising und Catering (23,8 Millionen Euro). Der direkte Abstieg wäre ein Rückschlag, sportlich, wirtschaftlich und strategisch – aber keine Gefahr für die Existenz des Vereins.