Maurice Boakye und Bilal Yalcinkaya jubeln Arm in Arm

HSV-Angreifer Maurice Boakye (l.) und Bilal Yalcinkaya jubelten am Sonntag Arm in Arm. Foto: imago images/Lobeca

HSV-Stürmer zerschießt die 4. Liga – steht aber vor dem Abgang

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Maurice Boakye grübelte in den Minuten nach seinem Dreierpack nicht über seine Zukunft. „Ich bin für alles offen, mache mir darüber aber nicht so viele Gedanken“, sagte der Stürmer, nachdem er die U21 des HSV fast im Alleingang zum 4:0 gegen Altona 93 geballert hatte. Am Sonntag gelangen ihm seine Saisontreffer 16, 17 und 18 – abgesehen von Julian Ulbricht (SV Meppen, 20 Tore) zerschießt niemand die Regionalliga Nord so wie er. Dennoch steht er vor dem Abschied aus dem Volkspark.

Viele der U21-Talente, die gegen Altona im HSV-Kader standen, durften im Laufe dieser Saison schon mal bei Merlin Polzin vorspielen. Bei manchen Spielern ist das öfter der Fall, etwa bei Verteidiger Shafiq Nandja, der zuletzt sehr oft dabei war, oder Torwart Hannes Hermann, der die Nummer drei bei den Profis ist. Andere Youngster wie Leonardo Posadas, Benjamin Lamce, Timon Kramer, Jamal Nabe, Glory Kiveta oder Niklas Tuppeck waren im Herbst bei einem Testspiel der Bundesliga-Mannschaft gegen den VfL Osnabrück (1:3) dabei. Wiederum andere hatten zuvor bei einer internen Partie die Chance, auf sich aufmerksam zu machen – dazu zählte Anfang Oktober auch Boakye.

Maurice Boakye (21) ist der beste Torjäger der HSV-U21

In den Monaten danach tauchte der 21-Jährige aber nicht mehr bei den Einheiten der Profis auf. Dabei ist seine Quote beachtlich: 18 Tore in 26 Regionalligapartien, dazu drei Assists. Wie schon im Dezember beim 4:1 gegen St. Paulis U23 gelang Boakye nun auch gegen Altona ein Dreierpack. „Heute hat er den Unterschied gemacht“, lobte U21-Trainer Lukas Anderer nach dem Sieg am Sonntag. Boakye ist der mit Abstand gefährlichste Offensivspieler in der Hamburger Viertliga-Truppe – in der internen Torjägerliste folgt hinter ihm einer, der gar nicht mehr da ist: Raif Adam (sieben Treffer), der im Winter zum Zweitligisten SV Elversberg wechselte.

Maurice Boakye (r.) bei seinem ersten von drei Treffern für den HSV gegen Altona 93 WITTERS
Maurice Boakye bei seinem ersten von drei Treffern für den HSV gegen Altona 93
Maurice Boakye (r.) bei seinem ersten von drei Treffern für den HSV gegen Altona 93

Ihren Aufschwung hat die HSV-U21, die einen Saison-Fehlstart hingelegt hatte und Mitte Oktober noch auf dem drittletzten Rang lag, inzwischen aber Tabellenfünfter ist, auch und vor allem Boakye zu verdanken. Doch der gebürtige Hamburger wird höchstwahrscheinlich nur noch wenige Monate für den HSV kicken. Sein Vertrag läuft Ende Juni aus, und nach MOPO-Informationen geht die Tendenz dahin, dass er nicht verlängert wird und Boakye seine nächsten Schritte woanders gehen wird. Ihn zieht es in den Profibereich – allerdings nicht im Volkspark. Dort traut man ihm den großen Sprung in die 1. oder 2. Liga offenbar nicht zu. Andernfalls hätte Polzin den Angreifer in den vergangenen Wochen und Monaten öfter „oben“ mittrainieren lassen, was allerdings nicht der Fall war.

HSV-Vertrag läuft aus – keine Perspektive bei den Profis

Während der Sommer-Vorbereitung hatte Boakye noch bei den Tests der Profis in Oldenburg (Anfang Juli, 2:1) und gegen Weiche Flensburg (Mitte August, 2:1) mitwirken dürfen. In Polzins Pflichtspielkader stand er jedoch noch nie – und das wird bis zum Saisonende auch so bleiben. Danach dürfte Boakye eine neue Herausforderung angehen, bereits in den vergangenen Monaten lagen ihm mehrere Anfragen aus dem In- und Ausland vor.


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Beim HSV hat er wohl auch deshalb keine Zukunft, weil er im September 21 Jahre alt wurde und in der kommenden Saison altersbedingt keine Rolle mehr für den Nachwuchsbereich spielt. Der Verein will in seiner U21 gezielt auf die größten – und vergleichsweise nicht schon „zu alten“ – Talente setzen. Dementsprechend wird es im Sommer wie in jedem Jahr einen Umbruch geben. Ein solcher wird aller Voraussicht nach auch im Sturm der Profis anstehen, da Ransford Königsdörffers Vertrag ausläuft, Robert Glatzel unzufrieden ist, Yussuf Poulsen als verletzungsanfällig gilt und die Leihe von Damion Downs endet.

Als verlässlicher Knipser hat sich in der Bundesliga niemand aus diesem Quartett etabliert – weshalb einige HSV-Fans nach dem 2:3 in Dortmund in den sozialen Medien forderten, Boakye doch mal ins Aufgebot zu berufen. Der Hattrick gegen Altona diente den Polzin-Kritikern als zusätzliches Argument. Es wäre jedoch sehr überraschend, wenn der Cheftrainer demnächst ein Sturmtalent auf die Bundesliga-Bank setzen würde, dessen Kontrakt in knapp drei Monaten endet. Boakye hat bei Polzin keine vielversprechende Perspektive – und daher nicht beim HSV.

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