Vincent Kompany bejubelt ein Tor für den HSV

Von 2006 bis 2008 spielte Vincent Kompany insgesamt 51-mal für den HSV. Foto: imago/Hoch Zwei

Hoyzer spielte eine Rolle: Wie der HSV Kompany gelockt hat

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Er wird am Samstag ganz sicher mit einem Lächeln aus den Katakomben nach draußen ins Innere des Volksparkstadions treten. Zwei Jahre lang (2006 bis 2008) war Vincent Kompany Profi des HSV, rund 17 Jahre später kehrt er als Trainer des FC Bayern zurück. Ein spezieller Tag für den 39-Jährigen und den HSV. Und eine gemeinsame Geschichte, deren Ursprung ungewöhnlicher kaum sein könnte. Auch das manipulierte Skandalspiel um Schiedsrichter Robert Hoyzer spielt dabei eine Rolle.

Der 21. August 2004 ging als gruseliges Datum in die Geschichte des deutschen Fußballs ein. Es war der Tag, an dem Robert Hoyzer den HSV im Rahmen des DFB-Pokal-Spiels in Paderborn (2:4) so offensichtlich und gnadenlos verpfiff, dass wenig später einer der größten Fußball-Skandale der Nachkriegszeit enthüllt wurde. Doch jeder noch so schlechte Tag kann auch etwas Positives in sich tragen. Dietmar Beiersdorfer weiß das nur zu gut.

Beiersdorfer fehlte beim Skandal-Spiel um Hoyzer

Just in dem Moment, als die Dinge in Paderborn ihren Lauf nahmen, saß der damalige HSV-Sportvorstand rund 400 Kilometer entfernt auf der kleinen Tribüne des beschaulichen Puyenbekestadions im belgischen Beveren. „Es war das erste und wohl auch einzige Mal, dass ich ein HSV-Spiel in meiner Amtszeit verpasst habe“, sagt Beiersdorfer der MOPO nun und muss schmunzeln. Es gab da einen jungen Mann, gerade mal 18 Jahre alt, der für den RSC Anderlecht spielte und den Beiersdorfer unbedingt sehen wollte. Es war sein erstes Aufeinandertreffen mit Kompany. Eines, das Wirkung hinterließ. Denn das Supertalent ließ ihn nicht mehr los.

HSV-Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer agierte bei Kompanys Verpflichtung federführend. WITTERS
HSV-Profi Vincent Kompany mit Dietmar Beiersdorfer am Flughafen
HSV-Sportvorstand Dietmar Beiersdorfer agierte bei Kompanys Verpflichtung federführend.

Zwei Jahre später machte der HSV Nägel mit Köpfen. Abwehrchef Daniel van Buyten war gerade zum FC Bayern gewechselt, Kompany ersetzte ihn. Doch bis zur Verpflichtung war es ein langer Weg, denn halb Europa war hinter Belgiens neuem Abwehr-Stern her.

„Es war ein heißer Kampf um Vincent“, erinnert sich Beiersdorfer, der heute die Geschicke des Drittligisten FC Ingolstadt leitet. „Wir haben des Öfteren den Weg nach Brüssel zurückgelegt und uns mit ihm, seinem Vater und seinem Berater getroffen. Vielleicht waren diese Akribie und das Bemühen auch der entscheidende Grund für ihn, zu uns zu kommen.“

Zwischen dem HSV und Kompany entstand viel Vertrauen

Eineinhalb Jahre lang bezirzte der HSV Kompany. Mal war es Beiersdorfer, mal Chefscout Bernd Legien, später auch Trainer Thomas Doll. Und nicht zuletzt Peter Ressel, damals als HSV-Scout für den belgischen Raum zuständig. Der Niederländer war zuvor für Anderlechts Jugend-Abteilung verantwortlich gewesen und kannte Kompany bestens. Ein Draht, der bestehen blieb, intensiviert wurde und dem HSV nun half. „Vincent war auch mal bei einem Spiel von uns im Stadion, davon hat damals allerdings zum Glück niemand Wind bekommen“, erzählt Beiersdorfer.


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Unterm Strich entstand zwischen den Hamburgern und dem aufstrebenden Profi schnell eine Vertrauensbasis, die sich auszahlen sollte. „Von Anfang an merkte man, dass Vincent für sein Alter schon einen großen Weitblick besaß und sehr aufgeschlossen und interessiert durch die Welt ging“, so Beiersdorfer. „Für uns war er eine Art Vorbild in Bezug auf unsere Transferstrategie. Wir haben damals verstärkt junge, entwicklungsfähige Spieler unter Vertrag genommen, die den Verein dann später im Idealfall für hohe Ablösesummen verlassen sollten.“ So wie van Buyten (2006 für acht Millionen Euro zu den Bayern), Khalid Boulahrouz (2006 für 13 Millionen zu Chelsea), Rafael van der Vaart (2008 für 15 Millionen zu Real Madrid), Nigel de Jong (2009 für 18 Millionen zu Manchester City) oder Jerome Boateng (2010 für 12,5 Millionen zu den „Citizens“). Es waren die Jahre, in denen sich der HSV neu erfand und zu den Top 20 Europas gehörte.

Kompany wechselte für acht Millionen Euro zum HSV

Für die vergleichsweise geringe Ablöse von acht Millionen Euro erhielt der HSV im Sommer 2006 dann Kompanys Zuschlag. Gut für die Hamburger: Üppige Bonuszahlungen, die für den Fall von Titelgewinnen oder Champions-League-Teilnahmen ausgehandelt worden waren, wurden niemals fällig.

Bundesliga-Trainer der jüngeren Garde: Bayerns Vincent Kompany (39/l.) und HSV-Coach Merlin Polzin (35) WITTERS
Vincent Kompany und Merlin Polzin umarmen sich
Bundesliga-Trainer der jüngeren Garde: Bayerns Vincent Kompany (39/l.) und HSV-Coach Merlin Polzin (35)

Eine richtige Erfolgsgeschichte wurde es aber nicht. Nach knapp zwei Jahren und 51 Pflichtspielen verließ Kompany den HSV wieder für die gleichen acht Millionen, die der Verein für ihn ausgegeben hatte. Er ging im Zorn, der HSV hatte ihn gegen seinen Willen vorzeitig von den Olympischen Spielen in Peking zurückbeordert. „Natürlich war das Ende nicht ganz so schön“, weiß Beiersdorfer. „Aber so was passiert im Profifußball, wo es manchmal unterschiedliche Interessen gibt. Es ist aber nichts hängengeblieben. Vincent und ich haben einen guten Draht zueinander und schätzen uns.“

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Kompanys Karriere nahm nach seiner HSV-Zeit richtig Fahrt auf. Elf Jahre lang blieb er in Manchester und wurde zur Vereinslegende. Ein Weg, der in Hamburg eingeleitet wurde. Vielleicht auch, weil Beiersdorfer im August 2004 Besseres zu tun hatte, als sich über Pfiffe von Robert Hoyzer in Paderborn aufzuregen.

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