Hitzige Debatten: Wieder droht einem HSV-Gegner der Trainer-Knall

Kasper Hjulmand und Merlin Polzin reden an der Seitenlinie
Das Nachholspiel Anfang März gewann Leverkusen mit 1:0 beim HSV. Jetzt sehen sich Kasper Hjulmand (l.) und Merlin Polzin wieder.

Robert Andrich polterte nach dem 1:3 von Bayer Leverkusen in Stuttgart: „Sobald es eng und brenzlig wird, schaffen wir es nicht, als Mannschaft zusammenzustehen.“ Der Kapitän der Werkself übte Generalkritik und sprach von einer Leistung als „Sinnbild“ für die wackelige Saison seines Teams. „Es war von allen zu wenig.“ Durch die Pleite beim VfB hat Leverkusen die Champions-League-Qualifikation nicht mehr in der eigenen Hand und muss am 34. Spieltag auf ein Wunder hoffen. Der HSV wiederum könnte erneut zum Trainer-Killer werden.

Um Bayer-Coach Kasper Hjulmand gibt es schon seit Wochen Diskussionen. Es ist wahrscheinlich, dass der Däne im Sommer schon wieder gehen muss, nicht einmal ein Jahr nach seinem Dienstantritt im September. Laut „Bild“ ist das Hjulmand-Aus sogar schon besiegelt – unabhängig davon, wie das abschließende Spiel gegen den HSV am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) ausgeht und ob ein Sieg womöglich doch noch für Platz vier reicht.

Leverkusen braucht gegen den HSV ein kleines Wunder

Bayer ist auf Patzer von Stuttgart (derzeit Vierter, spielt in Frankfurt) und Hoffenheim (aktuell Fünfter, in Gladbach) angewiesen und muss selbst definitiv gewinnen. Ansonsten war es das endgültig mit der Champions League. Der HSV dagegen reist ohne Druck in die BayArena. Sollte Merlin Polzins Mannschaft sogar dreifach punkten, dürfte es an der Entscheidung kontra Hjulmand keinerlei Zweifel mehr geben. Letztmals hatte der HSV im März dafür gesorgt, dass ein Chefcoach gehen muss: Nach dem 2:1-Sieg in Wolfsburg musste dort Ex-VfL-Coach Daniel Bauer gehen.

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Der VW-Klub kämpft am Samstag im direkten Duell mit dem FC St. Pauli um den Relegationsplatz. Den Werksverein aus Leverkusen treiben andere Sorgen um. Zwei Jahre nach der überraschenden Meisterschaft wird es diesmal wohl „nur“ für die Europa League reichen. Dabei hatte es vor eineinhalb Wochen, nach dem 4:1 gegen RB Leipzig, noch klar nach Königsklasse ausgesehen. „Gegen Leipzig haben sie richtig gut gespielt“, sagte Trainer-Legende Friedhelm Funkel am Sonntag im „Doppelpass“ von Sport1, benannte aber zugleich das größte Leverkusener Manko in dieser Spielzeit: „Sie haben es nicht geschafft, das beständig zu zeigen. Und darum haben sie diese Probleme.“

Hjulmand vor dem Aus? Effenberg ordnet die Situation ein

Dass Andrich am Samstag fehlenden Zusammenhalt anprangerte, war ein Alarmsignal. Stefan Effenberg nahm die Bayer-Profis dagegen etwas überraschend in Schutz. Der Sport1-Experte teilte Andrichs Einschätzung zwar „in einer Art und Weise, ja – weil du nie diese Konstanz reinbekommen hast in den Spielen, wo es drauf ankommt“.

Dennoch fand er positive Worte über den Verein: „Wir reden ja nicht von Leverkusen, das auf Platz zehn oder zwölf steht, sondern nach wie vor in Schlagweite ist. Mit allem, was passiert ist in den letzten zwei Jahren, finde ich, dass sie eine gute Saison gespielt haben. Der Anspruch ist ein anderer. Aber wenn man es realistisch einordnet, ist dieser Platz, auf dem sie jetzt stehen, sollten sie den behalten, völlig okay.“ Vermutlich wird es beim sechsten Platz bleiben.

Polzin tritt mit dem HSV zum Abschluss gegen Bayer an

Vergangene Saison war es noch Rang zwei hinter Meister FC Bayern. 2023/24 hatte sich Bayer sensationell und ungeschlagen die Meisterschale geholt. Danach aber verabschiedeten sich Säulenspieler in allen Mannschaftsteilen: Ex-Abwehrchef Jonathan Tah ging nach München, Mittelfeldstratege Granit Xhaka zum FC Sunderland nach England und Superstar Florian Wirtz zum FC Liverpool. Auch deshalb findet es Effenberg nicht verwunderlich, dass es in Leverkusen nicht einfach so weiterging. „Du hast keinen Xhaka mehr. Das sind Dinge, die dir dann abgehen“, sagte der Ex-Profi im „Doppelpass“. „Und dann musst du mit einer jungen Mannschaft ein Stück weit Geduld haben.“

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Auch Bayers Sport-Geschäftsführer Simon Rolfes bittet um Zeit. Dennoch dürfte er sich nach dieser Saison von Hjulmand trennen, selbst wenn das Champions-League-Wunder gegen den HSV geschieht. Realistischer aber ist, dass Leverkusens Coach am Samstag zum letzten Mal auf der Bank sitzt. Der Trainer-Handshake mit Polzin nach dem Abpfiff dürfte unabhängig vom Ergebnis Hjulmands letzter unter dem Bayer-Kreuz sein. Der 54-Jährige hatte schon nach dem 2. Spieltag die Nachfolge des gefloppten Erik ten Hag angetreten. Wirklich zur Ruhe gekommen ist Leverkusen allerdings auch danach nie. Jetzt droht der nächste Trainer-Knall – und der HSV könnte ihn befeuern.